Einhand-Weltumseglung nonstop: Wolfgang Schulze gibt nach 10 Tagen auf

„Es ist aus… stand unter keinem guten Stern!“

weltumseglung, einhand

Selbstbau, der Nerven und Freundschaften kostete © trans ocean

Der 49-Jährige kam vorgestern zurück nach Cuxhaven und beendete vorzeitig das Abenteuer seines Lebens, für das er zuvor in 10.000 Arbeitsstunden eigenhändig einen Alu-Fahrtenkat baute.

Eine alte Seefahrerregel lautet: „Urteile nie an Land über die Entscheidungen anderer auf See!“ Deshalb soll in den folgenden Zeilen über einen Mann, seinen Traum und seine Entscheidung wirklich nur berichtet werden. Nichts anderes…

Angefangen hatte alles mit Wilfried Erdmann, wie so oft schon. Sein Buch „die Magische Route“, in dem Erdmanns Weltumseglung 1984/85 erzählt wurde, faszinierte Wolfgang Schulze zutiefst. Auch er wollte rundum, alleine, nonstop und das sowieso auf einem Untersatz aus fahrtentauglichem Aluminium. Lediglich beim Schiffstypus ging er nicht konform mit seinem Vorbild: Schulze wollte auf einem Fahrtenkatamaran segeln, vielleicht auch eine Pioniertat vollbringen – noch nie zuvor war ein Deutscher nonstop, alleine auf einem Katamaran um die Welt gesegelt.

10.000 Stunden Arbeit… © Schulze

10.000 Stunden Arbeit… © Schulze

Als Mann der Tat baute er sich sein Schiff selbst, alleine, begann so schon ein immenses Abenteuer. In 10.000 Stunden, über sieben Jahre lang schweißte er sich sein Traumschiff zusammen. 15 m lang, 8 m breit, hochseetauglich, Blauwasser-geeignet. … ein Gefährt, das später zum Gefährten werden sollte, aber zunächst einmal nur Nerven kostete. Eine Beziehung ging in die Brüche, viele Freunde wurden an dem Projekt verschlissen.

2011 machte er die ersten Schläge auf seiner „Easy Living“ und trainiert bis zum Sommer 2013 immerhin 7.000 sm in der Nord- und Ostsee. Dabei reift sein Entschluss, so schnell wie nur möglich seinen Traum Realität werden zu lassen. Motto: 32.000 sm, ein Mann, null Stops, null Hilfe.

Am 20.9. 2013 legte Wolfgang Schulze schließlich auf Helgoland für seine Einhand-Nonstop-Weltumseglung ab, ohne großes Aufsehen damit zu erregen, ohne vorherige Buschtrommelei.

Weltumseglung, Bootsbau

Bootsbau– ein Knochenjob © schulze

Ein paar Tage zuvor bringt die Tageszeitung „Cuxhavener Nachrichten“ noch einen eher skeptisch klingenden Artikel über Schulze und sein Vorhaben; vom Vorsitzenden der Cuxhavener Seglervereinigung gibt es noch selbstgemachte Marmelade mit auf den Weg… und Tschüss. In 222 Tagen wollte er die Strecke schaffen, im April 2014 wieder in Cuxhaven sein.

Seinen Logbuch-Blog füllt der Weltumsegler in spe auf maritime, eher kurze, meist sachliche Art. Während der ersten zwei Wochen auf See berichtet er von kleinen kommunikationstechnischen Malheurs, von Problemen mit der Maschine, vom Wind der etwas zu oft gegenan steht… aber Katastrophen oder dramatische Ereignisse werden nicht beschrieben. Im Gegenteil: Schulze macht einen glücklichen Eindruck, berichtet von Delphinschulen, die um sein Boot tanzen und Zugvögeln die auf dem Alu-Kat zwischenlanden. „Es ist ein Geschenk, unterwegs zu sein!“ schreibt er am 26.9., die danach folgenden Einträge enden alle mit „läuft alles“.

Höhe Kap Finsiterre war Schluss

Höhe Kap Finisterre war Schluss

Am 30.9. berichtet er um 10h von grober See von vorn bei 25/35 kn Wind, um 15 h liest man den fast schon lapidaren Satz: „es ist aus. es hat wiedersetzlich angefangen, ist genauso weitergegangen und hört nicht auf. es läuft einfach nicht. steht unter keinem guten stern. deswegen liegt jetzt schweren herzens kurs 40° an. es tut mir leid.“

Zuvor hatte er beim Hantieren am Mast festgestellt, dass die Umlenkrolle einer Reffleine aufgebogen war, andere seien angegriffen. Wegen dieser und anderer „Baustellen“ am Schiff, werde er nun aufgeben…

Also segelt Schulze die „Easy Living“ auf nahezu dem gleichen Kurs wieder zurück gen Deutschland, wo er am 6.10. erneut in Cuxhaven anlegte. Seinen Blog führte er Tag für Tag weiter, verliert nur wenige Worte über seine Gefühlslage

Ein Mann, ein Traum © schulze

Ein Mann, ein Traum © schulze

Nach der Entscheidung zur Umkehr, freut er sich über den schnellsten Surf der Reise (21,5 kn), ideales Wetter zum Segeln und fürs Teetrinken am Steuerstand, dankt zuletzt allen für die Unterstützung, bevor er sich im Hafen daran macht, im lauen Herbstwetter die Luken zu öffnen und die Segel zu trocknen.

Das war’s – so schnell und irgendwie auch lapidar können Träume zerrinnen.

Tipp von Uwe Röttgering

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Michael Kunst

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7 Kommentare zu „Einhand-Weltumseglung nonstop: Wolfgang Schulze gibt nach 10 Tagen auf“

  1. avatar Olperer sagt:

    Der Traum ist nicht aus, nur verschoben, denk ich mal 🙂

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    • avatar Wolfgang sagt:

      Das hoffe ich auch. Wer in seinen Traum so viel Zeit und Mühe gesteckt hat, der sollte auch die letzte Herausforderung in Angriff nehmen und seine gefundenen Schwachstellen beseitigen. Ich wünsche ihm auf jeden Fall viel Glück, egal wie die letzte Entscheidung ausfällt.

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  2. avatar Ketzer sagt:

    Naja, wer hat sich denn hier nicht um die Welt/Atlantik/Ostsee geschraubt? Dauerhaftes Reparieren und Warten gehört doch dazu. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass die psychische Belastung so einer Einhandtour nicht jedem paßt, wofür ich aber volles Verständnis habe. Das Boot sieht trotzdem cool aus und so ein Selbstbau ist auch nicht ohne. Also trotzdem meine Gratulation!

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  3. avatar Skiff Segler sagt:

    Der Begriff Hochseesegeln hat doch die Bedeutung: Man repariert sich durch die Weltmeere und segeln ist die teuerste Möglichkeit unbequem zu Reisen!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 6

  4. avatar Pete sagt:

    Tja so ist das mit großen Ankündigungen, man setzt sich selbst unter Druck, und alle diejenigen die da so mitfiebern.
    Es einfach Lossegeln, und danach erzählen wie es war………

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 4

  5. avatar pro ac sagt:

    immerhin: mehr Segeltage als der Artemis Cat oder?

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  6. avatar Peter Muller sagt:

    Maybe his sailing dream was to built a great boat and to dream about it. The sailing was less important. Just look at the amount of time he spend planning and building it vs. actually sailing?
    But that is ok too!
    Peter
    Cape Town

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