Streiflicht: Dürfen Teens alleine um die Welt segeln? Röttgerings Meinung

„Jessica hat den Mund nicht zu voll genommen“

Uwe Röttgering wird bei NTV zum Fall Laura Decker befragt

Die Einhand Weltumsegelung der 16 jährigen Jessica Watson sorgt derzeit auch außerhalb der Fachpresse für Schlagzeilen. Dass ein Mädchen, dass das versucht, woran schon viele erwachsene Männer gescheitert sind, für kontroverse Diskussionen sorgen würde, war abzusehen.

Denn unsere Einstellung gegenüber Menschen, die eine sportliche Herausforderung dieser Art suchen, ist ambivalent. Ist unsere gesellschaftliche Ordnung auf Risikominimierung ausgerichtet, so werden auf der anderen Seite diejenigen bewundert, die ein Risiko eingehen.

Der Hochseilartist wird deswegen beklatscht, weil er die Gefahr in Kauf genommen hat, sich die Knochen zu brechen. Die Bewunderung für die, die ihre Grenzen suchen, schlägt aber dann in Unverständnis um, wenn wir meinen, die Grenze zum Leichtsinn sei überschritten, sprich das Risiko sei zu groß geworden.

Umso geringer unsere eigene Erfahrung in dem jeweiligen Bereich ist, desto spekulativer wird die Einschätzung der Gefahr. Wir wissen, dass es sehr gefährlich ist, auf der Fahrbahn Mitte einer Autobahn zu picknicken, weil wir uns dies aus unserer eigenen Lebenserfahrung herleiten können.

Aber was wissen wir über das Risiko, wenn eine 16 Jährige nonstop um die Welt segeln will? Mir fallen spontan ein halbes Dutzend Einhand Ozeanüberquerungen von Teenagern ein. Mir ist aber kein Fall bekannt, wo ein Jugendlicher dabei zu Schaden gekommen ist.

Natürlich ist denkbar, dass Jessica Watson ihre Fahrt nicht überlebt. Aber woher die Kritiker die Gewissheit nehmen, dass diese Fahrt für eine 16 Jährige zu gefährlich sei, erschließt sich mir nicht.

Von „Rekordwahn“ war die Rede und ein österreichischer Journalist ereiferte sich, das Watsons Vorhaben „vom unbändigen und wohl vielleicht auch krankhaften Ehrgeiz der Eltern“ getrieben sei.

Der Gedanke, dass man auch schon mit 16 das Recht haben kann seine Träume zu leben, kam diesem Kritiker nicht. Wasser auf die Mühlen der Skeptiker war da, dass Watson im Vorfeld der Fahrt mit einem Berufsschiff kollidierte und ihre Yacht dabei schwer beschädigt wurde.

Dennoch ist Jessica gestartet und zeigt nun seit vielen tausend Meilen, dass sie den Mund nicht zu voll genommen hat, als sie mit dem Anspruch nonstop um die Welt zu segeln Mitte Oktober 2009 in Australien gestartet ist. Den Pazifik und den Südatlantik hat sie hinter sich gebracht.

Nun liegt noch der Indische Ozean vor ihr, bevor sie ihr Ziel erreicht. Da kann noch einiges passieren, keine Frage, aber schon jetzt hat die 16 Jährige eine Leistung vollbracht, vor der man nur den Hut ziehen kann.

Dabei liegt die eigentliche Leistung nicht im Handwerklichen. Denn anders als viele Kritiker meinen, ist nicht die Segelerfahrung oder die körperliche Fitness für den Erfolg einer solchen Fahrt entscheidend. Neben viel Glück braucht man vor allem eines: einen eisernen Willen.

Jessica muss sich über Monate jeden Tag aufs Neue motivieren, ihr Boot nach Osten zu segeln. Das kann man nicht schaffen, wenn man es nicht wirklich selber will. Dieses Maß an Willensstärke und Ausdauer ist die eigentliche Leistung an Watsons Fahrt.

Ich bin sicher, dass Jessica damit zur Inspirationsquelle von Teenagern in aller Welt geworden ist. Und wenn eine 16 Jährige diesen Willen aufbringen kann, warum nicht auch jemand, der noch jünger ist?

So stehe ich auch der geplanten Passatroute-Weltumsegelung der 14 jährigen Laura Dekker grundsätzlich positiv gegenüber, was ich hier bei N24 näher erläutern konnte.

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Uwe Röttgering

... der, der das Blauwasser Segeln liebt, aber zu immer schnelleren Schiffen tendiert - ob das am Einfluss von SR liegt ? ;o) Mehr findest Du hier.
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