Energie: Starre Segel, die gleichzeitig Solarpanels sind – Projekt geht in Testphase

Unter Sonnensegeln

Ein Meilenstein im Kampf gegen die „schmutzige“ Schifffahrt? Unter den wenigen Projekten zur Vermeidung von hohen Emissionen scheint Aquarius von Eco Marine Power förderungswürdig.

Handels- und Kreuzfahrtschiffe zählen zu den größten Verschmutzern unseres angeblich so „blauen“ Planeten. Hochseeschiffe stoßen täglich unzählige Tonnen schädliche Abgase aus, die Mensch und Natur in hohem Maße gefährden. Ein Beispiel: die Fahrt eines mit Schweröl angetriebenen Kreuzfahrtriesen über den Atlantik belastet die Umwelt genauso stark wie fünf Millionen Automobile im gleichen Zeitraum.

Luftverschmutzung, Handelsschifffahrt, Segel, Solarpanels

Tonnenweise Emissionen © nabu

Zwar sind die in den letzten Jahren zustande gekommenen internationalen, politischen Maßnahmen zur Reduzierung der Luftverschmutzung begrüßenswert, doch erfolgten manche Grenzwertverschärfungen erst sehr spät nach jahrelangen Diskussionen. Manche  sind mittlerweile auch schon wieder von Verschiebungen bedroht.

Freiwillige Maßnahmen gefordert

Die EU bemüht sich derzeit zumindest, effektive Strategien zu entwickeln, um die Feinstaub- und Ruß-Emissionen in der Handels- und Tourismus-Schifffahrt zu reduzieren. Das wird von den großen Umweltschutzorganisationen überall auf der Welt als eine Art „Pilotprojekt“ für andere Kontinente und Nationen auch gutgeheißen.

Doch ein wichtiger Faktor fehlt bislang im Kalkül: An neuen, sauberen Techniken und Energien, die Containerriesen oder Musikdampfer in Zukunft antreiben könnten, wird seitens der Industrie noch viel zu wenig gearbeitet. So fordert etwa der deutsche NaBu, dass endlich „die Akteure der Handelsschifffahrt ihrer Verantwortung gerecht werden und umgehend effektive freiwillige Maßnahmen ergreifen.“

Entsprechend klammert man sich in der internationalen Schifffahrt gerne an jeden Strohhalm, der gereicht wird: Wenn es um Maßnahmen zur Reduktion der Emissionen geht, sind zumindest auf dem Papier blühender Fantasie kaum noch Grenzen gesetzt.

Jedoch scheitern solche Projekte meist aus finanziellen Gründen schon am Reißbrett, ob es sich dabei um hochbordige Schiffe, deren Rumpf als Segel fungiert, um Luftblasen, die den Reibungswiderstand am Rumpf reduzieren oder um spezielle Lacke, die Thunfischhaut imitieren handelt. Dass jedoch auch vermeintlich „wilde“ Fantasien durchaus realitätsnah sein können, zeigt zum Beispiel der seit Jahrzehnten aktive Flettner-Rotor.

Luftverschmutzung, Handelsschifffahrt, Segel, Solarpanels

Das Aquarius-System soll auf allen möglichen Schiffstypen zum Einsatz kommen und kann auch nachträglich installiert werden © eco marine power

Treibstoff sparen, Emissionen reduzieren

Etwas mehr Hoffnung legt man in der Handelsschifffahrt seit jeher – neben Verbesserungen bei den Filtern und größtmöglicher Vermeidung von Schweröl an Treibstoff – auf den (zusätzlichen) Vortrieb durch Wind zum Transport von Gütern und Menschen über die Weltmeere. So sollen Zug-Drachen Treibstoff sparen und mehr oder weniger innovative Segelaufbauten (paradoxerweise) Tanker und Handelsschiffe sparsamer über die Weltmeere bringen.

Bereits vor einigen Jahren hatte in diesem Themen- und Forschungsbereich das japanische Unternehmen Eco Marine Power ein wirklich innovatives Konzept zum zusätzlichen Antrieb von Schiffen vorgestellt. Mit dem „Aquarius“-System wollen die Japaner Wind- und Sonnenenergie gleichermaßen nutzen, indem sie gleich die starren Segel auch als Kollektor für Sonnenenergie einsetzen.

Eine Idee, die nicht ganz so neu in der Segelwelt ist, allerdings in verschiedenen Forschungsprojekten weiter entwickelt wurde (u.a. auch von den Solarsails-Studenten – SR berichtete). Eco-Marine-Power meldet nun, dass sie nach Jahren der Entwicklung und Planung mit „Aquarius“ in die Testphase übergehen wollen.

Luftverschmutzung, Handelsschifffahrt, Segel, Solarpanels

Das Funktionsprinzip der “Sonnensegel” © eco marine power

Zunächst sollen mehrere Masten mit den starren „Sonnenkollektor-Segeln“ an Land getestet werden. Dabei geht es übrigens den Japanern nicht um die Funktionalität ihrer „Sonnensegel“, sondern vielmehr um erste Erprobungen der Software, die später den „Segeltrimm“ unter Berücksichtigung von Wind, Sonnenstand und Fahrtrichtung steuern wird.

Diese Testphase dürfte Ende 2016 beendet sein. Im nächsten Jahr kommen die starren „Sonnensegel“ erstmals in natura auf Schiffen zum Einsatz .

Eco Marine Power ist ein erfolgreiches Unternehmen, das bereits seit Jahrzehnten an ökologisch ausgerichteten Innovationen für die Schifffahrt arbeitet und sich international bereits einen „Namen gemacht“ hat. Die Unternehmensführung scheint nach hohen Investitionen in „Aquarius“ nun hohe Erwartungen in das Projekt zu setzen.

Vor allem die uneingeschränkte Kompatibilität für nahezu alle Schiffstypen wird in den Vordergrund gestellt. So könnte es schon in relativ kurzer Zeit möglich sein, dass „Aquarius“-Systeme auf Schiffen nachträglich eingebaut werden, um den Treibstoffverbrauch zu reduzieren und den Emissions-Ausstoß zu verringern.

Website Eco Marine Power

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Energie: Starre Segel, die gleichzeitig Solarpanels sind – Projekt geht in Testphase“

  1. avatar jakobi sagt:

    Was ist eigentlich aus den Flettner-Rotor-Schiffen geworden? Der Unikat aus Kiel? E-Ship One? Lange nichts gehört.

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  2. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Die Angabe mit den fünf Millionen Automobilen ist falsch.

    http://www.fh-flensburg.de/mz/Schiffsemissionen-NaBu-Rechnung.pdf

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