Besonderes Revier: Regatta mitten in der Wüste Australiens

„Mehr Wasser können wir nicht bieten!“

Outback,. Australien, Wüste Regatta

Segeln ja, aber nur mit aufgeholtem Schwert und gekürztem Ruder © Kubilius

Geht’s noch durchgeknallter? Bei mehr als 36.000 km Küstenlänge feiern die Australier ausgerechnet eine Regatta auf einem Tümpel in der Wüste.

Die SegelReporter hatten es prophezeit. „Die Chancen stehen gut, dass dieses Jahr wieder eine Regatta auf dem „heiligen Salzsee“ stattfinden wird. Wenn „Kudimudra“ es erlaubt,“ schrieben wir Anfang des Jahres über ein kultiges Segel-Event mitten in der australischen Wüste.

Wurden vier Tage in die Wüste zum Segeln geschickt: Die knorrigen Mitglieder des Outback Lake Eyre Segelclubs © kubilius

Wurden vier Tage in die Wüste zum Segeln geschickt: Die knorrigen Mitglieder des Outback Lake Eyre Segelclubs © kubilius

Im „salzigen Nirgendwo“ segeln dann die Mitglieder des Outback Spirit Lake Eyre Yacht Clubs ihre in eher unregelmäßigen Abständen veranstaltete Club-Regatta. Falls sie das dafür ja dringend benötigte Wasser finden.

So machte sich Club Commodore Bob Backway auch diesmal wieder auf die Suche nach einem Süßwassersee mitten im Eyre-Becken. Dort, wo durchaus riesige Wasserflächen entstehen können, wenn es in ausreichendem Maße regnet. Seen, die sich in wenigen Tagen bilden, bei knapp 40° Durchschnittstemperatur im (nicht vorhandenen) Schatten aber auch ziemlich schnell wieder in die buchstäbliche Luft auflösen.

Outback,. Australien, Wüste Regatta

Genug Sandstrand ist ja vorhanden © kubilius

“Sonst verdunstet noch alles!”

Nach mehreren erfolglosen Wasser-Such-Reisen in den vergangenen Jahren, wurde Bob im März tatsächlich fündig. Zwei Wochen vor dem Startschuss zur legendären Outback-Regatta, machte er in der Nähe von Mungerannie im Lake Poondulanna, 800 km nördlich von Adelaide und 200 km östlich des (nicht vorhandenen) Lake Eyre, einen relativ kleinen See aus. „Mehr Wasser können wir nicht bieten,“ sagte er fast schon entschuldigend den Mitgliedern seines Clubs. „Beeilt Euch, damit nicht alles verdunstet ist, wenn wir dort aufkreuzen!“

Outback,. Australien, Wüste Regatta

Grade Masten zwischen krummen Sträuchern © kubilius

Also packten 45 Vereinsmitglieder ihre Segelklamotten und ordneten ihre Überlebensausrüstung, hängten 20 Boote an ihre Offroad-Fahrzeuge und zuckelten von South Australia, Victoria, New South Wales, Tasmanien, Queensland und Western Australia in die Mitte ihres Kontinents.

Um vor Ort festzustellen, dass die meisten der mitgebrachten Boote auf dem restlichen Wasser nicht einsatzfähig sind. „Es war diesmal so flach, dass wir die Ruder kürzen mussten. Und manche Boote segeln am Wind bei hoch gezogenem Schwert ziemlich miserabel!“ berichtete ein Teilnehmer später.

Überhaupt habe die gesamte Regatta ein hohes Desaster-Potential: „Du bist mitten in der Wildnis, kannst nicht mal eben schnell übers Internet ein Ersatzteil bestellen. Und die Qualität der Kellner im Lagerfeuer-Gourmet-Tempel ist auch nicht mehr so wie früher,“ ergänzt ein anderer grinsend.

Outback,. Australien, Wüste Regatta

Hauptsache, die Stimmung am Lagerfeuer passt © kubilius

Besser im Kat

Doch im Prinzip ist es ja genau das, was die Outback-Segler suchen. Abenteuer und das Quentchen mehr Wahnsinn in der sowieso schon aufregenden Normalität. Die Clubgemeinschaft soll jedenfalls wieder hervorragend funktioniert haben während der viertägigen Regatta. Und wenn mal einer auf dem Wasser in Bedrängnis kam, dann wateten die Retter und Helfer eben mal schnell rüber.

Eine Erkenntnis haben die Segler jedoch ein für alle Male mit nach Hause genommen: „Auf Mehrrumpfern macht die Outback-Regatta eindeutig mehr Spaß!“ Commodore Bob geht jedenfalls davon aus, dass beim nächsten Mal deutlich mehr Strandkatamarane am Start sein werden. Sand ist jedenfalls genug vorhanden!

Lake Eyre Yacht Club

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Mit Katamaranen kommt man eben besser im flachen Wüstengewässer klar © kubilius

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Michael Kunst

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