Big Picture: Zwölfer und TP52. Zwei Racer, zwei Generationen

Verschiedene Welten

Zwei Welten. TP52 "Azurra" und Third Rule Zwölfer „Seven Seas“ © Jesus Renedo

Zwölfer und TP 52, sackschwerer vintage Bleitransporter und moderne Hochseejolle. Zwei sehr verschiedene Welten, die Segler mögen.

Auf der einen Seite „Seven Seas“ (US9): erster amerikanischer third rule Zwölfer gezeichnet von Clinton Crane, 1935 von der führenden New Yorker Nevins Werft als Kompositbau aus allerfeinstem Mahagoni über Metallspanten getischlert. Auftakt zu einer beharrlichen, produktiven Weiterentwicklung der Klasse bis hin zum America’s Cup Segelschlachtroß für Newport.

Energievernichtungsmaschine, die nie ihrer mächtig brodelnden Verdrängerwelle enteilt. Der zweite Versuch der Yankees nach der Kleinserie von sechs, nach Plänen von Starling Burgess 1928 bei Abeking & Rasmussen getischlerten Zwölfern. Knapp 21 Meter Charme, Finesse, Segelgeschichte, Kultur. 3,66 m breit, 176 qm vermessene Segelfläche.

Meterklasse, komplizierte Formel, höhere Mathematik. Ein Boot von gestern, mit einem Anfang und einem Ende, Vor- und Achterschiff, mit Löffelbug und einem aparten, ringsum gefährlichen Heck. Handliches Sportlenkrad mit gedrechselten Speichen.

Auf der anderen Seite „Audi Azurra“ (ITA 280): Transpac 52, die TP 52 in der Botinversion 7.0  gebaut bei King Marine 160 qm am Wind, plus weitere 260 qm zwischen Top und ganz vorne. Flat out racing platform. Swept back spreaders. Fast, fun and simple. 25 Knoten gehen raumschots flott, mehr als dreißig wurden – holy shit – schon gesehen.

Ein offenes, hinten bei 15,85 m abgesägtes Speedboat, keine acht Tonnen schwer. Ballastanteil wie bei „Seven Seas“ etwa 60 Prozent. Maximales Crewgewicht 2800 Pfund plus ein Gästeplatz achtern hinter dem geschwungenen Karbonrohr der Pinne zum Dabeisein, Schnauze halten und zahlen.

Ist die 2001 als Box Rule zum vergütungslosen Regattasegeln gegründete TP 52 über ihrem Zenit? Der Hype anlässlich des Audi Med Cup vergangenen Jahres ist vorbei. König Juan Carlos geht ja neuerdings leider Elefanten schießen. Dabei wäre TP 52 segeln für die großen Tiere, das Image und die Monarchie besser. Nächstes Event: Palma Vela im April. Teilnehmer wenige. Game over?

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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7 Kommentare zu „Big Picture: Zwölfer und TP52. Zwei Racer, zwei Generationen“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Haha, geiler Artikel, klasse!

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  2. avatar oliover sagt:

    Na immerhin gab es ein paar Jahre mal wieder eine echte Regattaklasse bei den Big Boats. Das eigene Ego auf die Seite gestellt und ein Boot gesegelt, wie es auch 15 andere haben (mehr oder weniger). Kein Formelsegeln mit alten Spibooten, weils gut für die Verrechnung ist. Dafür Segelsport vom Allerfeinsten. Schade das “die Deutschen” da nur wenig präsent waren. Und wenn, dann mal wieder zu spät…….

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  3. avatar Skiffsegler sagt:

    Richtig guter Artikel!!!

    Es wäre furchbar, wenn die TP 52 Klasse untergehen würde…das ist eindeutig das mit Abstand geilste, was es im Bigboat-Bereich in den letzten 10 Jahren gegeben hat!

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    • avatar rutger2 sagt:

      Also ich fände es als zukünftiger Eigner richtig geil, weil die preise von gebraucht schiffen bei Aussterben der Klasse um locker 40% sinken, was ziemlich gut ist, wenn man eine vergleichsweise neue Tp anschafft.

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    • avatar Ingo sagt:

      Vielen Dank an Jesus Renedo in Palma für das tolle Bild!

      @Skiffsegler:
      Keine Sorge – natürlich geht es mit der TP52 weiter. Dass es ab morgen in derBucht von Palma nur 4 TP52 sind, liegt daran, dass die PalmaVela für die Klasse lediglich ein Saisonauftakt ist. Ende Mai in Barcelona werden es schon mehr…

      http://www.transpac52.org/home.html

      Auch 6 SOTO40 werden ab morgen an den Start gehen, darunter 2 brandneue Schiffe: Black Pearl und Alegre. Letztere ist das neueste Schiff in der Klasse (Baunummer 33) und hat kurz vor Ostern in der Bucht von Palma schon fleissig Manöver trainiert.

      Dass König Juan Carlos der Klasse TP52 noch einmal Glanz und mediale Aufmerksamkeit verschafft, ist praktisch ausgeschlosen. Immerhin hat er 2010 nach der Copa del Rey seine Regattakarriere offiziell beendet. Ein Jahr später, nach der Copa del Rey 2011 hat auch Josè Cusi (Eigner der Bribon und engster Segelfreund von Juan Carlos) seine Laufbahn beendet.

      Interessant wäre jetzt natürlich ein Interview mit Vasco Vascotto, der sowohl in der RC44 aktiv ist, als auch auf der neuen Azzurra segeln soll. In der 3. Juli-Woche haben beide Klassen eine Regatta, die einen in Schweden, die anderen wieder in Palma. Bin gespannt, welcher Klasse Vasco den Vorzug geben wird…

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  4. avatar G54 sagt:

    Dabeisein, Schnauze halten und Zahlen fände ich gar nicht so schlimm ….

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