Blitzeinschlag Video: Die Angst vor dem Knall – Wie groß die Gefahr wirklich ist

Eingeschlagen

Blitzeinschlag

Blitzeinschlag im Masttopp vor der griechischen Halbinsel Kassandra. (Bild klicken für Video)

Ein Amateur-Filmer veröffentlicht bei SPON ein Video von einem Blitzeinschlag auf einer Yacht in Griechenland. Wie häufig das passiert und wie man sich schützen kann.

Ein lauter Knall, dann raucht es am Masttopp. Vor dem Blitzeinschlag, den ein Passant auf der griechischen Halbinsel Kassandra zufällig filmte, haben viele Segler Angst. Passiert so etwas  immer nur den anderen?

Tatsächlich ist die Gefahr, dass „Funkenentladung und Lichtbogen zwischen Wolken und Erde“ ausgerechnet dieses eine Boot trifft, statistisch gesehen eher gering. Doch Murphy’s Gesetz kommt bekanntlich unter Seglern besonders häufig zur Anwendung. Deshalb lohnt es sich, einige Regeln zu beachten, die im Ernstfall Leben retten können.

Blitz

Blitz blitzt knapp daneben ins Wasser.

Neulich am Bodensee. Über Nacht sinkt eine Yacht, die an der Boje friedlich vor sich hin schwojte. Über offene Seeventile und Vandalismus wurde gemutmaßt, doch als die Feuerwehr das Schiff barg, war die Ursache für den Gang auf Tiefe schnell gefunden: Ein etwa vier Zentimeter großes Loch im Rumpf wurde von den Fachleuten prompt als Blitzschaden diagnostiziert.

Zum Glück gab es aufgrund des nächtlichen Einschlags keinen Personenschaden, doch noch am Vortag des Unglücks sollen Kinder vom Boot aus gebadet haben, ging offenbar eine Familie friedlich ihrem Wochenendvergnügen nach.

Achtung: Seemannsgarn

Versicherungsgesellschaften registrieren weltweit jährlich Hunderte Havarien durch Blitzeinschlag. Nicht selten kommen dabei auch Menschen zu Schaden oder verlieren sogar ihr Leben. Und dennoch ignorieren viele Skipper und Yachteigner die Gefahr oder verlassen sich auf Seemannsgarn. Wer wirklich glaubt, „Alu- und Stahlrümpfe“ ziehen den Blitz an oder ein „Spruce Holzmast sei der beste Schutz“, der hat im Physikunterricht nicht aufgepasst oder ist Meister im Verdrängen.

Wichtigste Grundregel: Ob ein Blitz in ein Boot einschlägt oder nicht, kann durch nichts beeinflusst oder gar verhindert werden. Blitzschutz ist immer im Sinne von Schadensvermeidung oder -begrenzung nach dem Einschlag zu verstehen.

Tatsächlich ist der Mast eines Bootes, das mehr oder weniger alleine auf einem Gewässer unterwegs ist, so etwas wie eine „herausragende Provokation“ für den Blitz, wenn Gewitter in der Nähe sind. Dabei ist es unmöglich, zu berechnen oder auch nur zu erahnen, welchen Weg sich Blitze suchen und warum oder ob sie ausgerechnet auf dieser einen Yacht einschlagen.

Blitz über der 49er-EM am Gardasee © Bergström

Blitz über der 49er-EM am Gardasee © Bergström

Eine Blitzschutzmaßnahme kann jedoch den Weg des Stroms ab dem Einschlagpunkt durch Ableitung und Erdung kontrollieren. Mehr oder weniger.

Die dafür angewandten Techniken sind sehr unterschiedlich und variieren entsprechend in ihrer Effizienz. Zwar gibt es etwa beim Gebäudeschutz bereits ausgefeilte Blitzschutztechniken, im Yachtbau und der Sportschifffahrt haben sich aber noch keine hundertprozentigen Maßnahmen durchgesetzt. Vom System über Kupferleitern bis hin zu komplexen Konstruktionen, die etwa auf Luxusyachten bereits von der Werft installiert werden, ist so einiges „im Umlauf“.

Jedoch werden die meisten Serienyachten keineswegs mit Blitzschutztechniken ausgestattet. Die gibt es höchstens als Option – wenn überhaupt.

Um das hier gleich auf den Punkt zu bringen: Wer einen Blitzschutz auf seiner Yacht anbringen möchte, sollte unbedingt Fachleute zu Rate ziehen und spezialisierte Firmen mit der Installation beauftragen. Und selbst mit einem vermeintlichen Schutz vor den Folgen eines Blitzeinschlages sollte man einem Gewitter niemals sorglos entgegen fahren. Denn was die Natur an Gewalten zu bieten hat, ist bekanntlich… gewaltig!

Tödlich und zerstörerisch

Blitzstrom hat ungefähr die Stärke von 20.000 bis 50.000 Ampere – für den menschlichen Organismus können bereits 0,3 – 0, 5 Ampere tödlich sein. Schon deshalb sollte man den Legenden von den Glücklichen, die einen direkten Blitzeinschlag überlebt haben, am besten keinen Glauben schenken.

Tatsache ist, dass ein Blitz in jeder Hinsicht höchst zerstörerisch ist. Nachdem Blitze (nahezu immer) in den oberen Mastbereich eingeschlagen sind, „suchen sie sich den Weg des geringsten Widerstands zum Erdpotential“ ist in der Fachliteratur zu lesen. „Hürden“ oder Hindernisse auf diesem Weg werden gnadenlos ausgemerzt.

Deshalb splittern Masten, brechen Ruder, werden Löcher in den Rumpf geschlagen, wenn der Blitz sein Opfer heimsucht. Der nachfolgende Blitzlangzeitstrom mit „nur“ etwa 200 Ampere verursacht übrigens durch die längere Fließzeit den größten „Abbrand“.

Zudem sind moderne Yachten mit elektronischen Geräten überladen. Die untereinander meist vernetzten Geräte sind nach einem Blitzeinschlag per Definition alle beschädigt, meistens jedoch gegrillt und nie wieder einsetzbar.

Welche Folgen das für eine Yacht haben kann, die bei schwerem Gewittersturm und schlechter Sicht gerade einen fremden Nothafen anlaufen will oder draußen auf hoher See mehr oder weniger orientierungslos sich selbst überlassen ist, kann sich jeder vorstellen.

Kein Gewitter unterschätzen!

Wer an dieser Stelle immer noch abwinkt und glaubt, die Gefahr eines Blitzeinschlags sei überschätzt, der kann vielleicht mit meteorologischen Daten eines Besseren belehrt werden. Im Mittel müssen Segler in der Nordsee mit 10-15, in der Ostsee mit 15-20 Gewittertagen pro Jahr rechnen, im Mittelmeer sind es bereits 30-40 und in den Tropen erstaunliche 150 Gewittertage. Zieht man nun noch Murphy’s Law hinzu (was schiefgehen kann, geht auch schief) ist die Chance, während eines Törns auf ein Gewitter und somit zahlreiche Blitze zu treffen, gar nicht mehr so gering.

Wenn die dunklen Wände nahen…

Wenn irgendwie noch möglich, Schutz vor dem Wetter suchen. Das kann der nächste Hafen sein, aber auch eine geschützte Ankerbucht.

Auf See Schutz in der Yacht suchen. Möglichst unter Deck aufhalten, nicht auf dem Deck stehen, eher im Cockpit kauern

Finger weg von Metallteilen, also Bug- und Heckkorb, Wanten, Reling, Steuerrad, Ankerkette etc.

Elektrik-Hauptschalter ausschalten. Kabelverbindungen, die zum Masttopp führen, unterbrechen (Steckerverbindung lösen).

Wichtig: Auch wer im Hafen liegt, ist nicht vor Blitzeinschlag geschützt! Die häufigsten Blitzunfälle passieren hier durch Einschlag von außen. Deshalb Landstromkabel ziehen, sobald Gewitter sichtbar sind.

In Ankerbuchten: Niemals baden, wenn Gewitter in der Nähe sind.

PDF vom Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung (ABB) mit gut verständlichen Maßnahmen und Erklärungen für Blitzschutzmaßnahmen an Bord.

Ein „etwas anderes Buch“ über die Erfahrungen beim Gewittersegeln hat der millemari-Verlag herausgebracht. Sehr lesenswert!

Video Tipp: Uwe Röttgering

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
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2 Kommentare zu „Blitzeinschlag Video: Die Angst vor dem Knall – Wie groß die Gefahr wirklich ist“

  1. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Überlebende von Blitzeinschlägen können das recht gut belegen:

    https://de.pinterest.com/pin/313844667762262786/

    Der enorme Strom eines Blitzes dringt nicht in den Körper ein, sondern wird über die Hautoberfläche und als Plasma darüber abgeleitet.

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  2. avatar Müller sagt:

    Bevor jetzt aber die Mannschaft beim nächsten Gewitter mit schwerer Hyperventilation den Bockmist baut, der dann wirklich kritisch wird, sollten vielleicht auch noch die unbestrittenen Risiken bei einem Blitzeinschlag mit der Gefahr eines Blitzeinschlags abgewogen werden…
    Das Thema habe ich mir mal so erlesen (Achtung, bin kein Physiker…): die Spannungsspitzen auf dem Wasser sind wesentlich höher als alles was sich so in der Takelage entwickeln kann. Auch wenns so aussieht, ist man also nicht mit dem blitzesuchenden Kirchturm unterwegs und das Risiko getroffen zu werden wesentlich geringer als an Land.
    Meine persönliche Erfahrung: einen Segler, den mal was erwischt hat, kenne ich keinen einzigen. Leute, die es mal auf dem Berg oder der grünen Wiese erwischt hat (oder die dabei waren), allerdings schon.
    Böen, Orientierungsverlust und Angst dürften noch immer die größten Gefahren an einem Gewitter sein.

    Ach ja, kann mir mal jemand den Sicherheitsgewinn von solchen Tips erklären:
    Hauptstromschalter aus, Finger weg vom Ruder und am besten unter Deck gehen?!? Was macht denn das Schiff solange?
    Besonders gefällt mir auch immer: 2m Abstand von allen Metallteilen halten, aber auf keinen Fall schwimmen gehen…. 😉

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