Arktis: Französische Familie lebt auf ihrer 47“-Yacht „Vagabond“ im Packeis

Familienleben im Kühlschrank

Brossier, Vagabond, Arktis, Familie, 2 Kinder

Die Vagabond aus Hunderperspektive © Brossie

Es ist bereits der dritte arktische Winter, den die „Vagabunden“ in cooler Familienidylle verbringen. Ein etwas anderes Seefahrerleben bei minus 30°C

„Neulich musste Eric mit Hund und Schlitten auf so etwas wie eine Geschäftsreise. Da waren die beiden Mädchen und ich für einen Tag und eine Nacht alleine. Prompt kam ein Eisbär irgendwie an den zurückgebliebenen Hunden vorbei und wollte an Deck klettern. Ich hab’ ihm dann mit zwei brennenden Seenotfackeln gehörigen Schiss eingejagt – der kommt nie wieder!“

France erzählt diese kleine Begebenheit einem französischen Radiojournalisten während eines Telefoninterviews, als hätte sie gerade eben mal Nachbars vorwitzigen Spitz aus dem Vorgarten gejagt. „Die Kinder sind dabei noch nicht einmal aufgewacht!“

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Haustiere liegen immer vor der Haustüre © Brossier

Um es gleich vorweg zu nehmen: Diese Anekdoten sind tatsächlich Alltag für die Brossiers! Schließlich leben sie derzeit an einem der unwirtlichsten Orte dieses Planeten: Im Grise Fjord, vor der Insel Ellemere/Kanada. Und, ja, sie leben jetzt dort, mitten im Winter.

Seit drei Jahren lassen sie sich in dieser arktischen Bucht im frühen Herbst buchstäblich einfrieren, um ca. 8 Monate später wieder hinaus zu segeln. (Video-Teaser zu dem Film “sous les etoiles du pole)

Hausrevier: Arktisches Eismeer

Dazwischen liegen arktische Winter der allerhärtesten Sorte: Wochenlange Dunkelheit, Temperaturen bis zu minus 40° C,  ziemlich hungrig wirkende Eisbären, die um das Schiff herum streunen, aber (meistens) von den Hunden, die eigentlich Wache halten sollten, verjagt werden.

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Alleine © Brossier

„Die Leute können es oft nicht glauben, wenn sie zum ersten Mal von uns hören, aber wir leben tatsächlich mit unseren beiden kleinen Mädchen auf einem 47 Fuss-Segelschiff– was an sich ja heute nichts Besonders mehr ist. Nur dass wir unsere Sommertörns eben nicht in der Karibik oder im Mittelmeer segeln, sondern entlang der arktischen Eiswüste! Und im Winter lassen wir uns in einer ganz bestimmten Bucht festsetzen!“

Frances Wortwahl ist bewusst. Sie sagt nicht „vom Packeis einschließen“ oder etwa  „vom Eis gefangen nehmen“, sondern beschreibt die Situation wie sie ist; „Für die dortigen Verhältnisse völlig normal. Oder fast.

Einfrieren, überwintern, auftauen, wegsegeln.“ Was für uns wiederum nichts an der Exotik ändert…

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Ausflug zum nahegelegenen Eisberg, der wichtige Süßwasserquelle für die Vagabunden ist © Brossier

Weltenbummler, Extremsegler, Umweltaktivisten

Eric Brossier (43) ist in erster Linie Abenteurer, Weltreisender, Segler aber auch Geowissenschaftler. Seine Expeditionen sind in Frankreich längst einem sehr großen Publikum bekannt. Er war überall auf der Welt als Geophysiker aktiv – ganz egal ob in den Wüsten der Arktis, Ägyptens oder auf den Kerguelen.

Seit 1999 ist er Eigner der „Vagabond“, einer speziell für Eis-Expeditionen gebauten Stahlyacht von 15,30 m Länge und 4,20 m Breite, deren Rumpf im Bugbereich so weit verstärkt wurde, dass sie auch größere Schollen zur Seite schieben kann.

Im Jahr 2000 trat France Pinczon du Sel (heute 41) in Erics Leben, ganz profan, einfach so, wie das bei der „großen Liebe“ oft geschieht. Die begeisterte Regatta- und Offshore-Seglerin mit ebenfalls mehr als reichlicher Reiseerfahrung, trieb sich damals ähnlich unmotiviert auf einer Bootsmesse herum wie Eric.

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23 Uhr, Ende Februar © Brossier

Kurz darauf segelten die beiden als Paar nach Norden. Eric hatte einige wissenschaftliche Jobs in der Arktis zu erledigen, zumindest fürs Überleben würden seine Honorare reichen. Sie erkundeten die Gewässer rund Grönland, befuhren die Nord-Ost-Passage, überwinterten im Kamtchatka,  segelten Japan, Russland und die Nord-West-Passage ab, überwinterten vor Spitzbergen.

Dort wird vor 6 Jahren Leonie geboren. Sie begleitete von klein auf ihre Eltern bei allen folgenden Fahrten; drei Jahre später vervollständigt Aurore die Familie. „Natürlich wachsen unsere Kinder wie Inuit auf. Sie kennen eher Robben- als Kalbsfleisch. Nur – was soll daran falsch sein?“ fragt France.

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Michael Kunst

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5 Kommentare zu „Arktis: Französische Familie lebt auf ihrer 47“-Yacht „Vagabond“ im Packeis“

  1. avatar T.K. sagt:

    COOL

    Im wahrsten Sinne des Wortes!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 1

    • avatar Boris sagt:

      Danke an die Segelreporter für diese Geschichte. Nicht schneller, weiter, höher… sondern mal ein “anderes” Leben!

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 0

  2. avatar user sagt:

    Wieso werden nicht alle Antworten veröffentlicht?
    Finde ich nicht gut, dass welche aussortiert werden!
    Hatte heute morgen was geschrieben und es wurde nicht veröffentlicht.
    Einige Zeit lang stand noch was da von wegen “Die antwort muss noch moderiert werden”
    oder so….

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 6

    • avatar miku sagt:

      Hallo “user”,

      wir hatten heute Morgen unter Deinem Namen genau 11.595x das Wort “kalt” aufgelistet. Bitte verzeih’, dass wir diese “Antwort” lieber unter SPAM ins virtuelle Nirvana beförderten.

      Beste Grüße, auch von unserer Firewall

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 1

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