Erinnerung an Ted Hood: America’s Cup Sieger und Erfinder

Vordenker für den Segelsport

Der America’s Cup Verteidiger, Segelmacher, Mastenbauer, Erfinder, Bootskonstrukteur und Marinaentwickler Ted Hood starb im Alter von 86 Jahren.

Ted Hood

Der 35-jährige Ted Hood 1962 am Steuer des von ihm gezeichneten 12ers Nefertiti © Ted Hood Family Collection

Das ovale mittelblaue Logo mit den vier weißen Buchstaben hat einen großen Wiedererkennungswert: Hood Sails betrieb in den 60er und 70er Jahren als weltweit maßgeblicher Segelmacher 19 Niederlassungen. An Hood führte damals beim America’s Cup kein Weg vorbei.

Viele Segler trauern heute noch der Qualität des Hoodschen Tuches nach. Aber Segelmacherei und Tuchherstellung waren nur eine von Ted Hoods zahlreichen Aktivitäten. Der geradlinig bescheidene Mann mit der hohen Stirn,  prägnanten Nase und den klaren Gesichtszügen hat das Profilstag, die moderne Segelrollanlage erfunden und den Rollmast zur Serienreife gebracht. Außerdem entstanden etwa 1.500 Boote nach Hoods Plänen.

Der notorische Selbermacher zeichnete die 12er „Nefertiti“ und „Independence“ für den America’s Cup und verteidigte 1974 die begehrteste Trophäe des Segelsports. 36 Boote baute er für sich, in manchen Jahren zwei: eines für nördliche, eines für südliche Gewässer. Wie viele es genau waren, wusste Hood selber bei einem Interview vor einigen Jahren übrigens nicht. Es seien halt „einige gewesen“.

Hood interessierte sich für solche eher statistischen Werte weniger als für’s Machen und das nächste Projekt, seinen nächsten Entwurf oder die neue Idee. Hoods eigene Boote entstanden in seiner Heimat Marblehead nordöstlich von Boston, in Japan, Holland oder in Taiwan. Es waren Cruiser-Racer, Prototypen, mit denen sich nach einer SORC-Regatta noch im Flachwasserrevier der Bahamas mit der Familie Urlaub machen ließ.

Robin Hood

Hood nannte seine Boote „Robin“, weil seine Frau nicht mit diesem Namen für die Söhne einverstanden war und sich die Namenskombination bestehend aus Robin und Hood in der Regatta-Ergebnisliste gut machte.

Ted Hood war einer der größten Selbstdenker und Individualisten der Yachtbranche. Seine Segeltücher aus abschließend erhitzter (kalandrierter) Polyesterfaser waren enger gewoben, in schmaleren Bahnen vernäht, reckärmer und damit profiltreuer. Hoods Crosscut-Spinnaker boten mit breiten Schultern mehr projizierte Fläche. Seine Zwölfer waren deutlich breiter als üblich, seine Regatta und Fahrtenboote schwerer.

Mit dem Hoodschen Gemini-Profilstag, dem Vorläufer der modernen Vorsegelrollanlage in Gestalt einer über das Vorstag geschobenen Aluhülse, wurde zunächst der Americas’s Cup verteidigt. Danach wurde das Erzeugnis von Hood Yacht Systems weltweit an Regattasegler verkauft.

Wegen Hoods Ideenreichtum, Hilfsbereitschaft und Geschäftssinn änderte der New York Yacht Club die Regularien des America’s Cup dahingehend, das die Segel aus dem Land des Pokalherausforderers kommen müssen. So schützte sich das segelnde Amerika vor einem seiner größten Talente.

Prototypischer Selfmademan

Hood, der im elterlichen Schlaf- und Wohnzimmer auf den Knien mit dem Zuschnitt seiner ersten Segel begann, war prototypischer Selfmademan. Als Tüftler und Mann des Details lebte er sein Metier und verlor als geschickter Geschäftsmann dennoch nicht die Übersicht. Wer schneller und gründlicher als andere in die Tiefen von Forschung und Entwicklung bei der Segelmacherei einsteigt und mit der eigenen Herstellung des Tuches einen neuen Standard setzt, ist nah dran.

Dennoch schaffte Hood den Absprung. Er wusste wann es Zeit ist, sich von einem Metier zu trennen und etwas Neues zu beginnen. Hood verfügte über zwei entscheidende Talente: Er wusste wie man etwas anfängt und – vielleicht noch wichtiger -, wann man aufhören muss.

Seit dem Rückzug aus der Segelmacherei Ende der siebziger Jahre konzentrierte sich Hood auf den Entwurf und Bau von Booten. Seine „Little Harbour“ Yacht Range gediegener Fahrtenboote entstand dort, wo es Sinn machte, Qualität und Marge stimmten. Zunächst in Taiwan, bis er Mitte der achtziger Jahre die Fertigung von Taiwan nach Portsmouth im US Bundesstaat Rhode Island verlegte.

Marina für Superyachten

Dort verwandelte er einen brach liegenden Marine-Stützpunkt in beeindruckendem Tempo in die größte und bestausgerüstete Marina der amerikanischen Ostküste mit ausreichend großen Travellifts, einer Lackierhalle und Werft für seine Little Harbour Segelyachten. Hier wurde die J-Class „Endeavour“ gepflegt und Superyachten gewartet.

Mit Ende fünfzig, wenn andere seines Alters zum Golfschläger greifen, hatte Hood mit dem Umzug von Marblehead in die Nähe von Newport noch mal komplett neu angefangen und alles auf eine Karte gesetzt. Ted Fontaine, der langjährige Mitarbeiter in Hoods Konstruktionsbüro berichtet, dass Hood bei der Verwandlung des verwaisten Marinegeländes beim Gießen des Betons schweigend auf dem Boden kniete und darauf achtete, das die Arbeit richtig gemacht wird.

Sieben Millionen Dollar investiert

Seine Zusage, binnen sieben Jahren sieben Millionen Dollar zu investieren und 200 Arbeitsplätze zu schaffen, hatte er nach fünf Jahren erfüllt. Bald beherbergte der aus mehreren hellblauen Hallen bestehende Marinakomplex neben seinem Konstruktionsbüro, Little Harbour Custom Yachts, Ted Hood Yacht Builders und Little Harbor Marine für das rund laufende Geschäft üblicher Wartungsarbeiten, Reparaturen und Umbauten.

Anfang der neunziger Jahre pufferte Hood die Risiken des Bootsbaus mit dem Einstieg in die Fertigung von Motoryachten ab und ergänzte seine Wasserstrahl angetriebenen „Whisper Jets“ um die zugekaufte Marke „Black Watch“. Das Thema Wasserstrahlantrieb hatte er sich rasch angeeignet. Nach einer halben Million Dollar Lehrgeld wusste Hood, wie seine „Whisper Jets“ laufen. Er baute 50 Boote von 30 bis 50 Fuß.

Bei einem Besuch zeigte Hood seine Ideen gern und nicht ohne Stolz, machte aber kein großes Aufheben darum. Seine alten, längst von anderen Herstellern wie beispielsweise Harken genutzten und perfektionierten Erfindungen kommentierte er mit seiner lakonischen „no big deal“ Handbewegungen. Er hing nicht an die große Glocke, dass praktisch jeder Segler mit einer Hood Entwicklung unterwegs ist.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.

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2 Kommentare zu „Erinnerung an Ted Hood: America’s Cup Sieger und Erfinder“

  1. avatar Ostnordost sagt:

    Wie immer lesenswert. Danke EB für den Bericht und SR für die Mischung!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 1

  2. avatar ganesha sagt:

    was für ein mann!!! in fast 80 jahren fantasie, knowhow, entwicklungen, entscheidungen und immer individualität!- ich habe drei jahre für hood-deutschland mit dem besten tuch (vectran) gearbeitet und
    für viele bekannte yachten (borkumriff 4, elan, diverse blauwassersegler) gute segel gebaut und es war
    immer interessant und erfüllend, für diesen namen mein kürzel auf den stempel am hals zu zeichnen!

    vielen dank an erdmann braschos für diese biographie!

    christoph h. lauterbach

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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