Braschosblog: Der Zwölfer “Anita” ist nach vier Jahren wieder fit

Der Rhein-Main Zwölfer

`Anita´ bei der 12er WM Flensburger Förde. Damals noch mit prominentem Kartenhaus. © Jan-Frederik Wäller

Der vermutlich einzige Yawl getakelte Zwölfer, der ehemalige SKO-Klassiker „Anita“, der es mit einem Sturm-Video zu einer gewissen Bekanntheit gebracht hat, ist nach vierjähriger Auszeit, einigen Querelen um die Zukunft der weitgereisten Fahrtenyacht der „Segelkameradschaft Ostsee“ und Instandsetzung des Unterwasserschiffes wieder unterwegs.

„Anita“ steuerte 50 Jahre seit ihrem ersten Törn als SKO Yacht – damals von Bremen rund Skagen – wieder in die Kieler Förde an. Diesmal führte der Törn von Gilleleje im Norden der Insel Seeland, wo „Anita“ in dreivierteljähriger Arbeit bei der Andersen & Skibstrub Werft saniert wurde, nach Kiel-Düsternbrook.

„Eigentlich wollten wir schon Anfang Juni den ersten Törn segeln. Aber trotz der leichten Verzögerung ist die Sache ein voller Erfolg“, berichtet Dr. Joachim Arndt von der gemeinnützigen GmbH der Segelvereinigung Rheingau SVR. „Wir sind im Finanzrahmen geblieben. Das Schiff ist oben und unten dicht. Der neue Motor läuft einwandfrei. In der Hjelm Bucht konnten wir uns bei sechs Windstärken gegenan von der Arbeit der dänischen Bootsbauer überzeugen. Auch die erneuerte Elektronik funktioniert einwandfrei“ fasst Arndt als treibende Kraft des Vereins „Freunde der SY Anita“ zusammen.

Ein sagenhaftes Kapitel Segelgeschichte

Rückblende: 1961 besichtigen drei Hessen namens Aloys Kranz, Jello Rassau und August Schulte bei Abeking & Rasmussen in Lemwerder bei Bremen die seit einer Weile zum Verkauf stehende „Anita“. Das Schiff gehört der Witwe des Margarinefabrikanten Walter Rau, der Mitte der 30er Jahre im großen Stil in den Walfang eingestiegen war. Rau hatte die „Anita“ vor dem Krieg bei A&R bauen lassen.

Die „Anita“ ist bereits zum Fahrtensegeln mit der handlichen zweimastigen Takelage anstelle des Meterklassen-üblichen Slupriggs umgebaut. Die Bootsklasse und Herkunft, die schöne Form, nicht zuletzt der Wert der 16 Tonnen Bleiballast führen zum Kauf des Schiffes. Im Februar 1962 entsteht mit der Segelkameradschaft Ostsee (SKO) der Betreiberverein zum Schiff.

Im Frühsommer ‘62 legt die „Anita“ in Bremen zu einem sagenhaften Kapitel Segelgeschichte ab. Von Instandsetzungen und Auszeiten unterbrochen dauert es bis heute an. Bereits der erste Törn um das exponierte Skagen setzt den Ton. Das schlanke mit reichlich Krängung und reichlich Endstabilität bewegte, das flachbordig schwere und entsprechend nass segelnde Schiff ist jedoch alles andere als die ideale Tourenyacht.

Ein Zwölfer ist ein Paradepferd für kurz und intensiv ausgefochtene Segelduelle auf überschaubar kurzer Regattabahn in geschützten Gewässern. Solch ein Daysailor ist eigentlich für die Kieler oder Flensburger Förde gemacht, den Solent in Sichtweite des Seglermekka Cowes, den Long Island Sound mit seinen feinen Yachtclubs oder den vorübergehend vor Newport ausgetragenen America’s Cup. Er ist ein Sportgerät für den Herrensegler, der tagsüber an Bord eine Fußballmannschaft große Crew beschäftigt und eher im Hotel als an Bord übernachtet.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Braschosblog: Der Zwölfer “Anita” ist nach vier Jahren wieder fit“

  1. avatar Stefan Z sagt:

    Ich freue mich schon darauf die Anita in Flensburg zu sehen.

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  2. avatar Jost Körte sagt:

    Vielen Dank für die erfrischende Berichterstattung. Ich kann nur jedem, der Lust hat mal einen großen Klassiker zu segeln, empfehlen mitzusegeln. Es ist einfach ein tolles Gefühl. Und wer dann noch Lust hat das regelmäßig zu machen und sich vielleicht noch für die Idee einen Zwölfer aus einem mittelgroßen Segel Club zu betreiben begeistern kann, den möchte ich einladen im Förderverein Mitglied zu werden und das Projekt durch Mitarbeit, Segeln oder auch nur eine “schnöde” finanzielle Unterstützung zu fördern. Mitsegeln oder als Skipper einen Törn organisieren ist allerdings die beste Unterstützung, die wir uns wünschen würden.

    Jost Körte von den ANITA Freunden

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  3. avatar Heini sagt:

    Gute Maßnahme, das Deckshaus wegzulassen. Wenn jetzt noch jemand die Sprayhood wieder runter reisst, sieht es fast wie ein 12er aus. 😉

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    • avatar Jost sagt:

      Heini,

      Du bist gerne eingeladen mitzusegeln und mitzumachen – ich finde es wunderbar, wenn nach vielen Jahren ehrenamtlicher Arbeit von vielen Mitgliedern der einzige Kritikpunkt die Sprayhood ist. Wir hatten darüber übrigens auch einige Diskussionen, aber die ANITA ist auch ein Fahrtenschiff und so habe wir uns für diesen Kompromiss entschieden.

      Übrigens ist auch die Gasflaschenkiste mitten auf Deck weg von Bord und so kann man wieder wunderbar über das Deck sehen.

      Und wie Erdmann und Stefan sagen – einfach mal mitsegeln, dann versteht man den kleinen “Komfort”.

      Jost

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  4. avatar Erdmann sagt:

    Heini, ich finde Kuchenbuden aller Art auch entsetzlich – ganz besonders vom warmen und trockenen Schreibtisch aus gesehen.

    Die Dinger haben auf einem naß segelnden 12er morgens um drei bei viel von Vorn durchaus auch Vorteile. Oder wenn man nachmittags in stömendem Regen die Kieler Förde rein dieselt (siehe Bilder). Außerdem kann man sie ja wegklappen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

    • avatar Stefan sagt:

      …vor allem ist jeder, der schon mal einen 12er bei Wind auf der Nordsee bewegt hat, dankbar für so ein bisschen Schutz. Zum (Kaffee)-Regattasegeln auf Kieler- oder Flensburger Förde kann man die dann ja wieder abnehmen, damit es dann wieder “sportlich” aussieht.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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