ARC Kontroverse: Atlantik-Motorstunden verschwiegen – Knut Frostad wundert sich

Hebel auf den Tisch

Bei der ARC steht das R für Rally und nicht für Regatta. Dennoch führt falscher Ehrgeiz im Bemühen um Silberware offenbar zu erstaunlichen Auswüchsen.

Bei der 31. Atlantik Rally for Cruisers ist es während der Presverteilung in St. Lucia zu unschönen Szenen gekommen. Der Sieger  einer Cruiser Division wird ausgebuht, weil er zu lange unter Motor gefahren ist.

Nun muss man wissen, dass es bei der ARC den Yachten, die nicht in der Racing Division starten, erlaubt ist, die Maschine anzuwerfen. Sie müssen allerdings offen und ehrlich die Meilen unter Motor angeben und erhalten dafür Zeit abgezogen. Für eine Motorstunde bekommt man über den Daumen gepeilt je nach Boot etwa eine Stunde auf die Zeit aufgeschlagen.

Dass es nach diesem Modell ohnehin keinen echten Vergleich geschweige denn eine Regatta geben kann, sollte sich eigentlich jedem erschließen. Und das wollten die Veranstalter eigentlich auch nicht. Viele Jahre lang gab es keine Racer Divisionen bei der ARC.

Yachtie-Treffen für 220 Crews

Ursprünglich war das Yachtie-Treffen auch dafür gedacht, begleitet das Atlantik-Abenteuer zu bestehen. In diesem Jahr nutzten 220 Crews, die Chance im Rahmen dieses Happenings über den Teich zu kommen – darunter 29 deutsche Yachten.

Aber dieser Spirit scheint angesichts der Kontroverse in Vergessenheit zu geraten. Es mag mit der überwiegenden Abwesenheit des Windes zu tun gehabt haben, dass das Motor-Thema diesmal mehr in den Fokus geraten ist als sonst.

Yachting World verzeichnete zahlreiche Verdachtsfälle, die von Seglern über andere geäußert wurden, dass die Motorzeiten nicht ehrlich angegeben wurden. Die besonders in der Kritik stehende Cruiser-Siegercrew soll nur fünf Motorstunden angegeben haben, dabei wird vermutet, sie habe elf Tage lang den Speed künstlich erhöht. Per Tracker können Zeiten ja relativ gut nachvollzogen werden.

Die schnelle Hand am Motor-Schlüssel

Aber niemand protestierte offiziell. Und so wird es bei inoffiziellen Beschuldigungen bleiben. Zweifel an der vermehrten Unehrlichkeit gibt es unter den Teilnehmern aber nicht. Immer mehr Crews sind schneller mit der Hand am Motor-Schlüssel. Für sie ist nicht mehr der Weg das Ziel. Das Abenteuer Atlantik muss irgendwie in den Terminplan passen.

Dass die Motor-Philosophie nicht zur Herangehensweise eines Knut Frostad passt, dem ehemaligen Chef des Volvo Ocean Races, dürfte klar sein. Der Norweger nahm mit seinem Outremer 5X catamaran “Nemo” erstmals an der Atlantik Rally teil.

Er wundert sich im Yachting World Interview, dass doch ziemlich viele Teilnehmer sehr ehrgeizig zu Werke gehen. Das Staunen hielt an, als in der Flaute plötzlich 30, 40 Crews den Hebel auf den Tisch legten und vorbei zogen. Aber da treffen offenbar Welten aufeinander.

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „ARC Kontroverse: Atlantik-Motorstunden verschwiegen – Knut Frostad wundert sich“

  1. avatar Ulli Jäger sagt:

    HIhi , ich lach mich weg, die kommen wohl alle aus der Ostsee, Großsegel hoch und Motor an

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

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