Entwicklung: Chinesen wollen fliegende Bodeneffekt-Boote in Serie bauen

Auf der Luftwalze

Ein bis vier Meter über dem Wasser schwebend, erreichen diese „Bodeneffektfahrzeuge“ Durchschnittsgeschwindigkeiten von 200 km/h. Reichweite: 1.500 km!

Der nächste Schritt? Kommt nach Hydrofoiling, bei dem immerhin noch Kontakt zum Wasser besteht und die Boote knapp über der Wasseroberfläche schweben, nun der Einsatz des „Bodeneffektes“ wieder in Mode?

Revival einer alten Technik: In China wurden kürzlich zwei Flugboot-Prototypen erfolgreich getestet, die in die Klasse der „freiflugfähigen Bodeneffektfahrzeuge“ eingestuft werden können.

Ein bis vier Meter über dem Wasser © CYG

Ein bis vier Meter über dem Wasser © CYG

In ein bis vier Metern Höhe über dem Wasser schwebend, nutzen diese Schiffs- bzw. Luftfahrzeugtypen in geringer Höhe über ebenen Flächen (also meist Wasseroberflächen) den Bodeneffekt: Unter den Tragflächen und dem Rumpf des Luftfahrzeuges bildet sich in unmittelbarer Boden- oder Wasseroberflächen-Nähe eine Luftwalze.

Auf diesem dynamischen Auftrieb kann das „Gefährt“ deutlich wirtschaftlicher, also mit geringerem Kraftstoffverbrauch fliegen, als andere Flugzeugtypen. Laut Aussagen der Ingenieure verbrauchen die Maschinen 28 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer.

Die im Film von den Chinesen vorgestellten Prototypen sind zudem offensichtlich auch in “echten” Flughöhen flugfähig, wo sie dann allerdings nach den Gesetzen der Aerodynamik sofort ihre Wirtschaftlichkeit verlieren. Ab ca. 10 Metern Höhe gibt es keinen Luftwalzen-Effekt mehr.

Den Bodeneffekt in bis zu vier Metern Höhe nutzend © CYG

Den Bodeneffekt in bis zu vier Metern Höhe nutzend © CYG

Zwitter zwischen Schiff und Flugzeug

Die Chinesen sehen neben der Wirtschaftlichkeit einen besonderen Vorteil ihrer fliegenden Boote namens „CYG11“ in der erhöhten Ladekapazität (im Vergleich zu Flugzeugen vergleichbarer Größe) und einer höheren Geschwindigkeit (im Vergleich zu Schiffen). Modelle mit bis zu 40 Sitzplätzen sollen in Kürze für den Tourismus aufgelegt werden. Die Türkei und Malaysia haben offenbar bereits mehrere der flugfähigen Boote oder schwimmenden Flugzeuge mit Bodeneffektnutzung bestellt. Die chinesische Marine will die „CYG11“ für die „Bewachung kritischer Küstenregionen“ einsetzen.

Bodeneffektfahrzeuge, die mitunter auch der „Familie“ der (deutlich hoher fliegenden) Flugboote zugeordnet werden, haben bereits eine lange Tradition in der Luft- und Seefahrt.

Seafalcon © Seafalcon

Seafalcon © Seafalcon

In Deutschland steht die „Seafalcon GmbH“ in der Nähe von Rostock offenbar kurz vor der Serienreife mit ihrer „Seafalcon“ .

Das Seeungeheuer

Viel Aufmerksamkeit erreichten die Russen, als sie mitten im Kalten Krieg 1964 das „Kaspische Seeungeheuer“, ein „Ekranoplan“ mit 40 Metern Spannweite und 100 Metern Länge testeten.

Vielleicht profitierten die Chinesen ja vom Know-how aus genau dieser Zeit: Ihre CYG11 wurde gemeinsam mit russischen Ingenieuren entwickelt und gilt als Vorzeige-Projekt chinesisch-russischer Völkerverständigung .

Tipp: André Mayer

Das Seeungeheuer vom Kaspischen Meer, anno 1964 © Luftfahrtmuseum

Das Seeungeheuer vom Kaspischen Meer, anno 1964 © Luftfahrtmuseum

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Michael Kunst

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