Gerichtsverfahren: Schiffsbauingenieure klagen Mike Horn an

Expeditionsschiff „Pangaea“ an der Kette

Pangaea, Gerichtsbeschluss,

Das Packeis-Expeditionsschiff “Pangaea” wurde vom Gerichtsvollzieher “an die Kette gelegt” © Olivier Petit

Dem Schweizer Abenteurer wird vorgeworfen, bei der Konstruktion der „Pangaea“ unerlaubt die Pläne eines baugleichen Schiffes genutzt zu haben.

Das 32 m lange Aluminium-Expeditionsschiff „Pangaea“ sollte eigentlich nur den üblichen „Refit“ vor einem in Kürze anstehenden Grönland-Törn erhalten. Dafür legte der Schweizer Abenteuersegler Mike Horn sein Schiff auf ein Werftgelände in der südfranzösischen Stadt La Ciotat, 30 km östlich von Marseille. Ausgerechnet.

Mitten in den Arbeiten am Unterwasserschiff machte die französische Exekutive ihre Aufwartung und präsentierte Horn einen Gerichtsbeschluss: Die „Pangaea“ dürfe bis auf weiteres das Gelände bzw. den Hafen von La Ciotat nicht verlassen. Der in La Ciotat gebürtige Schiffsbauingenieur Olivier Petit und ein Kollege Luc Bovet hatten vor einem Marseiller Richter bewirkt, dass die „Pangaea“ so lange still gelegt bleiben soll, bis ein Gerichtsverfahren die Streitsache um mutmaßlich unerlaubt verwendete Konstruktionspläne beigelegt bzw. geklärt haben wird.

Mike Horn, Pangaea, Gerichtsbeschluss

Mike Horn in typischer Expeditions-Pose © Horn

Wer rechnet schon damit?

Der Vorwurf gegen Mike Horn besteht schon seit einigen Jahren und wurde in der französischen Presse bereits mehrfach beschrieben. Doch wohl kaum jemand hatte damit gerechnet, dass sich Horn mit der „Pangaea“ ausgerechnet in die Heimatstadt seines Kontrahenten begibt. Man vertraute wohl darauf, dass die Mühlen der zuständigen Marseiller Justiz gewohnt langsam mahlen. So zeigte sich denn auch der Anwalt von Petit, André Gildas erstaunt, dass der Gerichtsbeschluss „trotz gewichtiger „Pangaea“-Sponsoren wie Mercedes Benz und Nespresso etc.“ so zügig erfolgte.“

Gegenüber der Lokalzeitung „La Provence“ berichtete Olivier Petit: „2007 kam Mike Horn zu mir und bat mich, ihm ein Schiff im Stil der von mir konstruierten „Antarctica“ (heute „Tara“) zu entwerfen.“ Diese Schiffe zeichnen sich vor allem durch ihre besondere Rumpfform auf, die es möglich macht, dass das Schiff, falls es vom Packeis eingeschlossen wird, auf die Eisfläche gehoben wird.

Petit weiter:“ „Wie sich bald heraus stellte, hatte Horn aber nicht die finanziellen Mittel, um das Projekt in Europa zu realisieren. Ich gab ihm damals den Rat, es auf einer brasilianischen Werft zu versuchen, wo kürzlich ein weiteres, von mir gezeichnetes Aluminium-Expeditionsschiff, die Paratii II, gebaut wurde. Ein Jahr später entdecke ich dann dort die „Pangaea“!“ Die war nun rein zufällig das exakte Ebenbild der zuvor gebauten Paratii II.

Mike Horn, Pangaea, Gerichtsbeschluss

Bald wieder unterwegs? © Horn

Alte Rechnungen “offen”

Offenbar war Mike Horn zu Beginn der folgenden Auseinandersetzungen noch damit einverstanden, eine einvernehmliche Lösung zu finden und Olivier Petit finanziell zu entschädigen, doch 2008 brach er sämtliche Kommunikation mit dem Schiffsbauingenieur ab. Der wiederum will nun bewirken, dass er als Konstrukteur des Schiffes genannt wird und ein entsprechendes Honorar erhält – Petit und sein Kollege Bouvet erheben jeweils Anspruch auf 300.000 Euro!

Das Gericht hat nun die Kaution für die „Freilassung“ der „Pangaea“ (Schätzwert 12 Millionen Euro) auf 100.000 Euro festgelegt. Bleibt abzuwarten, ob eine termingerechte Realisierung der anstehenden Grönland-Expedition die Summe wert ist.

Mike Horn, Pangaea, Gerichtsbeschluss

Der Rumpf wurde so konzipiert, dass die Pangaea vom Packeis angehoben wird © Horn

Vor allem das „Young Explorer Programm“, mit dem Mike Horn jungen Menschen auf der „Pangaea“ weltweit die Möglichkeit gibt, an umweltspezifischen Abenteuer-Projekten teilzunehmen, gilt als eines der ambitioniertesten Projekte unter Segeln. Horns Expeditionen in die Arktis und Antarktis sind legendär.

Eventseite Mike Horn

Tipp von SR-Leser André Mayer

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Michael Kunst

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8 Kommentare zu „Gerichtsverfahren: Schiffsbauingenieure klagen Mike Horn an“

  1. avatar Chriggel sagt:

    Warum schreibt Ihr immer “in 2007”? Das ist englisch, bei uns heisst es einfach “2007 kam Mike Horn zu mir…”

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 5

  2. avatar judge dredd sagt:

    Sehr geiles Schiff.

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    • avatar kritiker sagt:

      hässlig trifft besser zu.
      Und dazu wahrscheinlich auch noch verdammt schwer.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 12

  3. avatar Stefan sagt:

    ….die beiden gleichen sich wirklich bis in die Details. Das ist schon frech von Horns dann auf seiner website auch noch zu behaupten, dass 22.000 eigene Arbeitsstunden in das Design geflossen sind.

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  4. avatar Jan Schlesiger sagt:

    Sorry, aber in der Schiffahrt heißt es ” in die Kette legen ”

    an der Kette liegt der Hofhund..

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 12

  5. avatar Ketzer sagt:

    Ist doch eigentlich bekannt, dass die französische Justiz bei Streitigkeiten mit französischen Firmen plötzlich ganz flott durchgreift? Kenne das von illegalen MaxSea-Versionen, wo der französische Zoll (!) dann recht schnell eine Originalrechnung zu sehen will.

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  6. avatar christian sagt:

    Lieber Jan, wenn schon Klugscheißen, dann richtig: Schifffahrt schreibt man mit drei “f”s 🙂

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Naja – nur wenn man die höchst fragwürdige Rechtschreibreform ernst nimmt. Das ist allerdings ne Frage der Generation 😉

      VG

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