Frachtsegeln: Nach Pleite rechtfertigt sich Kapitän Hass – Verkettung mehrerer Gründe

Nicht untergetaucht

Frachtsegeln, Linienverkehr, Segelreederei Hass, Pleite

Der Gaffelschoner “Undine” unter Starkwindbeseglung © segelreederei hass

Bereits mehrere Kaufinteressenten für Frachtsegler „Undine“ und Motor-Fracht-Ewer „Annemarie“. Kapitän Torben Hass steht zu seiner Verantwortung.

Torben Hass lebte mehr als drei Jahre seinen Traum. Mit Deutschlands einziger Segelreederei wollte er das traditionelle Fracht- und Personensegeln wieder aufleben lassen: Gaffelschoner „Undine“ brachte regelmäßig Touristen (für 140 Euro) sowie Frachtgut von Hamburg nach Sylt und zurück. Und mit dem historischen Motorfrachtewer „Annemarie“ bot Hass einen Frachtdienst an, der u.a. Klärschlamm von den Nordsee-Halligen abtransportierte.

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Torben Hass beim Löschen der Undine-Ladung © segelreederei hass

Nach mehreren Havarien und entsprechend teuren Reparaturen auf der 85 Jahre alten „Undine“, nach einem Streit mit den Vorbesitzern und kostenintensiven Auflagen, geriet der ehemalige Gorch Fock-Offizier mit seiner Segelreederei bereits im vergangenen Jahr in unruhige Fahrwasser. Im Februar 2016 eröffnete nun das Amtsgericht Flensburg das Insolvenzverfahren über das Vermögen von Torben Hass.

200.000 Euro Schaden

Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt schätzt den Schaden für die Gläubiger (Kreditgeber, Finanzamt und Knappschaft Bahn-See) auf ca. 200.000 Euro. Entsprechend sollen die Vermögenswerte der Segelreederei – hauptsächlich die beiden Schiffe „Undine“ und „Annemarie“ – derzeit über einen Makler verkauft werden. An dem Gaffelschoner und dem Ewer haben Liebhaber von Traditionsschiffen offenbar bereits reges Interesse gezeigt.

Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens wurde dem Segelreeder Hass mehrfach vorgeworfen, er sei untergetaucht, da er auf Gläubiger-Forderungen bzw. -Anrufe nicht reagiere. Hierzu äußerte sich Hass jetzt auf seiner Facebook-Seite:

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Rumfässer wurden monatelang zur “Reife auf See” transportiert © segelreederei hass

“Schwerwiegende persönliche Folgen”

„In einem laufenden Insolvenzverfahren kann der Schuldner seine Gläubiger nicht ohne Zustimmung seines Verwalters kontaktieren und schon gar keine Aussagen oder Zusicherungen bei diesen treffen. Wenn er das trotzdem macht, verletzt er seine Pflichten als Schuldner – mit äußerst schwerwiegenden persönlichen Folgen.“

Zu seiner ebenfalls aufgeführten Verantwortungslosigkeit im Zusammenhang mit der Reederei-Pleite schreibt Torben Hass weiter:

„Ich möchte an dieser Stelle in aller Klarheit wiederholen, dass ich persönlich und allein die volle Verantwortung für die Insolvenz trage. Diese Insolvenz umfasst auch mein gesamtes Privatvermögen und betrifft so auch meine Familie, meine Kinder. Diese Verantwortung läßt sich nicht wegschieben. Ich stehe zu dieser Verantwortung und trage diese umfassend. Punkt.“

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Bei Autos als Frachtgut war die Fahrzeuggröße allerdings limitiert © segelreederei hass

Die “Schuldfrage” sei eine juristische und werde zu gegebener Zeit vor Gericht geklärt. Ob, gegen wen und in welcher Höhe am Ende Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden können, werde sich im Laufe des Gerichtsverfahrens zeigen.

Gute Chancen

Ganz egal wie das Insolvenz- und spätere Gerichtsverfahren ausgehen wird – Deutschland hat seine derzeit einzige Segelreederei verloren! Dabei werden dem Fracht- und Linienverkehr-Passagier-Segeln europaweit wieder vermehrte Chancen eingeräumt . Und sogar der gebeutelte Torben Hass sieht speziell für den Linienverkehr weiterhin eine Zukunft. Dem NDR sagte er, es sei zwar offen, ob und von wem der Liniendienst nach Sylt wieder aufgenommen werde. Kaufmännisch würde es jedenfalls aus seiner Sicht sinnvoll sein, die Frachtraten seien absolut konkurrenzfähig.

Facebook Segelreederei Kapitän Hass

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Unterwegs nach Sylt mussten die Passagiere durchaus auch mal mit anpacken © segelreederei hass

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Frachtsegeln: Nach Pleite rechtfertigt sich Kapitän Hass – Verkettung mehrerer Gründe“

  1. avatar Klabautermann sagt:

    Es gibt nicht einen Flensburger ohne Dreck am Stecken – ob Hahn oder Haß – Piraten sind sie alle … Haß hat die Tickets verkauft ohne auch nur einen buchbaren Termin zu offerieren .. Das heißt normalerweise Betrug ! Vorspiegelung falscher Tatsachen und da wird Ihm die Insolvenz nichts helfen – das ist dann strafrechtlich relevant !

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  2. avatar Klaus Ritter sagt:

    wer Klabautermann heisst, sollte sich mit dummen Sprüchen zurückhalten:
    Die Flensburger sind tolle Leute, die es geschafft haben, einen historischen
    Hafen aufzubauen – und das ganz ohne Lumperei!

    …. und wenn Du keine Ahnung hast – einfach mal Fresse halten!

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  3. avatar Reinhard Menz sagt:

    schade torben hass,auch für deine familie das alles so geendet ist mit dem frachtsegeln von hamburg-sylt und zurück,nach gutem start mit der undine.habe mir das längere video angeschaut hier im net.war begeistert.wäre gerne einmal mitgefahren mit dir und der undine.alles gute aus neuss, vom ex marine soldat 1976 Zerstörer Mölders D186,und kopf hoch!!!

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