Anders leben: Liz Clark segelt seit 10 Jahren alleine durch den Pazifik – sie sucht Surfspots

"Das Paradies ist in dir"

Eigentlich sollten es nur zwei Jahre Auszeit werden. Doch mittlerweile ist Liz Clark überzeugt: „Ich bin Aussteigerin auf Lebenszeit“. Die Surferin und Seglerin lebt ihren Traum. Intensiv und gelassen – jetzt!

Es ging alles ganz schnell. Die Wolken türmten sich innerhalb einer Stunde auf, aus der Totenflaute wurde ein Sturm mit 40-50 Knoten Windstärke. Der 40-Fuß-Langkieler „Swell“ ächzte und stöhnte, Skipperin Liz Clark fühlte sich einsam wie nie. „Dies waren Stunden, die ich nie vergessen werde. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich eine Heidenangst. Vor der See, vor dem Himmel, vor allem!“ Mitten auf dem Pazifik, auf einer 1.300 Seemeilen-Passage von den Kiribati-Inseln nach Bora-Bora, erwischte die Einhandseglerin einer dieser „Einmal-im-Leben“-Stürme.

Die Wellen türmten sich haushoch auf, der Vorstag machte Zicken, sie fürchtete um ihren Mast. „Doch das Schlimmste waren die Blitze. Sie schlugen so nah ein, dass ich mir plötzlich Gedanken darüber machte, wie viele Segler vor mir wohl in so einem Sturm nach einem Blitzschlag auf Nimmerwiedersehen verschwanden!“.

Liz überlebte, wenn sie auch ziemlich Federn lassen musste. Die gesamte Elektrik rauchte, die „Swell“ machte Wasser, zwei Segel der sowieso nicht gerade üppigen Garderobe waren zerrissen. Liz Clark brauchte 14 statt der geplanten sieben Tage für die Überfahrt und als sie auf Bora-Bora ankam, mussten sie und „Swell“ erstmal aufs Trockendock. Oder das, was man auf einer Südseeinsel als solches bezeichnet. Kein Geld, ein Leck im Boot, keine Sprachkenntnisse… mehr als 11 Monate dauerte ihr Reparatur-Aufenthalt.

Leben im Paradies

„Aber was für eine Zeit war das!“ erinnert sich Clark heute. „Ich lernte unglaubliche Menschen kennen, fand faszinierende Surfspots gemeinsam mit den Einheimischen, war mitten im Paradies!“

Vor nichts Angst. Oder fast nichts © clark

Vor nichts Angst. Oder fast nichts © clark

Eine typische Episode für die Abenteurerin Liz Clark: etwas wagen, einfach machen, aufs Glück vertrauen und leben, leben, leben. Nach diesem Motto tingelt die heute 35-jährige bereits seit zehn Jahren auf der „Swell“ durch den Pazifik. Die kalifornische Surferin sucht – ganz offiziell – nach den letzten, unbekannten Surfspots des Ozeans. Und – ganz inoffiziell – nach dem Glück auf Erden, pardon: der Meere.

Das hat sie wahrscheinlich schon längst gefunden. Mehr als 30.000 Seemeilen hat sie in den Jahren im Kielwasser gelassen, unzählige Freundschaften geschlossen und die „wahrscheinlich schönsten Ecken unseres Planeten gesehen“ wie sie kürzlich in einem Interview berichtete.

Doch es gibt immer auch eine Kehrseite der glänzenden Medaille. „Durch die immer deutlicher sichtbare Verschmutzung der Meere bin ich zur Umweltaktivistin geworden! Manchmal kam ich auf fernab aller Routen auf entlegenen, unbewohnten Inseln an, deren Traumstrände sich als Plastikmüllhalden entpuppten!“ Seitdem engagiert sich Clark bei verschiedenen Umweltgruppierungen und bloggt auf ihrer Website für einen sauberen Planeten.

Just smile © clark

Just smile © clark

Liz Clark segelt bevorzugt alleine, mit ihrer seefesten Katze „Amelia“ als ersten Maat. „Mittlerweile habe ich ein ziemlich ausgeklügeltes System entwickelt, wie ich mit Hilfe von Google Earth, Seekarten, Wettervorhersagen und Erfahrungen der Einheimischen die jeweils besten Surfspots der Gegend finden kann, in der ich gerade herumsegle.“ Typisch für sie, dass sie aus ihren Fundstücken ein Geheimnis macht: „Diese Spots bleiben mein ganz persönlicher Schatz – meine Geheimnisse offenbare ich nur ganz wenigen Freunden!“ Unter dem Siegel der Verschwiegenheit, natürlich.

Das Risiko surft mit

Die pazifischen Küsten Mexikos, Zentralamerikas, die Galapagos-Inseln und später „nahezu jede Insel Polynesiens“… Liz Clark ist nicht auf Rekorde aus, sondern erkundet in aller Ruhe, mit der nötigen Muße und Gelassenheit „ihre“ Paradiese. Die Surfspots, die sie so ausmacht, zählen unter Insidern zu den schönsten, aber auch gefährlichsten.

Knapp an Der Lähmung vorbei: Liz bricht sich beim Bodysurfen einen Halswirbel © clark

Knapp an Der Lähmung vorbei: Liz bricht sich beim Bodysurfen einen Halswirbel © clark

„Sie ist wirklich gut auf dem Brett, kann die schwierigsten Situationen meistern. Doch weil sie meistens mutterseelenallein auf den entlegendsten Spots der Meere unterwegs ist, bleibt immer noch ein gewisses Restrisiko,“ sorgen sich Surferfreunde aus Kalifornien, die sie mitunter besuchen.

Dass sie dann ausgerechnet bei einem Heimatbesuch das Schicksal vieler Surfer vor ihr ereilte, bezeichnet sie als „irres Glück im Unglück.“ Weil sie sich beim Joggen ein paar Tage vorher den Knöchel verstaucht hatte, wollte Liz in San Diego einfach nur Bodysurfen, um  den Fuß nichtzu belasten. Dabei krachte sie auf eine Sandbank, brach sich einen Halswirbel und entging nur knapp einer Lähmung. „Schicksal!“ sagt sie pathetisch.“ Wäre mir das an einem meiner entlegenen Spots passiert, hätte ich als Fischfutter geendet!“

Das Paradies in dir

Letztes Jahr wurde sie von der renommierten „National Geographic Society“ für den „Abenteurer des Jahres“-Award nominiert. „Natürlich habe ich den Preis nicht gewonnen, es gibt so viel Wildere da draußen. Aber ich war zutiefst berührt, dass man mich selbst auf diesem Niveau mittlerweile wahrnimmt,“ schrieb sie daraufhin auf ihrer Website.

Derzeit ist Liz Clark weiterhin in der Südsee unterwegs. Sie jobbt, macht kleine Charterfahrten, taucht, verdient sich ihren Lebensunterhalt. „Irgendwie klappt es immer. Und sonst gibt es eben tagelang frischen Fisch und frisches Obst,“ sagt sie schulterzuckend. So lange ich nichts reparieren muss, ist das Leben hier ziemlich preiswert. Auch für Typen wie mich, die notorisch pleite sind.“

Und sie schreibt an einem Buch. „Ich will Leute dazu ermutigen, einfach ihren Traum in Angriff zu nehmen,“ sagt sie. „Dieser Planet bietet uns so viele wunderbare Möglichkeiten – man muss sie nur wahrnehmen. Jeder hat das Zeug zu einem Abenteurer, in jedem steckt ein ganz persönliches Paradies!”

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Blog

Das Leben kann so irre sein © clark

Das Leben kann so irre sein © clark

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Anders leben: Liz Clark segelt seit 10 Jahren alleine durch den Pazifik – sie sucht Surfspots“

  1. avatar Backe sagt:

    Schöner Artikel, Michael!
    Und auch wenn’s für mich gar nicht die Südsee sein müsste ist es doch schön, dass uns einige Segeltypen da draußen mit ihren Blogs immer wieder einen kurzen, aber gaaanz weiten Blick über den Tellerand ermöglichen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 0

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