Der chilenische Global-Ocean-Race-Konkurrent von Boris Herrmann, Felipe Cubillos, ist tot

"Ein faszinierender Mensch"

Boris Herrmann (l.) herzt Felipe Cubillos 2009 nach einer der fünf spanndenden Global Ocean Race Etappen um die Welt. © GOR

Von Boris Herrmann

Felipe Cubillos ist am vergangenen Freitag bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Er war Felix und mir ein enger Freund, seit wir das Portimao Global Ocean Rennen um die Welt gemeinsam bewältigt haben.

Felipe und Jose Minioz waren mit ihrer „Dasofio Cabo de Hornos“ unsere stärksten Gegner. Sie gewannen zwei der fünf Etappen, und es gab oft Positionswechsel zwischen uns. Nach 158 Renntagen trennten uns am Ende nur ca 2 Stunden.

Nicht nur dieser intensive Wettbewerb ließ und zu engen Freunden werden. Felipe war auch ein unglaublich faszinierender und inspirierender Mensch. Er ist der Gründer von Desafio Levantamos Chile, einer Vereinigung zum Aufbau Chiles nach dem verheerenden Erdbeben 2010.

Felipe Cubillos, guter Segler, großer Mensch. © GOR

Felipe war im vergangenen Jahr unterwegs, sein Boot nach Chile zu überführen und kam gerade in Ekuador an, als das Erdbeben Chile verwüstete. Felipe war ein Mann der Tat, und so hat er seit diesem Moment sein Lebe konsequent dem Wiederaufbau gewidmet.

Am vergangenen Freitag war er in einer Militärmaschine auf dem Weg zu einer abgelegenen Insel, um dort eine Schule zu errichten. Das Flugzeug ist beim dritten Landeversuch in heftigem Sturm offenbar in der Luft kurz vor der Küste auseinandergebrochen.

Möglicherweise gab es keinen Ausweichflugplatz, denn die Juan-Fernández-Inseln auch Robinson Crusoe Inseln genannt, liegen 600 km vor der Küste. Die 22 Insassen hatten keine Überlebenschance. Das für vergangenen sonntag geplante Staatsbegräbnis des exhumierten ex Präsidenten Salvador Alendes wurde wegen des Flugzeugabsturzes verschoben.

"Cabo del Hornos" und "Beluga" vor einem Etappenstart. Die Teams kamen gut miteinander aus. © GOR

Felipe war der Schwiegersohn des Verteidigungsministers, der die Rettungs- und Bergungsaktion nach dem Absturz umgehend selber in die hand genommen hat. Felipes Vater war Verteidigungsminister unter Pinochet.

Felipe erzahlte Felix und mir, dass es der Traum seines Vaters gewesen war, eine chilenische Mannschaft im Whitbread Race um die Welt zu führen. Dieses Vorhaben war aber vom Falklandkrieg vereitelt worden.

Felipe ist offenbar einer Karriere in der Politik bewusst ausgewichen und hat einen atemberaubenden beruflichen Weg als vielseitiger, bescheidener Unternehmer und Abenteurer eingeschlagen. Felix und ich haben seinen Erzählungen in den Etappenstopps des Global Ocean Races oft stundenlang fasziniert gelauscht und ihn mit Fragen gelöchert.

Er hatte an der Universität einen Lehrauftrag für Unternehmensgründungen inne. Felipe inspirierte viele junge Menschen zur Gründung kleinster und kleiner Unternehmen. Seine Studenten hatten im Rahmen der Lehrtätigkeit, kleinste Gründerprojekte planerisch unterstützt, um mittellosen Chilenen Einkommen zu verschaffen.

Große Emotionen. Boris Herrmann und Felix Oehme kamen im Wettbewerb mit ihren ärgsten Widersachern sehr gut aus. © GOR

Felipe selber hat sehr klein angefangen mit einem Fischerboot, das aber in einem Sturm sank. Das Unglück warf ihn sehr zurück. Aber später führte er eine Flotte mit Fischtransportschiffe und andere Unternehmen.

Er hatte eine mitreißende Art und war ein unabhängiger, kreativer Kopf. Mit der Teilnahme am Global Ocean Race hat er seinen und den Traum seines Vaters verwirklicht. Er hatte zwar der Politik den Rücken gekehrt, aber seine Projekte hatten dennoch in gewisser Weise oft einen politischen Charakter. Als erstes Chilenisches Team in einem Rennen um die Welt in Führung liegend Kap Horn zu passieren erscheint rückblickend wie ein Akt mit politischem Symbolcharakter. Kap Horn ist ein Wahrzeichen für Chile.

Das Schiff war mit Indianerzeichnungen bemalt. Die Feuerland-Indianer seien die ersten Chilenen gewesen. Felipe und Jose wollten die ersten Chilenen, die um die Welt segeln. Ihr Boot war in den chilenischen Nationalfarben bemalt und beiden Seglern wurde in Chile ein großer Ruhm zuteil.

Der Vizepräsident hat Felipe bei der Kap Horn Rundung auf dem Iridiumtelefon angerufen, um zu gratulieren, die Marine war mit zwei Zerstörern und einem Helikopter ausgerückt um die Yacht zu begrüßen.

Dabei war Felipes Segelprojekt mehr als das eines Unternehmers mit guten Beziehungen und privater Finanzierung. Felipe war anno dazumal im Flying Dutchman für die später vom Westen boykottierten Olympische Spiele in Tallin nominiert, gefragter Taktiker im nationalen IMS Segelzirkus. Sein Segelprojekt wurde von einer Bank und einer chilenischen Supermarktkette gesponsert. Er hat als intelligenter Planer einen herausragenden Class 40 mit Guillaume Verdier gebaut.

Seine ansteckend begeisternde Art und kameradschaftliche Bescheidenheit machten ihn für uns unersetzlich. Einer seiner charmantesten Sprüche war, dass er uns eigentlich nur die Sympathie seiner Töchter neide. Ein anderer, dass er mir versprach, wenn ich es schaffen sollte, im Vendee Globe um Kap Horn zu segeln, er persönlich zum Kap reisen werde um mir von dort mit einer chilenischen Flagge zuzuwinken.

Während des Barcelona-Rennens war er sehr mit den Arbeiten zum Wiederaufbau beschäftigt. Deshalb schickte er einen Freund, der mir von einem Schnellboot der chilenischen Marine per UKW Felipes Grüsse überbrachte.

Die Fülle der besonderen Erinnerungen an diesen Mann nehmen kein Ende. Er ist mir ein großes Vorbild.

Felipes Buch über das Portimao Global Ocean Race trägt den Titel Hochseeträume. Die Einnahmen stiftet er den Erdbebenopfern.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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3 Kommentare zu „Der chilenische Global-Ocean-Race-Konkurrent von Boris Herrmann, Felipe Cubillos, ist tot“

  1. avatar OleH. sagt:

    Ich habe schon während des Portimao Races verfolgt, wie du (Boris) und Felix das chilenische Team als hochgeschätzte Regatta-“gegner” gesehen habt und war eigentlich auf weitere Matches mit Felipe Cubillos Teilnahme gespannt.
    Mein Respekt für Felipe Cubillos und seiner Lebensleistung. Schade, daß er nicht mehr ist.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

  2. avatar Randolf Klein sagt:

    Felipe wird dort sein, wenn Du in der Vendee das Kap Hoorn umrundet.

    Soy el Albatros que te espera en el final del mundo.

    Soy el alma olvidada de los marineros muertos que cruzaron el Cabo de Hornos desde todos los mares de la tierra.

    Pero ellos no murieron en las furiosas olas,
    hoy vuelan en mis alas,
    hacia la eternidad,
    en la última grieta de los vientos antárticos

    Sara Vial.
    Dic – 1992

    Ich bin der Albatros, der am Ende der Welt auf dich wartet. Ich bin die vergessene Seele der toten Seeleute, die Kap Hoorn ansteuerten von allen Meeren der Erde. Aber sie sind nicht gestorben vom Toben der Wellen. Denn heute fliegen sie auf meinen Flügeln in die Ewigkeit, mit dem letzten Aufbrausen der antarktischen Winde.“ [Sara Vial, Gedicht am Kap-Hoorn-Ehrenmal]

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  3. avatar Sylvia Rautenberg sagt:

    Viva Felipe Cubillos und Viva Chile!!!!! Felipe wir vermissen dich….Die Welt braucht mehr Männer wie FelipeCubillos!.

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