Video Fundstück: Mit dem Segel-Wagen Astrakan auf den Spuren der Siedler

Segler im Wilden Westen

Irgendwann Mitte des 19. Jahrhunderts stand ein gewisser Thomas vor den endlosen Prärien und riesigen Wüsten des mittleren und äußersten Westens Nordamerikas und versuchte auf seine Art ein Problem zu lösen, das schon Tausenden vor ihm Kopfzerbrechen bereitet hatte.

Damals erreichte die Flut der Emigranten auf dem berühmt-berüchtigten Siedlertreck von Ost nach West ihren Höhepunkt: Hunderttausende zogen jährlich mit Kind und Kegel, Hab und Gut auf Karren ins vermeintlich gelobte Land, vulgo: Kalifornien.

Viele zu viele Menschen starben auf ihrer mehr als 6 Monate dauernden Reise an Erschöpfung – vor allem die Wüsten und Salzseen gegen Ende der Reise bildeten eine oftmals kaum überwindbare Barriere für Mensch und Zugtier.

Thomas reduzierte schließlich die Problematik auf das Transportmittel als solches: Von Ochsen gezogene Karren waren eben zu langsam in der Hitze, Pferde-Gespanne nicht ausreichend belastbar. Also musste ein anderer Antrieb her…

Segel statt Ochsen und Pferde

Eisenbahnen waren zwar schon bekannt, aber im Wilden Westen noch Zukunftsmusik. Also griff Thomas auf den wohl wichtigsten Vortrieb der damaligen Zeit zurück, der freilich auf einem anderen Element Furore machten: Die Kombination aus Wind und Segeln.

"Cropped-Oldwestwindwagon" – so oder ähnlich sah Thomas' Prototyp aus@History USA

“Cropped-Oldwestwindwagon” – so oder ähnlich sah Thomas’ Prototyp aus@History USA

Die Konstruktion eines kleinen Prototypen dauerte angeblich nur eine Woche, und tatsächlich: Mit seinem „Segelkarren“ schaffte es Wind Wagon Thomas, wie er fortan genannt wurde, in Rekordzeit bei einem 300 Meilen entfernten Ort anzulanden. Die Legende berichtet von einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 m/ph.

Thomas fand schnell lokale Investoren für sein Projekt und gründete die „Prärie-Clipper-Company“: Mit großen Segel-Wagen, Takelung ähnlich der Clipper auf dem Atlantik, sollten die Siedler mitsamt ihres Hab und Guts durch die Graslandschaften und Wüsten „geschifft“ werden. Gegen entsprechende Gebühren, versteht sich.

Der Käpt’n springt als Letzter von Bord…

Schon zwei Monate später stand die nächste Jungfernfahrt für Thomas an – diesmal auf einem großen Wind-Wagon mit einer Takelung und Besegelung, die an ein (verkleinertes) Vollschiff erinnerte. Euphorisch lud der „Reeder“ seine Investoren zur Jungfernfahrt ein und … scheiterte nach Strich und Faden.

Es wehte zu stark an diesem Tag, das segelnde Gefährt kam rasch auf hohe Geschwindigkeiten, den Passagieren wurde es bald zu mulmig. Kugellager oder Stoßdämpfer waren damals noch nicht verfügbar, also liefen die Achsen heiß, das Gefährt begann buchstäblich auseinander zu brechen.

Es kam wie es kommen musste: Die ersten Passagiere sprangen bei 25 m/ph ab, brachen sich die Gräten, und Thomas überschlug sich – ganz Kapitän – als Letzter an Bord seines Segelwagens. Danach hörte man nicht mehr viel von Wind Wagon Thomas.

Doch die Idee wollte nicht so richtig aussterben. Ein paar Jahre später nahm sich ein gewisser Pepprad mehr Zeit für den Bau seines Wind Wagons, den er immerhin vom Osten bis nach Colorado steuerte. Wo er dann aber kurz vor dem Ziel von einer Windhose empor gehoben und aus 4 m Höhe ziemlich unsanft wieder auf dem Boden der Tatsachen krachend abgesetzt wurde. Noch ein gescheitertes Landsegel-Projekt.

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Michael Kunst

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5 Kommentare zu „Video Fundstück: Mit dem Segel-Wagen Astrakan auf den Spuren der Siedler“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Sehr geil, vor allem auch die Pinnensteuerung! Immer wieder erstaunlich, wie Elemente aus den Vorgängermodellen übernommen werden, obwohl sie in der Form gar nicht grbraucht werden.

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  2. avatar Thomas sagt:

    Die Gastlandflagge hätten die Schweden aber setzen können 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  3. avatar wm sagt:

    fastest boats best sailors!

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  4. avatar Uwe sagt:

    20 m/ph. Tautologie ! 20 mph (miles per hour) wäre wohl korrekt !

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  5. avatar Friedrich sagt:

    Das Thema ist auch heute noch spannend, zumal wenn uns der Klimawandel mehr Wind spendiert… Guckt mal hier: http://www.sailinganarchy.de/board/viewtopic.php?f=2&t=852

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