Einhand Rekordversuch: Roman Paszke parkt mit 27 Meter-Kat “Gemini 3” am Kap Hoorn

"Neun Meter Seegang, 60 Knoten"

Aufnahmen aus einer (noch) wenig nassen Phase

Der polnische Offshore-Held Roman Paszke will mit seinem Mega-Katamaran „Gemini 3“ den 122-Tage-Einhand-Rekord von Jean-Luc van den Heede „gegen Wind und Strom“ brechen. Aber schwere Stürme zwingen ihn bereits seit Tagen in Warteposition vor Kap Hoorn.

„Sieben bis neun Meter Seegang. Bis zu 60 kn Windstärke aus West. Extrem starker Strom gegenan. Sicht unter 1sm.“ Das sind die Bedingungen, die derzeit am Kap Hoorn herrschen. Mit anderen Worten: Die Drake Passage vor dem Südzipfel Amerikas ist aktuell für Segelschiffe kaum zu bewältigen. Und schon gar nicht, wenn man von Ost nach West alleine in einem Mega-Katamaran unterwegs ist…

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Der Pole und das Monster © Martinez/Paszke

Grund genug für den polnischen Offshore-Segler Roman Paszke, seine „Gemini 3“ einige Hundert Seemeilen vor dem Kap in „Parkposition“ zu bringen, um treibend (immerhin noch mit 9 kn Speed) auf bessere Wetter- und Seebedingungen zu warten.

Der 59jährige hat das erste Drittel seiner Solo-Weltumseglung von Ost nach West, also gegen die vorherrschenden Wind- und Stromrichtungen, absolviert und wartet auf seinem 27m-Mega-Kat bereits seit drei Tagen auf bessere Bedingungen für die Weiterfahrt.

Ausgerechnet hier! (Rekord-Tracker)

Dabei ist Paszke – Schicksal oder was? – in einer psychologisch besonders schwierigen Situation: Seine heutige Stand-by-Position liegt ziemlich genau dort, wo er vor ca. einem Jahr seinen ersten Rekordversuch einer Weltumseglung gen Westen aufgeben musste. Damals löste sich in schwerem Seegang der Dieseltank aus seiner Halterung und zerstörte die Seeventile – Paszke drehte Richtung Argentinien ab, wo er unter dubiosen Umständen „gerettet“ wurde. Eine Rettung, die eigentlich nicht stattfand, für die aber enorm hohe Rechnungen gestellt wurden: Erst vor Kurzem, in dritter Instanz, wurde dem Widerspruch des Polen von einem argentinischen Gericht  statt gegeben.

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Kurios: Auf gleicher Höhe in “Standby”, wo er vor einem Jahr havarierte © paszke

Nur nicht abergläubisch sein

„Jetzt liegt er also auf gleicher Höhe wie damals und kann schon wieder nicht Weiter. Noch nicht!“ sagt Romans in Kiel wohnender Bruder Krzysztof gegenüber SR. Er hat regelmäßigen telefonischen Kontakt mit Roman auf See und berichtet: „Am Schiff ist technisch zum Glück alles in Ordnung. Und abergläubisch, was die Position anbelangt, ist mein Bruder auch nicht. Dennoch zehren die Wartezeiten an seinen Nerven – schließlich ist er auf einer Rekordfahrt unterwegs!“

In weniger als 122 Tagen gegenan

Paszkes Warteposition vor der Kap Hoorn Rundung

Paszkes Warteposition vor der Kap Hoorn Rundung

Tatsächlich will Roman Paszke mit seinem 27m-Katamaran „Gemini 3“(Bj.: 2007) der renommierten schwedischen Marström-Werft den neun Jahre alten Rekord des Franzosen Jean-Luc van den Heede (122 Tage) brechen. Für die Weltumseglung gegen den Wind und Strom wird von der ISAF (noch) nicht zwischen Ein- und Mehrrumpfschiffen unterschieden.

„Mit einem Katamaran wie der Gemini 3, die speziell für schwere See und starke Winde gebaut wurde, sind derartige Rekordfahrten durchaus möglich,“ versichert Krzysztof Paszke weiter. „Nur die Rahmenbedingungen müssen eben stimmen!“

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Ausgesprochen schlechte Wetterlage vor Kap Hoorn © Paszke

Pech oder Glück?

Und von diesen äußeren Umständen kann Roman bereits sein „Liedchen singen!“ Als er am 27.12.2012 vor den Kanaren erneut zur Weltumseglung startete, kam er genau 80 sm weit. Dann rammte er ein „UFO“ und beschädigte seine Ruderanlage. Also wieder zurück, Reparatur und nochmals Start Anfang des Jahres. Schlechtes Omen? Nicht unbedingt, denn man kann die Sache auch so sehen: Für diese Reise hat er statistisch alle Chancen auf seiner Seite, ohne weitere UFO-Begegnung über die Meere zu kommen.

Mit 26 kn den Atlantik runter

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Allein um die Welt, gen Westen, gegen Wind und Strom © martinez/paszke

Das Schiff laufe optimal, berichtet Roman seinem Bruder, er sei schon über weite Strecken hinweg mit einer Geschwindigkeit von 26 kn unterwegs gewesen. „Mit Mannschaft schafft die Gemini zwar 34 kn,“ erläutert Krzysztof, „aber wichtiger als Maximalspeed ist nun mal die technische Sicherheit des Schiffes!“ Zwar habe Roman vor 5-6 Tagen kleinere Probleme mit der Selbststeueranlage gehabt, doch die seien mittlerweile wieder behoben. „Alles optimal, bis auf diese Sturmfront,“ so Roman weiter telefonisch. „Mal sehen, wie lange ich noch warten muss!“

Roman Paszke gilt in Polen als Hochseeheld. Neben unzähligen Regattaerfolgen (u.a. The Race –Teilnahme auf WARTA-POLPHARMA als Skipper) gewann er vor allem die Herzen seiner Landsleute, als er noch zu Zeiten kommunistischer Herrschaft im Osten den ersten polnischen Regatta-Eintonner bauen ließ: 1987 entstand die Gemini 1, Schwesterschiff der berühmten Admiral’s Cupper „Saudade“ und „Outsider“.

Ritt um die Welt: Roman Paszke © martinez/paszke

Der (kostenlose) Riss stammte von keinem anderen als Rolf Vrolijk, der es sich nicht nehmen ließ, in Polen die Pläne persönlich Roman Paszke zu überreichen. Die beiden verbindet seitdem eine enge Freundschaft.

Ziemlich lange Wege auf dem Mega-Katamaran:

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Einhand Rekordversuch: Roman Paszke parkt mit 27 Meter-Kat “Gemini 3” am Kap Hoorn“

  1. avatar Wilfried sagt:

    ob ein Katamaran hierfür besser geeignet ist muss sich noch herausstellen. Zur Zeit ist er zwar fast neun Tage vor der alten Zeit aber eben auch auf den Kanaren und nicht in Frankreich gestartet. Verglichen werden somit wieder Äpfel mit Birnen. Netto ist er damit bis jetzt also nur einen Tag schneller.

    auf jeden Fall eine schwierige Herausforderung die man (falls es so wäre) ja auch als schnellste/erste Ost/West mit Katamaran promoten könnte.

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  2. avatar Wilfried sagt:

    Noch ne Ergänzung,

    Laut Tracker kann von tagelangem Parken bis jetzt nicht die Rede sein.

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