Drama: Vermisste Yacht – kein Lebenszeichen vom Skipper

Weit abgetrieben

Verschollen, Gefunden, Neufundland, Einhandsegeln

Die rosafarbene Zone zeigt das Suchgebiet südlich der Azoren. Der rote Punkt markiert den Fundort der “Red Heol” © telegramme

Vor zwei Monaten verschickte Jo Le Goff eine letzte SMS an seinen Bruder: „Habe gerade abgelegt, melde mich wieder von den Azoren.“ Seither fehlte von ihm und seiner Yacht „Red Heol“ jede Spur.

Der 64-jährige Bretone Jo Le Goff war ein erfahrener Segler. Seit seiner Jugend segelte er regelmäßig auf Jollen und Yachten, er hatte mehrere Atlantiküberquerungen auf dem „Salzbuckel“, war vier Mal um Frankreich gesegelt und unter Freunden als überaus umsichtiger und vorsichtiger Skipper bei Chartertörns beliebt.

Doch seine wahre Leidenschaft galt dem Einhandsegeln. Dafür baute er sich jahrelang nahezu ohne fremde Hilfe den Alurumpf einer Largo 38 aus. Mit dem 11,50 Meter langen, gelben Schiff seiner Träume wollte er so lange es irgendwie gehen würde „im Ruhestand den Atlantik unsicher machen“.

Letztes Lebenszeichen: eine SMS

Am 5. Juni legte Le Goff in seinem Heimathafen Brest ab, um durch die Biskaya nach Nordspanien und Portugal zu segeln. Nach einem eher entspannt verlaufenen Törn mit einigen Zwischenstopps machte Le Goff nach Aussagen seines Bruders schließlich in Leixoes/Portugal fest, von wo aus Le Goff den „Sprung“ zu den Azoren in Angriff nehmen wollte. Am 5. Juli legte er ab, schickte wie immer vor größeren Schlägen eine Info-SMS an seinen Bruder… die sein letztes Lebenszeichen sein sollte.

„Jo segelte nicht zum ersten Mal alleine nach den Azoren, bummelte gerne ein wenig auf Umwegen und deshalb machten wir uns erstmal keine Sorgen, als wir nach der veranschlagten Reisezeit keine Meldung von ihm erhielten,“ berichtet sein 85-jähriger Bruder Jean-Yves, der ebenfalls ein begeisterter Segler ist.

Deshalb gab Jean-Yves Le Goff erst am 20. Juli eine Vermisstenanzeige auf. Die französische Seenotrettungsstelle reagierte prompt und organisierte ein aufwändige Suchaktion im Gebiet südlich der Azoren.

Ihre Theorie: Sollte die „Red Heol“ technische Probleme haben und etwa steuerlos auf Drift sein, müsste sie aller Wahrscheinlichkeit nach Richtung Süden abtreiben. Da jedoch kein Seenotruf abgesetzt wurde, befürchteten die Helfer von Beginn ihrer Suchaktion an das Schlimmste.

Suchflugzeuge durchkämmten Teilbereiche des Seegebietes systematisch, die Handelsschifffahrt und Hochseesegler wurden informiert und gebeten, „die Augen aufzuhalten“.

Doch Jo Le Goff und seine „Red Heol“ blieben unauffindbar.

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Die “Red Heol” in ihrem Heimathafen vor Brest © privat

Während Fußballspiel-Übertragung gerammt?

In der Bretagne werden solche Schicksale seit jeher eingehend diskutiert. Die Seglergemeinde nimmt regen Anteil, die Tageszeitungen berichten regelmäßig und auf diversen Web-Blogs tauscht man sich über alle Möglichkeiten eines etwaigen Unfallherganges aus.

Da kein Notruf abgesetzt wurde, tippten die vernetzten Segler hauptsächlich auf den Einhand-Alptraum „Über-Bord-gefallen“. Andere mutmaßten einen Herzinfarkt und einige Wenige versteiften sich auf die Theorie, dass die „Red Heol“ (die übrigens keinen EPIRB-Sender an Bord hatte, der automatisch bei Wasserkontakt Notrufsignale sendet) von einem Frachter gerammt worden sei und danach auf Tiefe ging. Der Grund: Am 7.Juli spielte die französische gegen die deutsche Nationalelf während der EM, wodurch „auf den Brücken der Handelsschifffahrt der vorausschauende Aufmerksamkeitswert wohl drastisch gesenkt“ worden sei.

Am 16. August wurde die weiterhin erfolglose Suchaktion offiziell abgebrochen und Skipper sowie Yacht als verschollen gemeldet.

Im Nordmeer gesichtet

Doch vergangene Woche sichtete die Crew eines Frachters ca. 750 Seemeilen östlich von Neufundland – also an einer Stelle, die dem bisherigen Suchgebiet genau entgegengesetzt war – eine gelbe, in den Wellen schaukelnde Yacht mit zerfetztem Vor- und Großsegel. Die Besatzung des Handelsschiffes versuchte über Funk Kontakt zu dem Boot aufzunehmen, machte auf sich durch laute Signale aufmerksam, konnte aber kein Leben an Bord der Yacht erkennen. Die aufgewühlte See sowie Windstärken um die acht Beaufort machten ein Übersetzen unmöglich.

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Gebiet, in dem nach der Red Heol gesucht wurde © boat service

Anhand eines von der Besatzung aufgenommenen Fotos identifizierte kurz darauf Jean-Yves Le Goff die „Red Heol“ seines Bruders.

„Wir gehen nun davon aus, dass Jo über Bord gefallen ist. Oder nach einem Malheur tot in der Kajüte liegt,“ wird Le Goff von bretonischen Zeitungen zitiert.

Um endgültige Gewissheit über das Schicksal des Einhandseglers zu erhalten, hofft man nun, dass die „Red Heol“ erneut und bei besseren Wetterbedingungen von einem Frachter oder vielleicht sogar einer Yacht gesichtet wird und etwaig ein Crew-Mitglied zur Yacht übersetzen kann (ähnlich wie die „Clipper-Race“-Crew, die den deutschen mumifizierten Segler auf hoher See fand). Damit endgültig geklärt werden kann, auf welche Weise Jo Le Goff „auf See“ geblieben ist.

Tipp: André Mayer

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Michael Kunst

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