Anders leben: Segler-Paar macht mit Geschäftsidee Furore – Pizza-Service für Ankerlieger

Pizza-Boot

vor Anker, Pizza, Karibik,

Pizza für Buchtenbummler und Inselhüpfer © pizza pi

Für den großen und kleinen Hunger zwischendurch: Tara und Sasha liegen mit ihrer „Pizza PI“ auf Reede und backen frische Pizzen für karibische Müßiggänger.

Manchmal braucht man eben eine Pizza. Und sonst nichts! Ganz egal ob Karnivor, Veganer, Ovo-Lacto-Vegetarier oder einfach nur Allesfutterer, für jeden gilt das Naturgesetz: Pizza tut gut. Basta.

Nun muss der SR-Leserschaft nicht gesondert erklärt werden, dass die Lust auf belegte Teigfladen, die im Ofen schön knusprig gebacken und mit zart schmelzendem Käse nicht nur optisch verfeinert werden, bei und nach der Ausübung jeglicher Wassersportaktivitäten überproportional ansteigt. Kurz, nach dem Sport-, Fahrten- oder Lustsegeln kann eine fachlich versiert zubereitete Pizza zum späten Höhepunkt des Tages avancieren. Man muss nur wissen, wo gerade ein Pizza-Bäcker seinen Teig ausrollt.

vor Anker, Pizza, Karibik,

Wollten einfach mal was ganz anderes machen: Tara und Sasha © pizza pi

Es ist nahezu überall auf der Welt überhaupt kein Problem mehr, in einem Hafen eine mehr oder weniger gefällige Pizza serviert zu bekommen. Das mit den Pizzagelüsten der Wassersportler hat sich eben rumgesprochen. Doch was ist mit den armen Menschen da draußen, die in den einsamen Buchten ankern, tagsüber Ruhe suchten oder sich in glasklaren Lagunenwassern tummelten und nun – ganz plötzlich – auf Pizza-Turkey sind?

Auf Pizza-Turkey

In genau so einer Situation befanden sich Tara und Sasha Bouis (heute 32 und 38) vor fünf Jahren. Die beiden hatten nach einem harten Chartertörn-Tag als Bootskapitän und als Catering-Chefin alles gegeben und ankerten zum Feierabend in einer karibischen Bucht, fernab jeglicher Chartertouristik.

Natürlich meldete sich genau dann der „kleine“ Pizza-Hunger, aber es gab nur Popcorn! Eine Nacht lang verbrachten die beiden (wahrscheinlich nicht nur) mit Fabulieren, „Brainstorming“ oder wie man das Ausbrüten einer Idee sonst noch nennen mag. Heraus kam das Projekt „Pizza PI“: eine segelnde Pizzeria, die ihre wohlfeilen Fladen genau in den Buchten und Lagunen zum Verkauf darbietet, wo weit und breit kein Pizza-Mitbewerber auszumachen ist. Aber Dutzende Bootseigner vor Anker liegen, die ganz plötzlich…

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Auffällige Farben, große Plakatierung: geschäftstüchtig sind die Bouis © pizza pi

Die Realisierung dieses Projektes war für Tara und Sasha nicht der erste Wendepunkt in ihrem Leben. Sasha arbeitete zuvor als erfolgreicher Programmierer bei Standard & Poors in Manhattan, stellte aber bald fest, dass Geld nun mal nicht alles ist. Vor allem dann, wenn man einen gewissen Lebenshunger verspürt.

Er ließ sich zum Segellehrer ausbilden, zog in die Karibik und arbeitete dort in Camps und Resorts. Dabei lernte er Tara kennen, die ebenfalls aus der Tretmühle täglicher Arbeit als Sonderschullehrerin ausgestiegen war, um Kinder dem Wassersport näher zu bringen. Danach folgten gemeinsame Jobs als Charter-Crew, bis sie „Pizza Pi“ in Angriff nahmen.

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So sah es am Anfang auf der Pizza Pi aus © pizza pi

Die beiden hatten mittlerweile geheiratet und kauften sich von ein paar zurückgelegten Dollars einen alten Segler aus Aluminium, an dem bereits seit mehr als 10 Jahren keine Segel mehr gesetzt worden waren. „Innen sah es wie nach einem Bombenanschlag aus,“ erinnert sich Sasha.

„Termiten hatten so ziemlich die gesamte Einrichtung angenagt und zerbröselt, es gab im Prinzip nichts mehr, das wir retten konnten,“ schaudert es Tara noch heute. Doch der Alu-Rumpf war völlig intakt und bot genau das, was sie brauchten: Eine gewisse Gutmütigkeit beim Segeln und reichlich Platz, um eine im Ansatz professionelle Kücheneinrichtung unterzubringen. Inklusive Pizza-Ofen, versteht sich.

Für den großen und kleinen Hunger zwischendurch

Zwei Jahre bastelten die beiden an ihrem Schiff. Alles wurde selbst gemacht, was der handwerklich begabte Sasha noch nicht „drauf“ hatte, lernte er mit Youtube-Tutorials.

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Madama la Chef de Cuisine (rechts) und eine Freundin im Arbeitsstress © pizza pi

2014 stachen die beiden in See und schipperten zur nächsten Bucht. Einfach mal so antesten: Sie hissten ihren Pizza-Banner und die Show ging los: „Erste Motorboote und Tender von größeren Yachten näherten sich vorsichtig, die meisten dachten an ein Sponsorship-Banner und nicht an eine schwimmende Pizzabäckerei,“ freut sich Tara noch heute.

„Doch als wir unsere ersten Pizzen in die bekannten Pappkartons verpackt und unseren ersten Kunden überreicht hatten, als die ersten Kids lautstark durch die Bucht riefen, wie gut sie schmeckten, war der Bann gebrochen. Die Leute fanden die Idee wunderbar und wir konnten uns vor Kunden kaum mehr retten!“

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Diese Amerikaner! © pizza pi

Seitdem brummt auf der „Pizza Pi“ nicht nur der Dieselmotor, sondern auch der Laden. Egal wohin die beiden Bouis tingeln, überall scheint es so, als hätten die Segler und Motorboote, die in der angelaufenen Bucht vor Anker liegen, nur auf die beiden gewartet.

Irgendwann meldete sich Nachwuchs bei den beiden an, und sie legten sich für einen längeren Zeitraum in die „geschäftsträchtige“ Christmas Cove-Bucht vor St. Thomas, US Virgin Islands. „Den Pizza-Laster, der immer wieder an der gleichen Stelle im Ort parkt und dort seine Pizzen backt, den kennt jeder!“ sagt Mama Tara heute. „Aber ein Pizza-Boot – das ist eine echte Sensation!“

Wie lange die beiden ihr segelnde Pizzeria noch betreiben wollen? Tara deutet auf den Namen auf dem Bootsrumpf. „Wir haben Pizza PI für unser Schiff ganz bewusst ausgewählt. Erstens ist er in Notsituationen leicht über Funk durchzugeben (Papa India), zweitens hat die unendliche Zahl PI auch etwas Transzendentales, steht für Unmengen Möglichkeiten… ich glaube, wir werden noch lange in den Buchten der Karibik unsere Pizzen backen!“

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Michael Kunst

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