Blinddarmentzündung: Französische Marine rettet Deutschen Kat-Segler mitten im Atlantik

Rettung in letzter Minute

Rettung auf Hoher See, Katamaran, Seenot

Die Zodiacs der “L’Adroit” längsseits der “Schironn” – Rettung in letzter Minute © Marine Nationale

Die Rettung des schwer Erkrankten erfolgte 480 Seemeilen südwestlich der Kapverden und dauerte etwas mehr als zwei Tage. Französisches Patrouillenboot fuhr 1.230 Kilometer.

Am 21. Januar 2016 wird das „Centre Operationnel de la Marine“ (COM) in Brest um 18:40 h von der Französischen Leitstelle für Seenotrettung CROSS in Gris Nez/Franz. Kanalküste um Hilfe gebeten. Das MRCC (Marine Rescue Coordination Center) in Bremen hatte wiederum einen Notruf nach Frankreich weitergeleitet, mit dem die Besatzung des Fahrtenkatamarans „Schironn“ um Hilfe bat: Eines der Crew-Mitglieder litt unter starken Schmerzen im Oberbauch.

Der Katamaran segelte unter Deutscher Flagge ca. 450 Seemeilen (etwa 830 km) westlich der Kapverden. Die Crew bestand aus vier Personen, darunter ein Arzt. Nach dessen Diagnose litt der Patient an Bord unter einer schweren Blinddarmentzündung mit nur geringen Überlebenschancen, wenn nicht in Kürze eine Operation erfolgen würde.

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Blinddarmentzündung auf hoher See: Auf der “Schironn” ging es um Leben oder Tod © Marine Nationale

Mehr als Tausend Kilometer zurück

Um 18:55 h kontaktiert COM Brest das Patrouillenboot „L’Adroit“, damit es als nächstgelegenes Schiff Hilfestellung leiste. Zu diesem Zeitpunkt fährt die „L’Adroit“ Richtung Südamerika und befindet sich 610 Seemeilen (etwa 1.130 km) südöstlich der „Schironn“.

Das Patrouillenboot dreht um und fährt mit voller Kraft (21 Knoten sind im Durchschnitt über längere Strecken möglich) in Richtung des Katamarans. Die Besatzung der „Schironn“ wird angewiesen, ihren Kurs auf 120° zu ändern um den Rettern entgegen zu segeln.

Am 22. Januar schickt COM Brest um 18:50 h ein Falcon 50-Suchflugzeug der Marine Nationale von Dakar/Senegal aus los, um den Katamaran, mit dem in der Zwischenzeit offenbar keine Kommunikation mehr möglich war, erneut zu lokalisieren. In der Nacht vom 22. auf den 23. Januar wird der Patient um 3 h vom Ärzteteam des Patrouillenbootes übernommen.

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Ärzteteam der “L’Adroit” bei der Arbeit © Marine Nationale

Suchflugzeug zur exakten Standortbestimmung

Da sich an Bord des Marineschiffes keine Operationsmöglichkeiten befinden, wird der Patient nach Mindelo (Kapverden) transportiert, wo er am 24. Januar um 3h morgen ankommt und sofort operiert wird.

Nach Aussagen der Verantwortlichen bei der CROSS und COM Brest handelte es sich hier um ein Paradebeispiel internationaler Hilfeleistung auf den Weltmeeren, aber auch um eine gehörige Portion Glück für den erkrankten Segler. Wäre nicht das relativ schnelle Patrouillenboot, sondern ein langsameres Schiff zur Hilfe geeilt, wäre es für den Patienten wohl zu spät gewesen.

Der Deutsche ist mittlerweile wieder auf dem Weg der Besserung und die „L’Adroit“ hat ihre Reise Richtung Südamerika wieder aufgenommen.

“Zu verkaufen”

Die Reise des französischen Patrouillenbootes dürfte übrigens die letzte unter französischer Flagge sein. Die „L’Adroit“ diente der Französischen Marine mehr als drei Jahre für Einsätze etwa gegen Piraten im Roten Meer, im Golf von Aden und im Golf von Oman und zur Sicherung französischer Interessen in ehemaligen Kolonialgebieten wie vor der Insel La Reunion. Nun soll sie aus finanziellen Gründen und wegen Personalmangels verkauft werden.

Ihre Fahrt nach Südamerika war also nicht anderes als eine Art Verkaufs-Reise, um den Schiffstypus in Ländern wie Argentinien, Uruguay und Brasilien vorzustellen. Immerhin konnte so während eines schnöden Kommerz-Trips ein Menschenleben gerettet werden.

Tipp: André Mayer

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Die “L’Adroit” in voller Fahrt: 87 m lang, 11 Meter breit, 21 Knoten schnell © Marine Nationale

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Michael Kunst

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