Braschosblog: Gigantomanie im Yachtbau, 100 Meter Slup von Dubois

16 Meter Tiefgang

Rendering der 100 Meter Slup von Dubois. © Dubois Naval Architecture

Das südenglische Konstruktionsbüro Dubois verblüfft mit der Entwicklung einer 100 Meter Slup, die mit einem 125 m Mast aufgetakelt werden soll. Zum Vergleich: Der grüne, hinter den Landungsbrücken des Hamburger Hafens vertäute Dreimaster „Rickmer Rickmers“ ist insgesamt 97 m lang und etwas über 12 m breit.

Messreihen im Schlepptank des Southamptoner Wolfson Unit zeigen, dass es sich um mehr als eines der heute im Superyachtmarketing üblichen Renderings handelt. Im Haslar Tank  des Instituts wurde ein Modell des Giganten im Maßstab 1 : 17 untersucht. Es ist annähernd sechs Meter lang. Zweck der Maßnahme war ein Abgleich der CFD (computational fluid dynamics) Prognosen aus dem Rechner mit Geschwindigkeiten, die in Originalgröße bis zu 26 Knoten entsprechen.

Die Seitenansicht der Slup, die laut vorläufigen Schätzungen des seit 1977 tätigen Konstrukteurs etwa zweitausend Tonnen verdrängen soll, beeindruckt mit einer gestreckten Silhouette und einem eleganten, 9 ½ Meter langen achteren Überhang. Angesichts der schieren Länge fallen die 4 ½ Meter Freibord mittschiffs und die bei großen Seglern übliche Flybridge mit dem Steuerstand sieben Meter über der Wasserlinie nicht auf. Flachbordig lange Schiffe sehen meist gut aus.

1:17 Modell des 100 Meter Slup von Dubois. © Dubois Naval Architecture

43 Meter Großbaum

Dubois, der seit einigen Jahren mit mancher ansehnlichen, meist ketsch-, zunehmend auch slupgetakelten Superyacht in 30 oder 40 Metern, neuerdings auch im 50-60 m Format von sich reden macht, ist vielen Seglern durch seine Konstruktionen für Oyster, Centurion, Westerly oder Wauquiez bekannt. Regattasegler erinnern vermutlich seinen Zweitonner „Police Car“ und den Zwölfer „Victory“ von 1982.

Die 57 m Ketsch „Twizzle“ und die etwas größere Slup „Kokomo“ folgen derzeit der Entwicklung einer neue Linie, deren panorama-verglaster Aufbau dank gestreckter Bootslänge kleiner, leichter und proportionierter anmutet als die bisherigen Flybridge Modelle mit ihren prominenten Deckshäusern.

Wird die riesige Slup gemäß Rendering realisiert, wäre sie mit einem 43 Meter Großbaum unterwegs. Das ist etwas mehr als die Gesamtlänge einer J-Class und mancher Duboisschen Megayacht der vergangenen Jahrzehnte. Auch die 35 Meter Vorsegelbasis für die Genua ist beeindruckend.

Wie bei modernen Konstruktionen und leichten Regattabooten mit jollenartig flachem Rumpf üblich, beginnt der Vorsteven über Wasser. Dieser Look ist möglich, wenn das erforderliche Volumen geschickt im Unterwasserschiff untergebracht wird. Der Blick unter das Schlepptankmodell zeigt trotz der erheblichen Verdrängung flache Linien des gestreckten „canoe body“.

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Braschosblog: Gigantomanie im Yachtbau, 100 Meter Slup von Dubois“

  1. avatar Heini sagt:

    9,50 m Hecküberhang, 43 m Baum, 125 m Mast. Auch wenn die reinen Zahlen absolut beeindruckend sind, wird das nur ein weiterer Operettendampfer.
    Da traut sich doch keiner mehr bei frischem Wind aufzukreuzen, weil die Lasten unkalkulierbar sind und man (neben den Kosten) ein halbes Jahr oder länger auf einen neuen Spargel warten muss.
    Aber sieht schön aus, im Hafen, mit den 238 LED-Strahlern unter den 26 Salingen. 😉
    Man gut, dass es im Automobilbau nicht so einen Schwanzlängenvergleich gibt wie bei den Booten. Wie sollte man mit den dann 25 m langen 12-achsigen Stretchlimos um eine Kurve fahren?

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  2. avatar Erdmann sagt:

    Erinnerst Du noch die siebziger Jahre? Da galt ein 18 m langer, partial getakelter Mast als riskant und unseetüchtig. Als die J-Class „Endeavour“ Ende der achtziger mit einem 50 Meter langen Rigg aufgetakelt werden sollte, wusste man zunächst nicht, wie es in den dreißiger Jahre gemacht wurde, wie es geht und ob es hält. Die Skepsis hinsichtlich Handhabung und Sicherheit auf den Weltmeeren war groß. Der Mast hat richtig lange, bis zum Wechsel zu Karbon neulich gehalten.

    Heute werden solche 50 m Masten beinahe in Serie gebaut. Ob wir es mögen und in Einzeln immer sinnvoll finden oder nicht: das Höher, Größer, Schneller weiter ist eine unaufhaltsame Entwicklung, ein männlicher Drang. Er beschäftigt eine ganze Branche und irgendwie ja auch unsere Phantasie.

    Ich nehme an, dass Ed Dubois als versierter Konstrukteur großer Yachten so ein Schiff entwirft, weil man damit auch gescheit an den Wind gehen kann. Das klappt mit seinen 60 m Schlitten ja auch. Seine 100 m Slup wird bestimmt ein Prototyp, wie „Mirabella V“ von Ron Holland vor einigen Jahren auch.

    Die Seitenansicht finde ich jedenfalls cool. Stell Dir vor, Du hast so einen Zossen und siehst ihn tiefgangshalber irgendwo etwas weiter draußen auf Reede liegen. Great kicks?

    Ob es Spaß macht, sieben Meter über Wasser auf der Flybridge hockend damit zu segeln, weiß ich nicht. Das Steuern solcher Kümos und Bedienen der Schotautomaten per Joystick ist bei den (proportional bulligeren und entsprechend schweren) 50 m Perinis bereits eine etwas abstrakte Sache. Heini, zum Glück gibt es für Leute, die es gern ein wenig agiler, nasser und sportlicher mögen, kleinere Boote.

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  3. avatar Heini sagt:

    Das mit der Vorsicht beim Segeln solcher Trümmer hat selbst mal Walter Meier-Kothe in einem Interview über die ‘Visione’ gesagt.

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    • avatar Erdmann sagt:

      Heini, es gab vor einigen Jahren eine Art Privatregatta zwischen „Maltese Falcon“ und „Mirabella V“. Da war zu sehen, dass „Maltese Falcon“ etwas rank ist und frühzeitig reffen (= die oberen Rahsegel einrollen) muss. Die große Slup wurde recht zahm mit dem Stagsegel zum Groß gesegelt. Dann gab es bald ein Problem im Maschinenraum mit einem Generator und „Mirabella“ schied aus.

      Hinzu kommt, dass bei den großen Pötten, wenn sie zum Chartersegeln klassifiziert sind, der Krängungssensor die Schotautomaten nach meiner Erinnerung bei 15 Grad automatisch fieren lässt. Es waren damals technische Probleme und Handhabungsgesichtspunkte, die beim Vergleich „Maltese Falcon“ – „Mirabella V“ gegen die große Slup sprachen. 1:0 für die modernisierte Rahseglerversion.

      Deshalb finde ich die Präsentation der 100 m Slup von Dubois erstaunlich. Auch kann ich mir schwer vorstellen, wie man ein Groß mit mehr als 40 m Unterliek refft. Ich finde 5 m machen bei auffrischendem Wind schon Arbeit.

      All das werden Dubois, die ab September für das Vorhaben bekannt gegebene Werft und die Mastenbauer/Segelmacher der interessierten Öffentlichkeit bestimmt erklären.

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  4. avatar Claus sagt:

    Dubois arbeitet bestimmt an so einem Zossen.

    …aber, nun sollten wir doch mal die Kirche im Dorf lassen!
    Tank-Tests in Southampton sind schön! Reckmann würde bestimmt die nötigen Furler, Polyant das Segeltuch/Laminat herstellen. Huisman, Vitters, A&R, Lürssen, Pendennis und Konsorten könnten das Boot bestimmt auch bauen! So far, so good!

    MALTESE FALCON, 88m lang, fährt schon mit einer Crew von angeblichen 16 Pers. Wahrscheinlich rein nautischem Personal ohne den üblichen Anhang von, Köchen, Stewardessen, Frisösen und Privatsekretärinnen.
    HETASIROS war schon böse teuer, nicht zuletzt weil der Bau ein Jahr länger gedauert hat als ursprünglich geplant, obwohl der Eigner mit Jens Cornelsen den besten Projektmanger dem man für solche Projekte haben kann, hatte!

    Baukosten sind Eins, der jährliche Unterhalt ein Weiteres! Um das Boot zu bauen braucht es wahrscheinlich 150 Mio EURO und 20 Mio EURO Unterhalt p.a.

    Jeder, der in den letzten Tagen Schon mal Zeitung gelesen hat, weiß das sowas nicht wirklich realistisch ist…

    ..oder?

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  5. avatar Heini sagt:

    Naja, die Super- bzw. Megayachtszene ist schon ein Fall für sich.
    Wenn ich lese, dass der Eigner der “Christoffel’s Lighthouse” bei der Jungfernfahrt zu Tränen gerührt gewesen sein soll, das Boot dann aber innerhalb kürzester Zeit bereits zum Verkauf angeboten wurde, da kann es mit der Liebe nicht so wirklich ernst gewesen sein.
    Oder dass der Eigner der “Vertigo” wollte, dass das Boot sensibel sein sollte, nur mit dem Zeigefinger zu steuern, reaktionsschnell im Manöver und anspringen wie eine Jolle, so war es in “Boote Exclusiv” zu lesen. Macht wirklich Sinn, wenn man dieses Gefühl am Rad auf der Flybridge eines 800-Tonners erwartet.
    Ich frage mich da immer, wer da wem einen Bären aufbinden will. Der Konstrukteur dem Eigner? Der Eigner der Presse? Die Presse dem Leser?

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  6. avatar Uwe sagt:

    Focus-Online schreibt heute: “… wir sind Zahlweltmeister”

    Dank Erdmann wissen wir jetzt, wohin unsere Gelder gehen !

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 10

    • avatar Wikileaks sagt:

      Selten so einen Schwachsinn gelesen wie hier.

      Wie heisst es noch über uns Deutsche: “Der Neid ist die höchste Form der Anerkennung…”

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      • avatar Uwe sagt:

        Soziale Ungleichheit weltweit

        Weltweit geht diese Schere noch sehr viel weiter auseinander.

        Vermögen:

        1 % der Weltbevölkerung hält etwa 40 % des weltweiten Vermögens. Die reichsten 2 % der Weltbevölkerung besitzen mehr als 51 % des weltweiten Vermögens. Auf die reichsten 10 % entfallen etwa 85 % des weltweiten Vermögens.

        Auf die unteren 50 % der Weltbevölkerung entfällt weniger als 1 % des weltweiten Vermögens.[38]

        Das gesamte globale Vermögen beträgt etwa 125 Billionen US-Dollar.[39]

        Die 1210 US-Dollar-Milliardäre, die es weltweit gibt, halten zusammen ein Vermögen von ca. 4,5 Billionen US-Dollar. Damit besitzen sie etwa vier mal so viel wie die untere Hälfte der Weltbevölkerung (etwa 3,5 Milliarden Menschen) zusammengenommen.[40]

        In den USA – der größten Volkswirtschaft der Welt – hält nur 1 % der Bevölkerung über 50 % des gesamten Vermögens[41]

        über 80 % der Weltbevölkerung leben von weniger als 10 US-Dollar am Tag.[42]

        etwa 1,4 Milliarden Menschen (über 20 % der Weltbevölkerung) lebt von weniger als 1,25 US-Dollar (oder 1 €) am Tag[43])

        über 50 % der Weltbevölkerung lebt von weniger als 2 US-Dollar am Tag[44])

        Dem aktuellen „World Wealth Report“ zufolge gibt es weltweit derzeit etwa 10,1 Millionen US-Dollar-Millionäre (davon 826.000 aus Deutschland). Zusammen verfügen diese 10,1 Mio. Millionäre (weniger als 0,2 % der Weltbevölkerung) über 40,7 Billionen US-Dollar. Dies entspricht fast einem Drittel des gesamten Vermögens auf der Welt.[45]

        Damit halten diese etwa 10 Millionen Millionäre ein Vermögen das mehr als doppelt so hoch ist wie die unteren 90 % der Weltbevölkerung (über 6 Milliarden Menschen) zusammengenommen.

        Um zu den reichsten 10 % der Weltbevölkerung zu gehören bedarf es eines Vermögens von 45.780 €.[39]

        Um sogar zu den reichsten 1 % der Weltbevölkerung zu gehören bedarf es eines Vermögens von 375.250 €.[39]

        http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Ungleichheit#Soziale_Ungleichheit_weltweit

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        • avatar Wikileaks sagt:

          Interessante Zahlen…

          Möchtest Du, dass wir Alle in Zukunft mit einem schlechten Gewissen segeln gehen?

          Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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