Flüchtlingshilfe: DGzRS rettet in Griechenland 57 Syrer, davon 20 Kinder, aus Seenot

Hilfe vor Lesbos

Der Seenotrettungskreuzer MINDEN der DGzRS ist am 7. März 2016 zum ersten Mal vor der griechischen Insel Lesbos im Einsatz gewesen. Dabei hat die Besatzung der MINDEN in der Ägäis 57 Menschen aus Seenot gerettet, 20 von ihnen sind Kinder. Im Rahmen eines zeitlich befristeten internationalen Einsatzes unterstützen die deutschen Seenotretter derzeit ihre griechischen Kollegen.

DGzRS, Lesbos

Ein Seenotretter bringt über einen speziellen Rettungssteg in der Heckklappe des Seenotrettungskreuzers einen kleinen Jungen an Bord der MINDEN. © DGzRS

Das Joint Rescue Coordination Centre (JRCC) Piräus, die griechische Seenotleitung, alarmierte die MINDEN gegen 6 Uhr am Montagmorgen. Bei den Geretteten handelt es sich überwiegend um syrische Flüchtlinge. Sie wurden auf Veranlassung der Seenotleitung im Hafen von Mytilini an die griechischen Behörden übergeben.

Vor der Südostküste der Insel barg die Besatzung der MINDEN die insgesamt 57 Menschen von zwei seeuntüchtigen Schlauchbooten ab. Trotz Windstärken um fünf Beaufort und gut einem Meter Seegang gelang es mit Hilfe eines speziellen Rettungsstegs in der Heckwanne des Seenotrettungskreuzers, alle Menschen innerhalb von 15 Minuten zu übernehmen.

DGzRS, Lesbos

Ein Kind wird zuerst an das Mutterschiff übergeben. © DGzRS

„Die meisten Geretteten sind Frauen, kleine Kinder und Säuglinge. Das jüngste Kind ist etwa zwei Monate alt, die älteste Frau über 70“, berichtet der Leiter des Rettungsdienstes und Geschäftsführer der DGzRS, Kapitän Udo Helge Fox. Er war selbst an der Rettung beteiligt. Zwei Gerettete benötigten medizinische Hilfe. Eine Frau erlitt einen Kreislaufkollaps, ein Mann mit Unterzuckerung musste ebenfalls behandelt werden.

Auf Veranlassung der griechischen Seenotleitung bringen die Seenotretter die Geretteten In Mytilini an Land. © DGzRS

Auf Veranlassung der griechischen Seenotleitung bringen die Seenotretter die Geretteten In Mytilini an Land. © DGzRS

Gestern, am Sonntag, 6. März, war der Seenotrettungskreuzer MINDEN bei einer feierlichen Zeremonie von einem griechischen Priester gesegnet worden. Daran nahmen unter anderem Vertreter der griechischen Küstenwache und der Freiwilligen-Organisation Hellenic Rescue Team sowie der Leiter des Rettungsdienstes und Geschäftsführer der DGzRS, Kapitän Udo Helge Fox, teil.

DGzRS, Lesbos

Der Seenotkreuzer Minden bei einer ersten Übung vor der Küste Mytilinis. © DGzRS

Am Samstag, 5. März, war die erste Einsatzcrew der MINDEN auf Lesbos eingetroffen. Gefahren wird der Seenotrettungskreuzer von Seenotrettern der DGzRS, die sich für diesen Einsatz freiwillig gemeldet haben. Vormann ist derzeit Ulrich Fader von der DGzRS-Station Bremerhaven.

Über den Einsatz

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) und weitere nordeuropäische Seenotrettungsgesellschaften beteiligen sich an einem zeitlich befristeten internationalen Einsatz in der Ägäis. Der Einsatz ist Teil der Initiative „Members assisting Members“ der International Maritime Rescue Federation (IMRF). In ihr sind 125 Organisationen aus 48 Ländern zusammengeschlossen.

DGzRS, Lesbos

Das Tochterboot MARGARETE bugsiert ein überfülltes und seeuntüchtiges Schlauchboot an die geöffnete Heckklappe des Seenotrettungskreuzers MINDEN heran. © DGzRS

Ziel des IMRF-Einsatzes ist Hilfe zur Selbsthilfe: Die IMRF-Mitglieder wollen Kapazitäten und Fähigkeiten ihrer griechischen Kollegen erweitern und das Hellenic Rescue Team (HRT) ausbilden. Diese Freiwilligenorganisation soll mittelfristig die griechische Küstenwache entlasten.

Die DGzRS setzt den Seenotrettungskreuzer MINDEN ein. Die DGzRS hatte die MINDEN 2014 nach 28 Einsatzjahren außer Dienst gestellt und verkauft. Der heutige Eigner stellt das Schiff nun für den Ägäis-Einsatz unentgeltlich der DGzRS zur Verfügung. Im Sommer wird die MINDEN von zwei 8,5 Meter langen Neubauten abgelöst. Diese Einheiten hat die DGzRS auf einer finnischen Werft bestellt, um den griechischen Seenotrettungsdienst langfristig zu stärken. Ihre Anschaffung kann dank des Engagements eines einzelnen Spenders erfolgen.

DGzRS, Lesbos

Der Seenotkreuzer Minden bei der Segnung durch den örtlichen Priester in Griechenland © DGzRS

Die Wahrnehmung der DGzRS-Aufgabe in Nord- und Ostsee bleibt vom Einsatz in der Ägäis unberührt. Die Einsatzfähigkeit der deutschen Seenotretter im eigenen Zuständigkeitsbereich ist ohne Einschränkung gesichert. Die DGzRS hat sich frühzeitig und erfolgreich um Projektspenden für den Einsatz in der Ägäis bemüht. Für weitere projektbezogene Zuwendungen gibt es ein gesondertes Spendenkonto bei der Commerzbank Bremen: IBAN DE30 2908 0010 0100 2338 01. Online-Spenden sind möglich unter www.seenotretter-imrf.de/spenden.

Spenden

18 Kommentare zu „Flüchtlingshilfe: DGzRS rettet in Griechenland 57 Syrer, davon 20 Kinder, aus Seenot“

  1. avatar Jonath sagt:

    Warum sagt denn keiner den Syrern, dass sie wieder zurück müssen, sobald der Krieg in Syrien vorbei ist? Bei uns in der EAE wissen die das alle nicht. So steht es aber im Gesetz, und dann hätten sie sich auch gar nicht erst auf die Überfahrt begeben. Ist ja schön das die DGzRS retten kann, aber bei Aufklärung der Menschen über die tatsächlichen Gegenheiten in Mitteleuropa würden diese ihrer eigenen Meinung nach das Wagnis gar nicht erst eingehen.

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    • avatar Fiete sagt:

      Die Schlepper erzählen halt was anderes.

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    • avatar Kugelfisch sagt:

      Guter Einwand!
      Wenn mir einer Bomben auf den Kopf wirft, dann bleibe ich doch lieber da als mein Heil in Flucht und Asyl zu suchen, weil irgendwelche Leute in Europa der Meinung sind, die Flucht wäre ja viel gefährlicher als der Krieg und ich müsste ja sowieso irgendwann wieder zurück…

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  2. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Ganz großen Respekt vor den Spendern und den Helfern.

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  3. avatar pjotr sagt:

    toll dass sich die dgzrs und ihre mitarbeiter engagieren! professionell und gut. endlich wird versucht dem ertrinken von menschen entgegen zu wirken. mehr davon! auch anderenorts. hier geht es nicht um “politik” sondern um menschlichkeit angesichts einer humanitären katastrophe die leider schon lange zum alltag geworden ist. jeder einzelne verdient gerettet zu werden. wegsehen ist da keine lösung.

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  4. avatar Altmeyr sagt:

    Hochdramatische Bilder echt. Sind das wirklich nur 5 Beauforts?

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  5. avatar Jakobi sagt:

    Bft schätz ich mal auf 2bft. Ob die vollverglasten Schutzhelme dann gegen die Spuckattacken sind? Rheinland-Pfalz hat ja heut auch seine neuen Schutzhauben bekommen …

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    • avatar Müller sagt:

      2 oder 5Bft? Spielt das bei diesem Einsatz irgendeine Rolle???

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      • avatar Markus Simm sagt:

        Das erste ist Schlepperei und das zweite ein Notfall?

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        • avatar Müller sagt:

          Ein überfülltes Schlauchboot auf dem offenen Meer ist auch bei 0 Bft. ein Notfall!
          Und all die Zyniker und geschichtsvergessenen Bessersegler, die hier so ein erschreckend düsteres Meinungsbild abgeben, sollten mal darüber nachdenken:

          Einen Menschen vor Unglück bewahren kann und muss jeder, überall.

          Beurteilen, ob jemand berechtigt ist, Asyl zu fordern, kann weder ein zufälliger Retter, noch die DGzRS, geschweige denn die waffenstarrende Natoabordnung (pikanter Weise unter deutschem Kommando) oder irgendwelche überforderte Grenzbeamte. Dürfen sie daher auch nicht!
          Und einfach zurück schicken darf man grundsätzlich nicht, ganz einfach: weil niemand weiß, wer schutzbedürftig ist und wer nicht. So simpel ist das, mit gutem Grund!

          Hier zum nachlesen, leicht verständlich zusammengefasst, gilt übrigens auch für jeden Bessersegler:
          http://www.proasyl.de/fileadmin/proasyl/fm_redakteure/Broschueren_pdf/Fluechtlinge_in_Seenot_-_Handeln_und_Helfen_11-06-03.pdf

          Ach ja, Kollegen von Euch Zynikern emfehlen in diversen Foren, beim Segeln in problematischen Bereichen (z.B. vor Bodrum) einfach den Funk abzustellen….

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          • avatar andreas borrink sagt:

            Danke, Müller, für den Link zu dieser Broschüre, die es sachlich und unaufgeregt deutlich macht: Jeder Mensch in akuter Gefahr muss zunächst mal gerettet werden, das ist nicht zuletzt auch ein Gebot der Nächstenliebe und sollte unter zivilisierten Menschen (Seglern?) selbstverständlich sein.

            Dieser Grundsatz steht im Ablauf weit vor der Frage, wer nun ein Flüchtling ist und wer möglicherweise nur versucht, sich illegal Zugang zu einem anderen Land zu verschaffen. Das ist eine andere Baustelle, über die man dann ganz unterschiedlicher Ansicht sein kann, wie wir ja gerade erleben.

            Die Lösung des ersten Problems heisst: Rettung, unter allen Umständen. Die Lösung des zweiten Problems kenne ich leider auch nicht.

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          • avatar Altmeyr sagt:

            Endlich ein objektiver Link. Vielen lieben Dank. Aber um das zu unterstreichen sollte man noch eine zweite Meinung haben die auch über jeden Zweifel erhaben ist parteiisch zu sein. Hast Du noch was von Claudia Roth oder eine andere integre Quelle?

            In der Zwischenzeit kann ja einer noch erklären ob wegen den Fassbombenabwürfen in der Türkei mein Urlaub da doch zu riskant ist?

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          • avatar pjotr sagt:

            lieber ALTMEYR: reisen bildet und selber denken macht schlau. mein vorschlag: nicht türkei! mach doch mal urlaub in tunesien (billig, billig und schön warm) und verbinde das mit einem abstecher nach lybien. deinen erfahrungsbericht würde ich sehr gerne lesen.

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          • avatar andreas borrink sagt:

            Was und wo ist denn Lybien?

            https://de.wikipedia.org/wiki/Libyen

            Nicht nur Reisen bildet. Lesen auch.

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  6. avatar Müller sagt:

    Sagt mal Leute, versteh ich die Ironie nicht oder ist hier wirklich der größere Teil der Leser der Ansicht, dass der gemeine Syrer sich gefälligst zuhause in unproblematische Stückchen bomben lassen soll, anstatt uns hier unsere wohlig warme Distanz zu versauen?

    Danke DGzRS, dass Ihr auch dort helft, wo es dringend nötig ist!

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    • avatar Jamaika4ever sagt:

      Wir sollen doch froh sein, wenn die gemeinen Syrer in einem – problematisch sollten wir nie sagen – Stück hier ankommen und die Fassbomben die Leute bis auf den Reisepass komplett unversehrt gelassen haben. Wir wissen ja selbst wie das ist, als wir 45 und 89 in ein anderes Land flüchten mußten. Einmal waren da die Kommunisten, beim anderen Mal war kein Wiederaufbau mehr möglich. Heute erkennen die Geflüchtigen das dank der mitgebrachten Kommunikationstechnik auch viel schneller.

      Danke DGzRS, dass Ihr die Syrer immer auf die richtige Seite des Meeres zieht.

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  7. avatar andreas borrink sagt:

    Unglaublich. Wie kann ein Kommentar zu diesem Thema, der die DGzRS für ihren Einsatz lobt, hier 17 dislikes bekommen? Was soll dieser ganze, völlig depaltzierte Zynismus? Offenbar ist die hier postende Klientel prozentual sogar noch weit heftiger aufgestellt als die derzeitigen, bundesweisten Meinungsbilder ergeben. Und ich dachte immer, Segler seien überwiegend liberale Menschen; so kann man sich täuschen. Schön auch wieder die vielen, bunten Synonyme.

    Ich mag gar nicht darüber nachdenken, wo dieser Törn hinführt…….

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  8. avatar hotte sagt:

    Wenn die DGRS den Schleppern regelmäßig die Passagiere abnimmt, und diese zum Ziel der Schlepper auch noch weiterbefördert, dann bringt das natürlich den Schleppern den gewünschten professionellen Anschein und womöglich eine steigende Zahl an Passagieren. Und die Passagiere haben bei all der Organisation womöglich den Eindruck, dass sie erwartet werden. Man muss auch klar sagen, daß es hier um unsere Schengenaußengrenze geht, die da überquert wird.

    Aloha
    Hotte

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