Bezahlsysteme: Erlebnisse mit den Hafen-Automaten

Level 1 - Öffne die Klotür

Endlich angekommen. Kurz ein Anlegebier und dann ab zum Hafenmeister. So ähnlich war bis vor einigen Jahren die erste Prozedur um Hafen. Mittlerweile gibt es da wesentlich kapriziösere Abläufe.

Automaten statt Hafenmeister ©diggerhamburg

Automaten statt Hafenmeister ©diggerhamburg

Wenn man in Årøsund im Kleinen Belt anlegt, hat man in Årø auf der anderen Seite sicher keinen Platz mehr gefunden. Årøsund zählt im Gegensatz zum Hafen gegenüber wohl nicht gerade zu den beliebtesten Zielen in Dänemark. Vielleicht wurde auch deshalb in den vergangenen Jahren in die Hafeninfrastuktur investiert.

Oben am Hafengebäude wartet ein moderner Hafenautomat auf Besucher und vor allem Bezahler. Dort wirft man sein Geld hinein, bekommt einen bunten Aufkleber und eine Codekarte, wirft wie immer die Quittung weg und geht wieder zum Boot. Oder zum Klo.

Und spätestens dort wird einem dann bewusst, dass im Hafen eher halbherzig modernisiert wurde. Denn ins Sanitärgebäude kommt man nicht etwa wie mittlerweile üblich gewohnt mit der Plastikkarte, sondern man muss einen mehrstelligen Code eingeben. Nur – woher bekommt man den? Also steht man dort, wartet bis jemand raus kommt und fragt.

Die Aufklärung: der Code für die Tür steht auf der Quittung. Da niemand diesen Beleg mitnimmt, wird der Klogang in Årøsund nur so lange funktionieren, solange ein Wissender aus dem Klo kommt.

Für die Duschen muss man dann übrigens sogenannte Poletter kaufen – Duschmünzen. Und den Strom am Steg bezahlt man mit der Codekarte. Der Gastlieger hat also eine ganze Menge zu tun und mit sich zu schleppen, um den gewohnten Bedürfnissen nachzugehen.

Level 1 – Öffne die Klotür

Duschen als PC Spiel ©diggerhamburg

Duschen als PC Spiel ©diggerhamburg

Årøsund ist nur ein Beispiel für das, was in den letzten Jahren in vielen Häfen passiert ist. Es wurde kräftig modernisiert und investiert. Man neigt aber dazu, nicht zu glauben, dass diese Investitionen dem Wohl des Gastes geschuldet sind. Eher geht es wohl um die Einsparung von Arbeitsplätzen oder Arbeit im generellen. Oder darum, den gelangweilten Gastlieger mit kniffeligen Aufgaben zu beschäftigen (So wie in Computerspielen: Level 1 – Öffne die Klotür). Mancherorts wohl auch nur, um zusätzlich zur Havnepenge noch irgendwo Geld zusammen zu kratzen.

5 Minuten Wasser ©diggerhamburg

5 Minuten Wasser ©diggerhamburg

Ganz auffällig wird diese Praxis meistens in den Marinas (früher auch Lystbådhavn genannt) größerer Städte, so wie Svendborg oder Faaborg. Der Svendborger Stadthafen zum Beispiel hat seit einiger Zeit ein neues Hafen- und Sanitärgebäude. Gestylt ungefähr so, wie man das aus Badezimmerkatalogen von vor 5 Jahren kennt. Oder von neuen Yachten auf den Messen. Modern.

Im Zuge der Modernisierung wurden dann auch gleich ganz stylische und flache Wasserhähne eingebaut. Aber anscheinend nicht, weil sie dem Betreiber gefallen, sondern weil man dort keinen Kanister, geschweige denn Wasserflaschen mehr füllen darf. Denn Wasser holt man sich am Steg.

Mit der Codekarte, auf die man vorher Guthaben gebucht hat (so wie in Großraumdiskotheken). Gelackmeiert ist jedoch der Kleinbootsegler, denn man kann nur 100 Liter Wasser kaufen, was den 3-Liter-Faltkanister ziemlich überfordert. Anderenorts wird Wasser nach Zeit verkauft (5 Minuten Wasser, heute im Angebot!).

Wasserstellen in diesen Häfen sind mit Säulen am Steg markiert. Die findet man, wenn man auf Menschenansammlungen achtet, die sich fortwährend am Kopf kratzen. Denn dort muss man auch den Landstrom bezahlen.

Und auch da gibt es kein einheitliches System, sondern viele verschiedene Arten. Oftmals bezahlt man einen bestimmten Betrag im Voraus. Und es wird einem versichert, dass man den nicht benutzen Betrag zurück buchen kann. Wenn man dran denkt und es überhaupt kann. Denn einfach geht anders.

In manchen Häfen sieht man deshalb immer noch das Guthaben des Vorliegers auf der Säule angezeigt. Früher konnte man das ab und zu für sich selbst nutzen. Heutzutage wurde das in den meisten Fällen geändert. Man muss einfach neu buchen.

Wobei “einfach” nicht so einfach ist. Wohl auch deshalb muss man in manchen Marinas neuerdings am Hafenautomaten den Strom pauschal mitbezahlen. Eine 5 Meter kurze FAM kostet dann genauso viel Strom wie der 45 Fuss Chartereimer mit 10 Leuten, bzw. Verbrauchern drauf.

Faszination Hafendusche

Faszination Hafendusche ©diggerhamburg

Faszination Hafendusche ©diggerhamburg

Wer denkt, nach dieser Prozedur sei alles erledigt, der musste noch kein Geschäft verrichten oder gar duschen. Vor allem beim Duschen wird es dann sehr häufig ganz schön drollig. Duschmünzen kaufen oder gar Bargeld einwerfen ist ziemlich einfach. Schwieriger wird’s, wenn man mit den Codekarten an den Duschautomaten hantieren muss.

Denn nicht nur die Preise variieren sehr, auch die Abrechnungssysteme. Bei manchen Automaten steckt man die Karte rein. Dann wird ein Betrag abgebucht und man darf eine bestimmte Zeit duschen. Danach wird der Betrag erneut abgebucht. Nimmt man die Karte raus und läuft die Zeit ab, wird es im Nu kalt.

Deshalb muss man beim Duschen immer die Zeitanzeige im Blick haben. Da die Automaten immer neben der Dusche sind, muss man also ständig durch den Vorhang gucken. In manchen Häfen sogar die Dusche ganz verlassen, um Ablesen zu können. Oder halt ungehemmt zahlen.

Einige Automaten verfügen sogar über die Möglichkeit, das Wasser per START/STOP-Knopf zu kontrollieren. Manche halten dann auch die Zeit an, andere nicht. Informationen darüber sind Fehlanzeige.

Man kann aber mit einem Trick herausfinden, ob die Uhr läuft oder nicht. Vor dem duschen einfach 10 Minuten die Kabinen beobachten. Sieht man häufiger eingeschäumte Wesen an den Münzautomaten oder in ihren Geldbörsen suchen, dann läuft die Zeit weiter. Sieht man eingeschäumte Arme durch Vorhänge auf Tasten drücken, stoppt sie. Ist doch einfach, oder?

Ankern oder zu Hause bleiben

Die Mutter aller Automaten: der Briefschlitz @diggerhamburg

Die Mutter aller Automaten: der Briefschlitz @diggerhamburg

Es scheint sich allerdings auch parallel zu dem undurchsichtigen Gestrüpp elektronischer “Helfer” ein neuer Trend durchzusetzen. Zu beobachten in Ærøskøbing oder dem neu gestalteten Mommark: Stromsäulen abbauen, Codekarten abschaffen. Oder wie in Mommark: gar nicht erst errichten.

Was also tun? Entweder ankern, oder gar nicht erst losfahren. Oder einen autarken Eimer kaufen. Oder Häfen ansteuern, die noch Briefschlitze, Hafenmeister und normale Wasserhähne besitzen.

avatar

Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

13 Kommentare zu „Bezahlsysteme: Erlebnisse mit den Hafen-Automaten“

  1. avatar Hurghamann sagt:

    Bin auch gerade von einer Familienrunde rund Fyn zurück und kann dem nur beipflichten. Generell ist das Bezahlen der Liegegebühr am Automaten zwar schade aber akzeptabel, aber beim Thema Hafenkarte ist bei mir schluss – ich werde in Zukunft Häfen die nur mit Karte Wasser, Strom und Klo anbieten meiden.

    Die Hafengebühren sind in diesem Revier ohnehin schon ziemlich hoch, da kann man ja wohl erwarten dass ein paar Watt Strom und 50ltr Wasser inklusive sind.

    Ok, interessiert die Häfen wohl nicht und meine Blacklist wird dann immer länger aber:

    Es gibt auch noch die Häfen “alter Schule”, wo hilfsbereite Hafenmeisterinnen und Hafenmeister vorbeikommen, selbst kassieren, schnacken, Brötchen Bestellungen annehmen etc…

    Die sehen mich dann öfter / länger.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 2

  2. avatar Andreas Jung sagt:

    Dass es auch ganz anders geht, zeigt Lundeborg (Fyn) – einer unserer persönlichen Lieblingshäfen in DK: Freundliche Hafenmeisterin, die herumgeht oder bei der man sich meldet. Strom- und Wasser ist inkludiert wie in guten alten Zeiten.

    Die Duschen besitzen zwar einen Automaten –aber man muss da nichts reinstecken für warmes Wasser . So wie die Türen zu den Sanitär-Bereichen ein Code-Schloss haben, aber immer offen stehen. (Vielleicht ändert sich das beides aber noch).

    Dazu: Frei benutzbare Grills, offenes WLAN, ein kleiner Raum zum Abwaschen und mit Waschmaschine. Brötchen bekommt man morgens ohne Vorbestellung am Hafenkiosk. Echtes Hafenleben mit Fischern, Angler-Locals und zur Freude der Kinder gibt es neuerdings sogar einen Abenteuerspielplatz und Bolzplatz.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 0

    • avatar Hurghamann sagt:

      Genau das ist einer der Häfen alter Schule die ich meinte

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  3. avatar Wolfgang sagt:

    Ich glaube Du hast im Artikel Aro und Arosund vertauscht. Aro ist der gut besuchte Hafen auf der Insel. Arosund ist am Festland und hat die WC Codes…

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

    • avatar digger.hamburg sagt:

      Du hast natürlich recht. Ändere ich jetzt. Danke für die Richtigstellung.

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

  4. avatar ToTe sagt:

    Habe grundsätzlich Verständnis, wenn ein Hafenbetreiber kostenbewußt abeiten möchte und aus diesem Grund differenziert. Wenn man mal genau hinguckt wird das ja in der Wirtschaft überall so gemacht.
    Finde es auch gerecht, wenn ein 45 Füßer anders berechnet wird als ein 20 Füßer… ABER:
    Man kann auch echte Nieten ziehen!
    Ystad – in den Yachthafen wurde kräftig investiert – eine Karte fürs ganze System (Liegegeld,Wasser, Strom,Dusche, WiFi) logischwerweise gegen Vorkasse (positiv: Kreditkarte wird akzeptiert).
    Im Hafenbüro wird viel erklärt und man ist stets freundlich… ABER:
    Was aber nicht erklärt wird (und das ist fast schon kriminell – wir haben bei fünf Kunden die Gespräche sehr genau beobachtet!):
    Das System bucht jeden Tag einen Pauschalbetrag für Strom(Betrag an der Säule angemeldet!) + Sanitär/WiFi von der Karte ab!
    Wird nun die Karte nicht abgerechnet (abgegeben!) und man macht einen Mehrtagestörn woanders hin, läuft die Buchung weiter, bis kein Geld mehr drauf ist!
    Niedrige Wasserhähne…
    machen mir für meine 3-5 Liter Frischwasser am Tag keine Probleme mehr.
    Habe vom Faltkanister auf Wassersack (Globetrotter) umgestellt. Der Beutel passt leer ganz easy in die Hosentasche und schmiegt sich sehr schön auch unter den engsten Wasserhahn.
    (Für große Mengen – z.B. Boot waschen oder hunderte Liter in den Tank bunkern finde ich es o.k. wenn es gebührenpflichtig ist.)

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  5. avatar CriSch sagt:

    Hmm, bin die letzten Sommer nur schnell durch Dänemark durch, um dann in Westschweden Urlaub zu machen. Dort rudern viele wieder zurück. Alles im Liegegeld mit drin, obwohl noch die alten Münzautomaten in den Duschen hängen.

    Es ist wie mit Steuern. Sind sie einfach, ist es ungerecht. Versucht man zu differenzieren, wird es kompliziert.
    Also im übertagenen Sinn. Preis pro Meter versus. alles extra bezahlen.

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

  6. avatar Heini sagt:

    Ich kapiere nicht, wieso technisch versierte Menschen aus dem 21. Jahrhundert, die im Alltag (und an Bord) mit Unmengen von Elektronik (Kameras, Drohnen, Smartphones, Tablets usw.usw.) wie selbstverständlich hantieren, es nicht geregelt kriegen, an einem Automaten ihr Hafengeld zu bezahlen oder mittels Karte zu duschen, oder sich in die Hose kacken müssen, weil sie einen Code auf einer Quittung nicht finden (oder merken) können.

    Wir haben in all den Jahren an der Ostsee nur ein (1!) einziges Mal keine Karte aus dem Automaten bekommen, ansonsten nie Probleme gehabt. Und wenn ich abends um 21.00 Uhr in den Hafen komme, ist mir ein Automat tausendmal lieber als ein abgeschlossenes Hafenmeisterbüro.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 3

    • avatar Heini sagt:

      Nochwas:

      Wenn nicht inzwischen alle an Bord Fernseher, Mikrowellen, Senseo-Kaffemaschinen und vor allem elektrische HEIZLÜFTER betreiben würden, wäre das mit dem Stromkauf vielleicht noch nicht so.

      Und ich habe auch noch keinen Hafen gesehen, wo man das Restguthaben im Stromkasten nicht verbraten kann. Wo soll das denn sein, wo es nicht mehr geht?

      Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 3

    • avatar digger.hamburg sagt:

      Heini, ich bekomme das noch hin (Bis auf den Umstand, dass ich nie auf die Quittungen schaue und somit den Code auch nicht sehe. Ist mir eh nur in Årøsund passiert). Aber angesichts einer überall sichtbaren Überalterung haben viele Segler ihre Probleme damit.

      Das Problem sind nicht die Automaten. Das Problem ist, dass in scheinbar jedem Hafen ein anderes System vorhanden ist. Codekarten, Poletter, Zahlencodes, Münzautomaten, Strom inkl, Strom exkl., Wasser inkl, Wasser exkl, Strom an der Säule bezahlen, Strom am Liegegeldautomaten bezahlen. Manchmal auch alles davon untereinander kombiniert.

      Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 2

  7. avatar Heini sagt:

    Nochnochwas:

    Ich hatte auch noch nie ein Problem damit, unseren 5L-Wasserkanister (ohne ! Bezahlung) voll zu bekommen. Es gibt immer irgendwo einen Hahn, man muss nur mal die Augen aufmachen.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 3

    • avatar digger.hamburg sagt:

      In Svendborg habe ich das nur machen können, weil mir ein Däne etwas Wasser von seinen 100 Litern abgab. Ansonsten gibt es /noch) einen alten Waschraum im Fischlokal. Aber der wird bald auch umgebaut (oder ist es schon). Da kannst Du Deine Augen aufmachen, wie Du willst – da findet man nichts mehr.

      Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 2

  8. avatar Andreae sagt:

    Am kontra produktivsten ist das Bezahlen für das Frischwasser. Durch den sinkenden Wasserverbrauch steht das Wasser zu lange in den Leitungen und ist nicht mehr wirklich als Frischwasser zu verwende. Aber auch die Elektrik-Säulen. Was kostet so eine Säule im Aufbau und in der Wartung. Und wenn nicht genügend Steckdosen da sind, ist die Bereitschaft zum teilen gering. Und wenn der Strom nicht reicht, ist morgens die Batterie nicht voll geladen. Ob wir nun Hafengeld bezahlen wollen, Duschen, Strom nehmen oder Wasser brauchen, jeder Automat funktioniert anders. Man fragt sich immer, ist der Automat wirklich kaputt oder ist es mein technisches Unvermögen. Bitte liebe Hafenbetreiber, verschont uns mit der ganzen Technik, schlagt die Kosten pauschal auf die Hafengebühren auf, das spart viele Kosten und sehr viel Frust.

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *