Tipps und Tricks vom Blauwasser Hans: Zweitanker ausbringen

Doppelt hält besser

Ein zweiter Anker sollte immer an Bord dabei und für seinen Einsatz bereit sein. Hält der Hauptanker vielleicht nicht gut, der Wind hat gedreht, oder die Yacht sitzt auf Grund und sie soll verholt werden, immer ist in solchen Situationen der Zweitanker eine schnelle Hilfe. Das richtige Ausbringen will gelernt sein.

Zum Ausbringen des Eisens werden benötigt: Beiboot samt Paddeln und eventuell Außenborder, ein bis zwei Crewmitglieder im Dingi, Zweitanker mit Kettenvorlauf, und jede Menge Leine.

Mit der Leine wird begonnen. Dasjenige Ende, das zum Schluss an Bord der Yacht kommen soll, wird am Beiboot angeschlagen. Dann wird die lange Leine lose, so dass sie sich nicht vertörnen kann während des Manövers, am Boden des Dingies ausgelegt. Muss man eine weitere Leine anstecken, dann geschieht dies mittels zweier ineinander geknoteten Palsteks. Auf den Leinenhaufen wird die Ankerkette gelegt, und zum Schluss liegt der Anker ganz obenauf.

Auf diese Weise wird eine Wuhling wirksam verhindert, wenn dann der Anker über Bord gehoben wird und in der Tiefe versinkt.

Das Beiboot mit Leine und Anker unterwegs Richtung Ankerplatz © H. Mühlbauer

Das Beiboot mit Leine und Anker unterwegs Richtung Ankerplatz © H. Mühlbauer

Das so vorbereitete Beiboot legt jetzt ab und fährt bis in eine Position, die weiter als der geplante Ackerplatz von der Yacht entfernt ist. Während das Beiboot langsam wieder auf die Yacht zufährt wird der Zweitanker über den Heckspiegel gehoben und, bei Erreichen der gewünschten Ankerposition, ins Wasser abgelassen – Kette und Leine folgen. Ist schließlich die Bordwand der Yacht erreicht gibt die Beibootcrew das Ankertau hoch an Deck und die Yachtcrew kann den Zweitanker dicht holen.

Diese Methode hat gegenüber der Version wo das Ankertau schon zu Beginn an der Yacht angeschlagen ist, den großen Vorteil, dass das kleine Dingi voll manövrierfähig ist und nicht durch die lange Leine im Wasser gebremst wird.

Es soll sogar Crews gegeben haben die einfach nur den Anker im Beiboot platziert haben. Kette und Tau sollten dann von der Yacht aus nachgegeben werden. Dank Kettengewicht kommt das Ding aber nicht weiter als etwa 3-5 Meter von der Yacht weg, dann treibt es durch das Gewicht der durchhängenden Kette wieder zurück. Auch der stärkste Paddler kommt keinen weiteren Meter vorwärts.

Noch ein Tipp für Katamarane: Ein Hahnepot am Zweitanker stabilisiert das Boot und lässt es nicht zu sehr schwingen.

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Hans Mühlbauer

... hat in mehr als drei Dekaden in Mittelmeer und Übersee auf diversen Charteryachten und auf eigenen Yachten über 100.000 Meilen als Skipper (mit SHS, LRC etc.), Reiseveranstalter, und als Fahrtensegler gesammelt. Als freier Journalist, Autor und Filmemacher erkundet er spannende internationale Reviere, publiziert Bücher, schreibt Fachartikel für Zeitschriften und produziert Videos auf DVD und für das Fernsehen. Mehr unter www.dmcreisen.de. Seine Praxistipps finden Sie hier
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2 Kommentare zu „Tipps und Tricks vom Blauwasser Hans: Zweitanker ausbringen“

  1. avatar 123 sagt:

    a) Was soll die zweite Leine bringen?
    b) Zwei Leinen verbindet man nicht mit nem Palstek.
    Wenn dauerhaft zug drauf ist, und beides die gleiche Leine ist nen Kreuzknoten.
    In allen anderen Fällen nen Schotstek oder besser noch nen doppelten.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 4

  2. avatar Jens sagt:

    Lieber 123,
    Ich persönlich finde die Lösung mit den beiden Palsteks die einzig sichere!

    Beide von Dir genannten Knoten, Kreuzknoten wie auch Schotstek, sind bei wechselnder Belastung – wie an einer Ankertrosse halt so üblich – nicht sicher und Lösen sich evtl. Die beiden Palstek-Knoten schamfilen vielleicht etwas während der Nacht, bleiben aber sicher miteinander verbunden und ziehen sich auch unter starker Last nicht soweit zu, dass man sie am nächsten Tag evtl. nicht vernünftig lösen kann.

    Es ist eben nicht immer alles so, wie in der Segelschule gelernt wird 😉

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