Berühmtes Schiff: Wie Tabarlys “Pen Duick IV” die Multihull-Ära einläutete

+++ Mutter der Hochsee-Trimarane +++

Alain Colas 1972 auf der “Pen Duick IV”. Bericht des französischen TV. Man sieht deutlich das eher “rohe Finish” des Überflieger-Katamarans 

Eric Tabarly ließ den Trimaran „Pen Duick IV“ 1968 bauen, doch mit Alain Colas gelang sie zu Weltruhm: Das 20-Meter-Alu-Monster pulverisierte alle Rekorde… und verschwand mit seinem Skipper spurlos bei der ersten Route du Rhum.

Es war ein Bruch mit allen Traditionen und Regeln, die bis dato für den Hochseesegelsport galten. Als der berühmte Eric Tabarly, der in den sechziger Jahren so ziemlich alle namhaften Hochseeregatten gewonnen hatte, 1967 breit grinsend mit ein paar Kladden unterm Arm bei dem Marseiller Bootskonstrukteur André Allegre ins Büro schlenderte ahnte der, dass eine Menge Arbeit auf ihn zukommen würde.

Gerüchte über Tabarlys viertes Schiff, das den familientraditionellen Namen „Pen Duick“ (bretonische Bezeichnung für den Vogel Meise) tragen sollte, machten schon seit einiger Zeit die Runde. Die „Neue“ sollte schneller sein als alles, was zuvor auf den Weltmeeren segelte, aber dabei robust genug sein, um in den langen Transatlantik-Regatten bestehen zu können und dennoch einhand zu beherrschen sein. Nur als Solo-Skipper weckte man damals Interesse in den großen Medien.

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Pen Duick, Trimaran,

Dieses Schiff war 1968 schlicht eine Sensation © Assoc. Pen Duick

Geheimwaffe für die OSTAR

Doch Tabarlys Ideen, die nun vor dem Bootsbauer ausgebreitet lagen, gingen dann doch ein wenig zu weit: Ein Trimaran (ausgerechnet!) aus Aluminium (damals ein Rohstoff mit Seltenheitswert im Bootsbau), mit drehbaren Masten (!), Ketsch-getakelt.

Das alles müsste bitteschön vorgestern fertig gestellt werden, denn Tabarly wollte damit erneut die OSTAR gewinnen, die damals prestigeträchtigste Transatlantik-Regatta. Er habe so eine Ahnung gehabt, deutete Tabarly an, dass die Ära der Einrumpfer so langsam zu Ende gehe.

Natürlich gab es schon Hochsee-Mehrrumpfer – meistens Katamarane –  vor der „Pen Duick IV“, die durchaus auch auf Hochseeregatten eingesetzt wurden. Doch die waren zu sehr auf raume Kurse ausgelegt, um bei der OSTAR mit hauptsächlich westlichen Winden bestehen zu können. Nein, es musste etwas völlig Neues und enorm Schnelles her, um deutliche Akzente für die Zukunft zu setzen.

Tabarly setzte auf einen Trimaran, nachdem er sich bei verschiedenen längeren Törns auf kleineren Trimaranen von deren Am-Wind-Fähigkeiten überzeugt hatte. Und er folgte den (damals noch geltenden) simplen Regeln „Länge läuft“ sowie „drei Rümpfe müssen besser sein als einer“.

Pen Duick, Trimaran,

Unschlagbar auf langen Strecken © Assoc. Pen Duick

Nach den Konstruktionsplänen von André Allegre wurde das 20m lange und 10,50 m breite „Monster“ im Arsenal von Lorient/Bretagne gebaut. Dort verfügte man über Kanäle für (Torpedo-) Schleppversuche, ein Konstruktionsbüro in Nantes errechnete (ohne Computer) die Strukturen dieses völlig neuen Schiffstypus. Die Presse nannte sie “eine „friedliche Waffe zur See, wie es sie noch nie zuvor gegeben hatte!“ und sah der Jungfernfahrt enthusiastisch entgegen.

Die wilden 68er

Die verzögerte sich jedoch immer mehr, da die 68er-Mai-Unruhen und Streiks in Frankreich große Teile der Industrie lahmlegten. Entsprechend „knapp“ wurde es für Tabarly und die „Pen Duick IV“, um die OSTAR aufzumischen.

Als Tabarlys Trimaran schließlich getauft und zu Wasser gelassen wurde, als die ersten Schläge in der Biskaya zeigten, dass „der Vogel tatsächlich fliegen“ wird,  ging ein Raunen durch die Segelwelt. Viele hielten Tabarly für vermessen, andere für genial, Dritte für tollkühn. Alleine auf diesem „Ding“ segeln, das noch nicht einmal einen Anstrich hatte und mit „rohem“ Outfit daher kam?

Auf der Überfahrt zum OSTAR-Starthafen Plymouth erreichte der Trimaran lockere 18 Knoten Geschwindigkeit – der französische Held war also doppelt so schnell wie auf der Pen Duick III, mit der er die letzte Ausgabe dieses Transatlantik-Rennens gewonnen hatte.

Doch Tabarly wusste auch, dass sein neuer Renner Kinderkrankheiten hatte. Die Selbststeuerungsanlage gab ab 10 kn Geschwindigkeit „das Ruder ab“, der Großbaum war nicht richtig im Mast verankert und sonstige Baustellen verhießen nichts Gutes.

Pen Duick, Trimaran,

“Ich gebe auf!” © Assoc. Pen Duick

Tabarly startete bei der OSTAR dennoch auf dem „schwimmenden Tennisplatz“, wie die “Pen Duick IV” von den Konkurrenten getauft wurde. Zwei Tage später kollidiert der Trimaran mit einem Frachter auf See, und musste wieder zurück nach Plymouth für eine dreitägige Reparatur.

Doch der „Held der Meere“ gibt nicht auf, „fliegt“ nochmals über die Startlinie, will voller Vertrauen in sein Schiff alle anderen einholen. Wiederum vier Tage später: Das Selbststeuern funktioniert nicht mehr und einer der beiden drehbaren Masten zickt. Zum ersten Mal in seinem Leben muss Tabarly kleinlaut der Presse verkünden: „Ich gebe auf!“

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Michael Kunst

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