Expedition: Survival-Guru entdeckt das Mikro-Segeln – auf 13-Fuß-Boot im Schneesturm

In der Kürze liegt die Würze

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Bourbeaus zweiter Mikrosegler ist deutlich größer geworden – 0,9 Meter länger! © bourbeau

Nach seinem Mikro-Boot-Abenteuer zwischen Alligatoren in den Everglades, erfreut sich André-Francois Bourbeau nun an Schneestürmen und eisigen Temperaturen. Auf sein Steak will er aber nicht verzichten.

Würde man behaupten, André-Francois Bourbeau sei so etwas wie der „Rüdiger Nehberg für Kanadier“, dann würde man „unserem“ Überlebens-Konditormeister Nehberg nun wirklich Unrecht tun. Denn erstens bringt es Bourbeau nicht annähernd auf so viele Abenteuer und Survival-Experimente wie Nehberg und zweitens sind die Aktionen des Kanadiers meistens weit vom „Survival“-Limit entfernt – vor allem in den letzten Jahren. 

Doch Bourbeau hat wohl niemals den Anspruch gehabt, als Überlebensheld in die Geschichtsbücher einzugehen. Vielmehr kam der Professor für Erziehungswissenschaften auf der Uni Quebec zu seinem Titel „Mr. Survie“ aufgrund eines wissenschaftlichen Experiments in jungen Jahren. 1984 verbrachte Bourbeau gemeinsam mit einem Studenten 31 Tagen in der Wildnis Kanadas – ohne Werkzeug, Waffen und Nahrungsreserven. 

Monsieur Survie

Bei dem Experiment ernährten sich die beiden Männer hauptsächlich von Eichhörnchen-Fleisch und Beeren, sie mussten vor einem Waldbrand flüchten und waren ständig von wilden Tieren bedroht. Ein Experiment, das in den kanadischen Medien enorme Aufmerksamkeit erregte und dem Professor immerhin einen Eintrag ins Guiness Book einbrachte. Das später geschriebene Buch über das Abenteuer wurde zu einem Bestseller in Nordamerika. 

Seitdem ist Bourbeau so etwas wie der Vorzeige-Abenteurer der Kanadier geworden. Er wurde zu unzähligen Talk-Shows eingeladen, war als Berater in vielen TV-Sendungen dabei, schrieb nochmals ein Buch über sein 1984-Abenteuer. Und das, obwohl er selbst immer wieder beteuert, eigentlich nur wenig Außergewöhnliches in seinem Leben geleistet zu haben. Ja, er sei viel an der frischen Luft unterwegs, aber welcher Kanadier ist das nicht? fragt er immer wieder. 

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Mit diesem 3-Meter-Cruiser besegelte der Kanadier die Everglades © bourbeau

Was ihn nun für Segler interessant macht, ist sein vor wenigen Jahren entdeckter Spaß am Mikrosegeln. Nach einigen mehrwöchigen Abenteuern in Kanus, die nach Art der nordamerikanischen Ureinwohner gebaut wurden, überraschte er die Outdoor- wie auch Seglergemeinde Nordamerikas gleichermaßen, als er seinen selbst gebauten ParaDuck (Paradox-like PDRacer) namens „Gorfnik“ der Öffentlichkeit präsentierte.

Zuvor hatte der „Prof“ geheimnisvoll durchblicken lassen, er baue an einem Expeditionssegler, mit dem er den hohen Norden genauso erkunden könne wie den Süden unseres Planeten. Als er dann einen 10-Fuß-Mikrosegler (3 m), der stark an einen „Opti für Große“ erinnert,  stolz der Öffentlichkeit vorstellte, war das Erstaunen derselben natürlich groß. 

Größerer Rumpf für einen Ofen

Auf seiner „Gorfnik“ machte Bourbeau dann tatsächlich zwei Wochen lang die Everglades in Florida unsicher, segelte zwischen Alligatoren und Pythons und schlief auf seinem Mikroboot – ein „Sahnestück“ für die kanadischen Outdoor-Medien, die „ihren“ Survival-Spezialisten nun erstmals unter Segeln feiern konnten.

Im Laufe des letzten Jahres ließ „Monsieur Survie“ erneut durchblicken, dass er für sein nächstes Abenteuer den Rumpf eines Bootes gekauft habe, den er nun eigenhändig ausbauen werde. Das Boot sei jedoch deutlich größer als sein bisheriger Segler.

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Bei ersten Testschlägen gab’s Ärger: Das Boot kenterte – ob gewollt oder nicht, sei dahin gestellt – und die Feuerwehr sah sich bemüßigt, den Segler zu retten! Ich habe Euch nicht gerufen, war die lapidare Antwort des Professors © bourbeau

Um es kurz zu machen: Das neue Boot namens „Iota“ fällt ebenfalls in die Kategorie „Mikro“, ist jedoch stattliche drei Fuß (0,9 m) länger als Bourbeaus bisheriger Kreuzer. Da der Kanadier diesmal in eher nördlichen Gefilden bei kühleren Temperaturen segeln wollte, sei ein größerer Rumpf notwendig gewesen – er brauche Platz für einen Ofen! Außerdem hatten sich die Seitenschwerter seines „Gorfnik“ nur wenig bewährt. 

Wer nun glaubt, Professor Bourbeau habe sich für seine Expeditionstour das „Wilde Kanada“, etwa  rund um Neufundland oder an der Mündung des St. Lorenz-Stroms ausgesucht, der irrt. Bourbeau geht es mit seinen Aktionen eben auch um eine gewisse Aufmerksamkeit für den Naturschutz. Also suchte er sich ein „Segelrevier“ auf Flüssen und Seen zwischen den US-Staaten Virginia und North Carolina aus. Das gilt zwar als relativ einsam und „ruhig“, ist aber von der Großindustrie bedroht. die dort investieren will. 

Seit 26. Februar segelt Bourbeau nun auf seinem 13-Fuß-Mikroboot durch die eiskalten Gewässer des Albemarie Sounds, durch den Chowan River und durch das Currituck Archipel, zwischen Norfolk und Elizabeth City. 

Es sei unerwartet ungemütlich, meldete er kürzlich von Bord. Zu häufig puste der Wind mit über 50 Knoten Stärke, es schneie andauernd und überhaupt hätte er nicht gedacht, dass er so lange unterwegs sei. Eigentlich wollte er einen Monat lang auf seinem Mikroboot die Gegend erkunden, nun müsse er wohl mit ein bis zwei Wochen mehr rechnen, um wieder an seinem Ausgangspunkt anzukommen. 

“Nicht ohne mein Steak!” 

Doch es sei gemütlich warm auf seinem Schiffchen, das übrigens deutlich besser segle, als sein Vorgänger. Und mit dem Survival-Gedöns nimmt es Bourbeau längst nicht mehr so genau. Erstens dürfe man in den Naturschutzgebieten sowieso nicht jagen, lässt er verlauten und zweitens habe er ein Klappfahrrad dabei, mit dem er – nur bei Gelegenheit! – Einkaufstouren in die nächsten Dörfer unternehme. „Wenn es draußen so kalt ist, dann braucht der Körper umso Handfesteres. Also mache ich mir Steaks mit Pilzen – alles in meiner Mikro-Kombüse gebraten!“ 

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Die Route der aktuellen Mikroboot-Expedition © Bourbeau

In einem seiner letzten Interviews, die er den nach wir vor höchst interessierten lokalen und regionalen Medien regelmäßig telefonisch gibt, machte er deutlich, wie zufrieden er doch mit seinem Mikroboot sei. „Das ist ein echtes Expeditionsschiff, damit komme ich überall hin. Wenn’s manchmal auch ein bisschen länger dauert, weil ja der Platz für einen Motor fehlt. Aber was soll’s – Zeit wird sowieso überbewertet! Und eines weiß ich ganz genau: beim Segeln liegt die Würze in der Kürze!“ 

Tipp: André Mayer

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Michael Kunst

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