Anker-Gebühr: Franzosen wehren sich mit lauten Protesten

Darf ankern kosten?

Die "andere Seite2 Des Ankerns. Hier vor Pampelonne, code d'Azur © tourismusverband cote d'azur

Die “andere Seite” des Ankerns. Hier vor Pampelonne, Cote d’Azur © tourismusverband cote d’azur

Wer in französischen naturgeschützten Gewässern ankert, sollte zur Kasse gebeten werden: 20 Euro pro Meter Schiffslänge am Tag. Eine Farce.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Was da kürzlich in Frankreich „auf den Weg gebracht“ und schließlich genüsslich „gekippt“ wurde, sollte nicht als „typisch Grande Nation“ verstanden werden. Das hätte auch in Deutschland, in Schweden, Dänemark oder anderen „Wassersport-Nationen passieren können. Schließlich waren wir beispielsweise mit der Maut für Wasserstraßen nicht weit vom Thema entfernt. Deshalb sollen die Vorfälle eher als Beispiel dafür gelten, dass Protest doch etwas bewirken kann. Er muss nur laut genug sein.

Wer ankert, soll zahlen

Vor etwa einem Jahr kamen in französischen Regierungskreisen erste Gerüchte auf, dass man vor der Küste ankernde Boote und Yachten zukünftig zur Kasse bitten wolle. Als erste Verbände und Sportboot-Werften besorgt um mehr Details baten, winkte man zunächst ab. Das sei ja sowieso nur für Naturschutzgebiete vorgesehen, wo man übrigens nur unter besonderen Voraussetzungen ankern dürfe.

Wildromantisch vor Anker – hier vor Korsika  © bateaux corse

Wildromantisch vor Anker – hier vor Korsika © bateaux corse

Tatsächlich gibt es für einige französische Küstenabschnitte, die in Naturschutzzonen liegen, spezielle Regelungen, wo und vor allem wann man dort ankern darf. Regelungen, um die sich bisher kaum jemand scherte und deren Verstöße von den französischen Behörden eigentlich nie verfolgt wurden.

„Die paar Kilometer Küsten unter Naturschutz“, könnte man nun argumentieren. „Sollen sie doch“. Nur fallen tatsächlich knapp 30 Prozent der französischen Festlandküsten und Überseegebiete unter diese „Schutzzone“ und bei den ankerbeliebten Buchten Korsikas sind es sogar 50 Prozent. Auch die Inselwelten der Bretagne oder vor der Cote d’Azur wären betroffen.

Von 20 Euro pro Meter Schiffslänge war die Rede – schon der Sonntagsausflug mit Picknick vor Anker auf dem Familien-Zodiak könnte so richtig teuer werden. Vom kurzen Zwischenstopp mit dem 15-Meter-Daysailer in der ach so romantischen Bucht mal ganz zu schweigen.

Freiheit, die wir meinen

Es dauerte einige Monate, bis sich die Gerüchte verdichteten und man sich unter Wassersportlern aller Art über die Tragweite eines derartigen Gesetzes im Klaren wurde. Die wahrscheinlich größte Segelnation Europas war an einem besonders empfindlichen Punkt getroffen. button_petition-logo-150x150Entsprechend pathetisch und emotionsgeladen schallten aus den Lagern der Segler, Motorbootfahrer, Verbände, Hafenbetreiber und Werftbesitzer die Protestrufe. Von „Freiheit auf den Meeren“ war die Rede, vom „Heiligtum für Franzosen“, von uralten Rechten und einem empfindlichen Einschnitt in die Freizeitkultur des Landes und seiner Bürger.

Ungeachtet dieser immer lauter werdenden Proteste empfahlen die französischen Senatoren, sozusagen als Vorstufe für eine spätere gesetzliche Vereinbarung und auf offiziellen Wunsch der französischen Regierung, den Abgeordneten des Parlaments die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzesentwurfs.

Währenddessen rechneten die französische Werften- und Hafenbetreiberlobby vor, dass „Zehntausende Arbeitsplätze“ mit der Einführung einer derartigen Steuer oder Gebühr in Gefahr seien. Wer fürs Ankern bezahlen müsse, kaufe sich schließlich keine Boote und benötige somit auch keine Liegeplätze mehr dafür.

Doch erst die Wasserschutzpolizei brachte Bewegung in die festgefahrenen Diskussionen. Dort fragte man nämlich zaghaft nach, wie denn bitteschön die Gebühren eingetrieben werden können? Sollen die Wasserschützer und Lebensretter etwa jedes Wochenende von Bucht zu Bucht tingeln und jeden der dort Ankernden zur Kasse bitten?

Des Seglers liebstes "chillen": vor Anker! © tourisme dom tom

Des Seglers liebstes “chillen”: vor Anker! © tourisme dom tom

Die nächste Runde einläuten

Um es kurz zu machen: nach mehreren Petitionen mit Hunderttausenden Unterschriften, nach Dutzenden Gesprächen hinter verschlossenen Türen, lehnten vergangene Woche die französischen Abgeordneten den entsprechenden Gesetzesentwurf ab.

Vorerst sei eine derartige Gebühr vom Tisch, hieß es. Die Gemeinde der Wassersportler könne aufatmen.

Doch nun regen sich bereits erste Naturschutzverbände, die nachfragen, warum denn die Wasser vor geschützten Küsten nicht ebenfalls unter entsprechender Protektion stünden. Gong zur zweiten Runde?

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Michael Kunst

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