Fundstück: Russische Chartercrew findet schwimmende Frau auf See – mehr als 2 sm vom Ufer entfernt

„Hilfe? Nö, lieber nicht!“

Schwimmerin, Rettung, Cote d'Azur, Nizza

Die russischen Segler, kurz nachdem sie die Schwimmerin der französischen Küstenwache übergeben haben. © ottonello

Die 54-Jährige war gegen ein Uhr vor dem „Negresco“ in Nizza losgeschwommen und wurde mit Wind und Strömung ins offene Meer getragen. Doch Hilfe lehnte sie zunächst ab…

Es ist ja schon erstaunlich, was oder wem man auf See so alles begegnet. Da wären zum einen die derzeit inflationär auftauchenden Unidentified Floating Objects, kurz: UFO genannt, mit denen Hochseesegler immer häufiger kollidieren. Obwohl angeblich die rechnerische Chance, auf so einen halb versunkenen Container oder Baumstamm zu treffen, ungefähr bei der eines Lotto-Hauptgewinns liegt, also 1 zu 140 Millionen.

Dann gibt es diese Murphy’s-Law–Zufälle: tagelang kein Schiff weit und breit auf hoher See gesehen, also geht der Einhandskipper beruhigt für ein Stündchen unter Deck und wird kurz darauf vom einzigen Tanker weit und breit überfahren.

Doch was einer russischen Charter-Crew Mittwoch morgens vor der Cote d’Azur auf Höhe Nizza passierte, erscheint nun wirklich unglaublich.

Was schwimmt denn da vorne?

Die Crew rund um Skipper Georgy war auf dem Weg nach Spanien. Sie segelten relativ dicht unter Land, mehrere Seemeilen vom Ufer entfernt, weil weiter draußen der Mistral ziemlich tobte.

„Wir waren im Urlaubsmodus, hörten in voller Lautstärke Depeche Mode und hatten sogar noch den Motor an, weil wir die Batterien aufladen wollten,“ berichtete Georgy der Lokalzeitung Var Matin. „Plötzlich sieht einer von uns zwischen den Wellenkämmen… eine Frau schwimmen!“

Die Russen trauten ihren Augen kaum. Da schwamm tatsächlich eine über 50-Jährige mit ruhigen Zügen im Bruststil auf dem offenen Meer. „Wir waren gute zwei Seemeilen vom Ufer weg – eine Entfernung, in der man nun wirklich nicht mehr mit Schwimmern rechnet.“

Als die Segler ihr Schiff in Richtung Schwimmerin lenkten und ihr zuriefen, winkte die Dame im Wasser keineswegs zurück oder schrie um Hilfe. „Wir gingen langsseits, redeten die Frau an, doch die schwamm stur weiter!“ erzählt Georgy. Erst auf mehrfachen Zuruf reagierte die Frau und… lehnte die Hilfe der Russen ab!

Das hatte seinen guten Grund, wie sich bald herausstellen sollte: Die Frau war splitternackt und wohl noch nicht so erschöpft, dass sie ihr Schamgefühl ganz überwunden hatte.

„Erst als wir ihr ein großes Handtuch zeigten, in das sie sich einhüllen konnte, war die Schwimmerin nach weiterem Zögern schließlich bereit, an Bord zu kommen.“

Mehr als acht Stunden im Meer ohne Unterkühlung?

Dort machte sie keineswegs einen dehydrierten oder unterkühlten Eindruck, bat jedoch um Essen. „Die Frau war völlig ausgehungert. Wir gaben ihr Joghurt, damit ihr Magen nicht allzu sehr belastet würde. Den schlang sie herunter und fragte sofort nach mehr!“

 

Die Geschichte, die von der 54-Jährigen schließlich (auch gegenüber den später eingeschalteten Behörden) erzählt wurde, klingt verrückt und ein wenig unglaubwürdig. Also genau so, wie sie das Leben immer wieder schreibt.

Demnach ist die seit ihrer Kindheit begeisterte Schwimmerin nachts um ein Uhr vor dem Negresco für ein kleines mitternächtliches Erfrischungsbad ins Meer gesprungen.

Doch Strömungen und ablandiger Wind machten ihr bald so sehr zu schaffen, dass sie keine Chance mehr sah, gegen die Naturkräfte anzuschwimmen.

Mehr als acht Stunden trieb sie nackt im Mittelmeer und hielt ihren Körper warm mit stetigen Schwimmzügen, bis sie von den russischen Seglern gefunden und gerettet wurde.

Psychiatrische Notfallambulanz

Ärzte in Nizza wundern sich derweil, wie die Frau ohne jegliche Unterkühlungserscheinungen so lange im Wasser durchhalten konnte. Normalerweise treten erste Symptome, die auf eine sinkende Körpertemperatur hinweisen, nach drei bis vier Stunden, auch im 25 Grad C. warmen Meerwasser auf.

Einmal an Bord der Segelyacht, begann sich die Frau, die sich zunächst so schüchtern vor der Rettung zierte, immer wohler zu fühlen. Sie sprach davon, dass sie eigentlich nicht mehr nach Nizza zurück wolle und ob man sie nicht bis Spanien mitnehmen könne.

Georgy und seine Mitsegler informierten jedoch die örtliche Küstenwache und übergaben die gerettete Schwimmerin im nächsten Hafen den Behörden. Die wiederum brachten die Langstreckenschwimmerin zunächst einmal in eine psychiatrische Notfallambulanz. Nur um zu vermeiden, dass sie nächste Nacht gleich wieder baden geht.

Tipp: André Mayer

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Fundstück: Russische Chartercrew findet schwimmende Frau auf See – mehr als 2 sm vom Ufer entfernt“

  1. avatar meerkater sagt:

    Sowas gibts, ich hab letztes Jahr zwischen Istrien und den Brunjie Inseln (Naturschutzgebiet) zwei österreichische Padler in einem halb aufgeblasenen Gummikajak zum umkehren überredet und sind noch so lange in der Nähe geblieben bis wir uns sicher waren das sie es bei stark ablandigem Wind zurück zum Ufer schaffen.
    Hätten sie die Inseln getroffen, wären sie im Sperrgebiet gelandet, hätten sie die Inseln verfehlt, wären es noch ca. 80sm nach Venedig gewesen….

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