Besonderes Revier: Regatta auf dem größten See Australiens, der eigentlich eine Wüste ist

Im salzigen Nirgendwo

 

Lake Eyre, Salzsee, Regatta

Segeln mitten im Nirgendwo: Auf dem salzhaltigen Eyresee wird bald eine Regatta stattfinden. Vielleicht! © lake eyre yacht club

Ein See, der meistens keiner ist: Die Chancen stehen gut, dass dieses Jahr wieder eine Regatta auf dem „heiligen Salzsee“ stattfinden wird. Wenn „Kudimudra“ es erlaubt.

„Auf dem Lake Eyre wird vielleicht bald eine Regatta gesegelt. Vielleicht.“ Normalerweise sollte uns die Meldung, dass in Australien in Kürze der Startschuss zu einer Yardstickregatta mit ein paar Dutzend Booten ertönen wird, nicht gerade vom Hocker reißen. Zumal die Australier sowieso immer und überall segeln wollen und bekannt dafür sind, dass sie bevorzugt im Regattamodus ihrer Lieblingsbeschäftigung frönen.

Wer sich jedoch den Ort der anstehenden Regatta etwas genauer anschaut, der ahnt, warum diese Nachricht doch eine gewisse seglerische Aufmerksamkeit verdient. Denn der See, auf dem besagtes Rennen stattfinden soll, ist eigentlich keiner. Oder nur manchmal…

Wasserstand 1,5 Meter – alle drei Jahre!

Der Eyresee oder „Kati-tanda“ in der Sprache der Aborigines, ist theoretisch das größte Binnengewässer Australiens. Der See kann diesen Status logischerweise aber nur erfüllen, wenn er mit H2O gefüllt ist. Aber das passiert jedoch nur äußerst selten.

Denn „Kati-tanda“ befindet sich ca 770 Kilometer nördlich von Adelaide in der Mitte Australiens, ist der 13.größte See auf unserem Paneten und wird oft als das „abgeschiedenste“ Gewässer der Welt bezeichnet. Was unter anderem wohl auch daran liegt, dass es von einer gigantischen Salzwüste umgeben ist, dem Eyre-Becken. Das wiederum hat eine Fläche von 1,2 Millionen Quadratkilometern, wobei sich der Eyresee lediglich über 9.690 Quadratkilomter ausdehnt. Was aber immer noch der Größe Kärntens entspricht.

Logischerweise ist der See inmitten der Salzwüste, wenn er denn gefüllt ist, extrem salzhaltig. Bis zur fünffachen Menge des Salzgehaltes im Toten Meer wurde gemessen. Wer sich bei niedrigem Wasserstand in die Pökelbrühe wagt, muss mit schmerzhaften Hautreizungen rechnen.

Der Füllstand von „Kati-tanda“, der aus einem nördlichen und südlichen Teil besteht, die von einem natürlichen Kanal verbunden werden, ist stark von klimatischen Gegebenheiten wie dem Monsun abhängig. Somit bestimmen die Flüsse im Outback, dem australischen „Hinterland“, welche Wassermengen letztendlich in den Eyresee fließen.

Etwa alle drei Jahre erreicht der Wasserpegel die 1,5 Meter-Marke, einmal pro Dekade steigt er auf vier Meter. Der höchste, jemals gemessene Wasserstand war 1974 mit 5,7 Metern. Es war die größte Flut der Neuzeit, die den See bis 1978 füllte.

Lake Eyre, Salzsee, Regatta

Einmal unter Wasser, ist der See an Schönheit kaum zu überbieten © Peter Elfes

570 km lange Törns

Womit die Segler ins Spiel kommen. Mal ganz abgesehen davon, dass schon Ende des 19. Jahrhunderts Forscher ein Walfangboot (!) ins Landesinnere transportieren wollten, um auf dem Lake Eyre zu segeln (was aber nie ankam), war es wohl ein gewisser Halligan, dem die Ehre gebührt, als Erster mit einem Boot vor Ort gewesen zu sein.

Halligan flog 1922 mit einem Flugzeug über den See, berichtete, dass derselbe zu mindestens einem Drittel gefüllt sei und kam ein paar Monate später auf dem Landweg mit einer Holzjolle zurück. Doch der Salzsee war inzwischen staubtrocken.

In den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts kamen dann die ersten Segler mit ihren Booten hinterm Landrover an den See. Aus dieser Zeit stammt auch die Saga von einem ersten Schiffbruch, nach dem sich die Besatzung auf eine Insel retten konnte und ein paar Tage später schließlich zu Fuß zum Ausgangsort durch den mittlerweile getrockneten See lief.

1975 kurvte der Katamaran „Red Baron“ über den Eyresee. Seitdem kam es immer mal wieder zu Beseglungen, wie gesagt: Je nach Wasserstand. Wobei teils episch lange Törns gesegelt wurden. Es wird von 570 km langen Ausflügen berichtet. Nicht schlecht, für ein Binnenrevier.

Lake Eyre, Salzsee, Regatta

Die “rosa Insel” – ein lohnendes Törnziel. © Peter Elfes

Mitten im Nirgendwo

Seit dem Jahr 2000 gibt es den „Lake Eyre Yacht Club“, der alle paar Jahre, sobald mehr als 1,5 Meter Wassertiefe im nördlichen See angesagt sind, sogar eine Regatta ausrichtet, bei der erstaunlich viele Boote teilnehmen. Erstaunlich deshalb, weil ähnlich wie beim Eissegeln, die Segel-Adepten meist von weither anreisen müssen und dabei teils extrem lange Strecken auf nahezu unbefahrbaren Wegen mit ihren Hängern bewältigen. Unter den 220 Mitgliedern befinden sich nicht nur Australier, sondern auch Amerikaner, Briten und einige Deutsche…

Die bisher letzte Regatta des Clubs (Ausgabe 4) fand im Juli 2013 statt (also mitten im australischen Winter). Damals nahmen 32 Boote mit 70 Erwachsenen und 14 Kindern teil. Wohlgemerkt: Die nächste menschliche Siedlung ist 60 Kilometer vom Start der Regatta entfernt. Dort wohnen sieben Familien…

In diesem Jahr geht der „Commodore“ des „Lake Eyre Yacht Clubs“ davon aus, dass aufgrund der anhaltenden, sehr starken Regenfälle und Überflutungen zum Jahreswechsel vielleicht im April die nächste Regatta auf dem „Kati-tanda“ stattfinden könnte.

Lake Eyre, Salzsee, Regatta

Neben dem Wasserproblem spielt auch manchmal der Wind nicht mit © eyre yacht club

Kudimudra lauert

Aber irgendwie möchte man beim Yacht-Club kein großes Aufheben darum machen, denn die australischen Behörden haben den Seglern schon mehrere Male tonnenweise sinnbildliche „Steine“ in den Weg gelegt: Das gesamte Territorium ist ein Natur-Reservat und darf nur bedingt touristisch genutzt werden. Zudem ist es seit Urzeiten heiliges Land der Aborigines, den Ureinwohnern Australiens.

Warum man auf einem so besonderen See nicht segeln darf, will sich den Mitgliedern des Lake Eyre Yacht Clubs allerdings nicht so richtig erschließen. Sie kämpfen bereits seit Jahren mit Petitionen für ihr Recht auf „freies Segeln in einem freien Land“. Die eine oder andere Regatta wurde so bereits illegal veranstaltet.

Wer sich jedoch zur Zeit auffallend ruhig in diesem Konflikt verhält, sind die Aborigines. Vielleicht, weil sie fest daran glauben, dass „Kudimudra“ das Thema „Segeln auf heiligen Seen“ sowieso bald erledigen wird. In ihrer Mythologie vernichtet das Ungeheuer alle, die den See entweihen. Irgendwann, vielleicht…

Website 

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *