Bruder Leichtfuß: Per Anhalter über den Atlantik nach Brasilien

Bruder Leichtfuß auf der Barfußroute

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Die Barfußroute ruft Bruder Leichtfuß © Peters

„Einfach den Daumen raus halten, mal sehen, wer mich mitnimmt!“ Bruder Leichtfuß alias Timo Peters (28) hat bereits zwei Etappen seines „Atlantik-Törns per Anhalter“ hinter sich gebracht. Derzeit ist er auf dem großen Sprung nach Brasilien. Er berichtet von Bord der 46-Fuß-Stahlketsch „Libertalia“.

Eine schwarze, kalte Nachtschicht liegt hinter mir. Kein noch so kleiner Lichtstrahl des Mondes drang durch die dichte, dunkle Wolkendecke über der sehr bewegten, fast wilden See. Der Wind blies kräftig und hohe Wellen rollten in kurzen Abständen auf uns zu, immer wieder spritzte kübelweise Wasser aufs Deck, mir ins Gesicht. Jetzt ist der Tag gerade angebrochen, Käpt’n Phil hat mich als Wachhabender abgelöst. Ich bin froh, endlich in meiner Koje zu liegen und hoffe, trotz des starken Wellengangs, der meinen müden Körper ständig hin und her wirft, zumindest einige Stunden Schlaf zu bekommen.

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Die Libertalia-Gang © Peters

„Alle Mann an Deck!“

Gerade wälze ich mich zum X-ten Mal von der einen auf die andere Seite, um eine halbwegs sichere Position zu finden, da tönt ein lauter Schrei vom Cockpit herunter: “Alle Mann an Deck!”. Ich fluche leise, realisiere aber, dass jetzt wohl Eile geboten ist. Also springe ich auf, werfe mir meine Rettungsweste über und bewege meine müden Glieder nach oben. Der Anblick, der sich mir dort bietet, schockt mich: Phil steht am Heck und hat den Baum des Besansegels in der Hand, er hat sich offensichtlich vom Mast losgerissen. Vorne, am Bug flattert unser größtes Segel, die Genua, wild herum, auch ihr Baum hat sich losgerissen und ein Kugellager des Rollsegels ist zerschlagen worden.

Kyle, unser amerikanisches Crewmitglied schaltet viel schneller als ich und macht sich daran, dass Wirr-Warr vorne zu entknoten und alle wichtigen Teile zu sichern. Ich laufe zunächst mehr oder weniger hilflos zwischen Bug und Heck hin und her und versuche mal Phil und mal Kyle zu Hand zu gehen.

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Kampf mit der Genua © Peters

Im Cockpit steht wie angewurzelt die arme Cecilia, sie ist seekrank und hat seit wir ablegten,noch kein Auge zu getan. Entgeistert schaut sie dem Treiben zu. Phil, Kyle und ich beheben das gröbste Chaos zum Glück recht schnell, so dass wir weiter segeln können, ohne dass sich der Zustand des Bootes noch weiter verschlechtert.

Später erklärt uns Phil, dass er die Windstärke unterschätzt habe und wohl viel früher hätte reffen müssen. Jetzt ist es jedoch zu spät, um über Fehler nachzudenken und wir machen uns lieber Gedanken, wie wir die Schäden notdürftig reparieren können…

Fette, verknotete Wurst

Fünf Tage später: Wir haben uns alle von dem Schreck des ersten Unfalls erholt, diesmal bin ich auf Wache. Mit den Kopfhörern auf den Ohren stehe ich auf dem Achterdeck, schaue auf die See und bin gerade gänzlich zufrieden mit mir und meiner Welt, da gibt es vorne am Bug plötzlich einen Knall. Die Genua hat sich aus ihrer Verankerung gerissen! Diesmal ist es an mir, “Alle Mann an Deck” zu rufen, mittlerweile haben wir ja Routine in dieser Übung. Mit fast allen Leinen, die uns zur Verfügung stehen, fangen wir das Segel ein und brauchen jetzt einige Stunden, um es irgendwie zu einer festen Wurst zu verknoten.

Von fast einer Woche auf See mit unregelmäßigem Schlaf und genau so unregelmäßigen Mahlzeiten sind wir sowie so schon müde und der Kampf mit dem Segel verlangt jetzt noch einmal alle Kräfte von uns. Und trotzdem: Während einer Atempause schaut Phil mich schelmisch an und sagt: “Irgendwie verrückt, aber sogar das macht Spaß gerade!”. Ich schaue Richtung Westen, wo gerade die Sonne untergeht und gebe ihm mit einem breiten Grinsen Recht.

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7 Kommentare zu „Bruder Leichtfuß: Per Anhalter über den Atlantik nach Brasilien“

  1. avatar Karsten sagt:

    Moim Bruder Leichtfuss,

    schöne grüsse aus aurich.. coole geschichte die du da machst…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

  2. avatar Backe sagt:

    Wer denkt sich eigentlich all diese seltsamen Namen aus? Du, Carsten?
    “Unser segelndes Traumpaar Taru und Dingenskirchen”, “Bruder Leichtfuß”, “Sailing Conductors”, “der Kanumann” … klingt für mich inzwischen fast so nervig nach Labellisierung, wie “Durst nichts” und “Image alles” ist.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 9

    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      🙂 nee, das machen die meistens selber.
      viele verkürzungen sind aber auch der wiederfindbarkeit per google geschuldet. nicht immer schön, aber funktional.

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  3. avatar ? sagt:

    wunderschöner bericht. danke!

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  4. Danke für die Grüße, ich schicke ein bisschen Sonne zurück von Sao Vincente, Kap Verde!
    @backe: ich finde einfach, dass “Bruder Leichtfuss” mehr über mich aussagt, als “Timo Peters”…

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