Extremsegeln: Sven Yrvind will mit 4,80 “Yacht” nonstop um die Welt

"Der Mensch muss etwas haben, wofür er lebt"

Sven Yrvind hat mit seiner 4,80 Meter kurzen "Yrvind" den Atlantik überquert. Bei Gegenwind im Hafen wriggt er mit einem langen Ruder. © yrvind.com

Gerade erst hat der Schwede Sven Yrvind (72) die Atlantik-Überquerung mit seiner 4,80 Meter kurzen und 1,30 Metern schmalen “Yacht” absolviert, da kündigt er ein noch größeres Projekt an. 2012 will er mit seiner “Yrvind” nonstop  um die Welt.

Das Unternehmen scheint verrückt, aber der Abenteurer gewährt in einer langen Stellungnahme Einblicke in seine Gedankenwelt.

Vor 50 Jahren begann er mit dem Hochseesegeln auf kleinstem Raum, als er mit einem 15 Fuß Selbstbau in Schweden aufbrach, um die Welt zusehen. Seitdem gilt Yrvind als Papst dieser Extremsegelspezies. Am 10.1.2009 sollte ihr Höhepunkt stattfinden, eine Regatta für 10 Fuß Boote um die Welt. Zahlreiche Abenteuer zeigten Interesse, aber niemand startete. Das will Yrvind nun nachholen.

Der 72-Jährige Sven Yrvind kurz vor seiner Atlantik Abfahrt in Porto Santos. © yrvind.com

Dabei geht es ihm nicht um Rekorde. “Ich mag es, auf dem Wasser zu sein”, schreibt der Schwede. “Das ist der Zweck des Segelns und nicht der Transport zu einem anderen Kontinent.” So schimpft er auf die ARC-Segler, die eine Atlantik-Überquerung zur persönlichen Rekordfahrt machen und die Maschine anwerfen, sobald der Wind unter drei Knoten absackt. “Sie fokussieren sich auf den nächsten Landfall. Die See langweilt sie.”

Yrvind plant ein Jahr auf See zu sein. Dabei nimmt er es mit dem Nonstop offenbar nicht ganz so genau. Wenn er in die Nähe einer abgelegenen Insel komme, werde er sich auch mal die Beine vertreten.

Gedanken über die Sicherheit macht er sich kaum. “Ich habe eine lange Life-Line. Wenn ich über Bord falle, stoppt das Boot, weil es nicht die Kraft hat, mich hinterherzuziehen. Ich kann auch gut wieder an Bord klettern. Wenn das Wasser warm ist, schwimme ich sogar jeden Tag.” Kleine Boote seien einfach generell weniger gefährlich als große.

Zur Motiviation sagt er weiter: “Was habe ich für Alternativen wenn ich nicht segeln gehe? Soll ich es so machen, wie die anderen Pensionäre? Mit der Fernbedienung auf dem Sofa sitzen und mich langweilen?

Dann würde ich meine Fitness verlieren. Ich würde fett werden, Diabetes und Herzinfarkte bekommen. Dann bringen sie mich ins Altenheim und schließen mich an Maschinen an. Angekettet ans Bett würde ich meinen letzten Lebensabschnitt erleiden. In dieser Situation müsste ich mich mit wenig Erfolg um eine Person bemühen, die mir beim Selbstmord hilft. Nein, das ist nicht mein Weg. Der Mensch muss etwas haben, wofür er lebt.”

Yrvind glaubt, dass die meisten Menschen das Leben missverstehen. “Komfort macht einen nicht glücklich. Es macht einen faul, fett und gelangweilt.” Sein Körper sei dagegen fit. Der Schwede joggt 12,3 Kilometer an Sonntagen und 7 Kilometer jeweils Mittwoch. Dienstag und Freitag macht er Krafttraining.

Das einzige, worum sich Yrvind sorgt, ist die Überlegung, ob er nun zu früh von seinen Plänen gesprochen hat. Er sieht die Chancen, dass es klappt bei 50:50. “Wenn ich es nicht schaffe, werde ich Kreide fressen müssen. Aber ich habe einen starken Magen.”

Yrvinds Homepage

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Extremsegeln: Sven Yrvind will mit 4,80 “Yacht” nonstop um die Welt“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Na viel Spaß mit dem Verstauen des Proviants. 🙂 Gerade bei so kleinen Boten wirkt sich die Zuladung prozentual übermäßig aus. Da wird er auf der der ersten Hälfte wohl eher als U-Boot unterwegs sein.

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    • avatar Olli sagt:

      Das kann nur mit ausschließlichem Trockenfutter und handbetriebenem Entsalzer funktionieren. Vieleicht so knapp 200kg? Schon ne Menge für das Zwergenboot. Jedenfalls käme er noch leichter an Bord nach dem Schwimmen, solange der Dampfer noch voll bepackt ist.

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      • avatar Ketzer sagt:

        Un dwenn er sich nur von Trockenfutter ernährt, dann muss er auch nie auf’s Klo, insofern auch praktisch. 😀

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  2. avatar Klaus sagt:

    Leute, bitte einfach mal leise sein und anerkennen, dass hier einer was wagt, dass wir Comfortbedürftigen uns nicht vorstellen können.
    Und btw: zum Proviant hat er in seiner Stellungnahme auch was gesagt.
    Wir müssen nicht darüber spekulieren, sondern brauchen einfach nur zu lesen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 18 Daumen runter 6

    • avatar Ketzer sagt:

      Ich würd’ eher mal sagen, dass wir Normalsegler im Mittelfeld zwischen diesem Herren und den Megayachten liegen, also alles easy…

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    • avatar regattafan sagt:

      Richtig ist eher, dass hier jemand etwas wagt, was die Menschheit keinen Nutzen bringt, aber Gefahren für sich selbst und andere mit sich bringt.
      Ein typischer Spinner also.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 1 Daumen runter 12

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