Familiensegeln: Ein Paar lebt den Karibik-Traum auch mit drei kleinen Töchtern auf der Yacht

Babies an Bord

Familie, Segeln, Langfahrt, Karibik

Die Meyers – zu Fünft unterwegs © windtraveler

Immer schön entspannt bleiben: Das ist wahrscheinlich der wichtigste Tipp, den Brittany und Scott etwaigen Nachahmern geben können. Eindrücke einer nicht gerade gewöhnlichen Segler-Familie.

Reisen mit Kindern ist bekanntlich nicht jedermanns Sache. Die einen empfinden schon die Packerei mit Kind und Kegel als so lästig, dass sie lieber gleich zuhause bleiben und im heimischen Schwimmbad zweifelhaften Wassersportfreuden nachgehen. Andere steuern konsequent Ziele an, in denen die lieben Kleinen zum Mittelpunkt des Universums erklärt und von mehr oder weniger geschultem Personal tagein, tagaus unterhalten und gepampert werden.

Während Mama und Papa am Pool oder Strand die Drinks schaukeln und sich als Grillgut von den Strapazen des Alltags erholen. Dritte wiederum tun so, als gäbe es den Nachwuchs gar nicht und buchen mit Fünfjährigen Themen-Busreisen wie etwa „die zehn schönsten Klöster Niederbayerns“.

Über junge Familien, die mit junger bis jüngster Crew über die Weltmeere segeln und damit das andere Extrem zu den oben genannten Beispielen bilden, hat SR schon öfter berichtet. Wie über die „kleinen Fluchten“ der Drajas, die mit zwei kleinen Kindern bereits die Nord- und Ostsee, das Mittelmeer und die Karibik erkundeten. Oder über die fünfköpfige Nomadenfamilie auf der „Anasazi Girl“, denen schließlich irgendwo im Southern Ocean der Mast brach und die zwei Winter am südlichsten Zipfel Südamerikas an Land verbringen mussten.

Alles andere als ein Albtraum

Insofern sind die Amerikaner Brittany und Scott Meyers mit ihrer ältesten Tochter Isla (4) und den Zwillingen Haven und Mira (3) längst keine Exoten mehr. Zumindest nicht in der immer weiter anwachsenden Szene junger Menschen, die mit ihrem Nachwuchs auf einem Boot mehr oder weniger lang durch die Weltgeschichte gondeln.

Was sie jedoch interessant und im gewissen Sinne auch zu etwas Besonderem macht, ist ihr äußerst unkomplizierter Umgang mit den Kindern auf ihrer 44-Fuß-Yacht, mit der sie derzeit tagein, tagaus die Karibik „unsicher“ machen. „Wir sind frei!“ schreibt Brittany auf ihrem Blog „Windtravel“ „Wir sind völlig ungebunden und können fast alles tun und lassen, was wir wollen. Daraus entwickelt sich eine gewisse Entspannung im Umgang mit den Kindern. Was die wiederum spüren und auf ihre Art zu schätzen wissen.“ Eins sei jedenfalls sicher, ergänzt Papa Scott: „Segelreisen mit Kindern sind alles andere als ein Albtraum.“

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Die Pampers-Crew © windtraveler

Brittany und Scott begannen ihren großen Törn – zu Zweit! – bereits 2012. Die beiden Chicagoer segelten die Ostküste entlang nach New York, zu den Bahamas, nach Puerto Rico, den Virgin Islands und Grenada. Zurück auf dem amerikanischen Festland legten sie in Florida eine kleine Pause ein. Der Grund hierfür: Isla, ihre älteste Tochter wurde geboren. Schon wenige Wochen später setzten die Drei wieder Segel und schipperten zurück in die Karibik, weil sie die Lebens- und Abenteuerqualität für sich und ihre Tochter deutlich höher einschätzten, als in „God’s own Country“.

Doch überhaupt war das Leben entlang der Kleinen und Großen Antillen sowas von lebenswert, dass Brittany bald darauf wieder schwanger wurde, diesmal jedoch mit Zwillingen. Als die schließlich geboren wurden, kapitulierten die Meyers für zehn Monate und ließen es in ihrer Heimat Chicago, umgeben von Familie und engen Freunden, erstmal locker angehen.

„Diese ersten zehn Monate als fünfköpfige Familie waren hart, richtig hart. Ein ewiges organisieren, pampern, füttern, beschäftigen, erziehen und und und…“ erinnert sich Scott auf der Website. Doch die Zwillinge waren noch nicht einmal ein Jahr alt, als die ganze Familie wieder aufs Schiff zog. „Es gab diesen Moment, an dem wir uns nicht mehr beherrschen konnten,“ schreibt Brittany in ihrem Blog. „Es war wie ein Zwang: Wir mussten zurück aufs Boot – wer einmal diese Freiheit an Bord eines Schiffes erleben durfte, ist „versaut“ für den Rest seines Lebens!“

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Es gibt immer was zu tun – packen wir es an! © windtraveler

Alles ist machbar. Auch zu Fünft…

Und einmal zurück auf der „Asante“, eine Brewer 44 aus dem Jahre 1988, entpuppte sich das Familienleben auf engstem Raum wie von Zauberhand als durchaus machbar. „Wir hatten im Nu wieder einen Rhythmus gefunden, fanden täglich den manchmal gar nicht so selbstverständlichen Kompromiss zwischen dem Was gut für die Kids und dem was gut für uns ist,“ schreibt Brittany weiter.

Seitdem segelten die Meyers mehr als 10.000 Seemeilen und besuchten 13 Länder. Ihre Kinder hielten sich derweil einen Barrakuda als Haustier, spielten mit Baby-Haien, sahen Flamingos in den Sonnenuntergang fliegen und schliefen jeden Abend mit dem Gluckern und Plätschern des Atlantiks an der Bordwand ein.

Papa sorgt zwischendurch als Boat-Captain auf Ausflugsschiffen oder als Skipper auf Charteryachten für das notwendige Kleingeld.

Auf ihrem mittlerweile in der Langfahrt-Szene höchst beliebten Blog und auf ihrer Website geben die Meyers reichlich Tipps für den richtigen, vor allem aber entspannten Umgang mit Kindern an Bord. Einer der wichtigsten bezieht sich auf die Segeltechnik: „Alle Familien, die mit mehr als einem Kind auf Törn gehen wollen, sollten ihr Schiff konsequent für den Einhandbetrieb ausrüsten. Alle Schoten und Fallen ins Cockpit, möglichst einfach zu handhabende Besegelung und vor allem ein Autopilot.

Man kann es sich an Land nicht vorstellen – aber wenn man einmal mit den Kids auf See ist, muss man sich im Dauerzustand um sie kümmern. Und bei drei Kids braucht man dazu eben beide Eltern.“ Aber mal ehrlich: Ist das Spielen und Beschäftigen mit den Kleinen nicht viel schöner als schnödes Segeln entlang karibischer Paradiese?

Blog

website Windtraveler

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Deutlich besser als Coca Cola © windtraveler

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Michael Kunst

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