Historie: US-Präsident Roosevelt und seine Segelyachten – wichtiges PR-Instrument

Botschaft vom Boot

Wenn der Präsident segelte, war er gleichzeitig “im Dienst”: Franklin D. Roosevelt zog häufig Vergleiche zwischen Segelsport und Präsidentenamt. Und suggerierte von Bord, wie fit er doch war.

Wenn heute Staatsoberhäupter auf Yachten segeln, umweht sie schnell ein Hauch von Dekadenz und anrüchigem Luxus. Doch vor nicht allzu langer Zeit war Segeln noch so etwas wie ein politisches Stilmittel, wenn nicht sogar Statement.

Hatte der Deutsche Kaiser Wilhelm II Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit seinen diversen Meteor-Yachten noch vor allem im Sinn, den deutschen Vormachtanspruch auf See durch regattasportliche Leistungen zu untermauern, so gelang es einem amerikanischen Präsidenten Jahrzehnte später erstmals, seine seglerischen Ambitionen weniger martialisch einzusetzen.

Franklin D. Roosevelt sollte als erster US-Präsident in die Geschichte eingehen, der sich mit Fug und Recht als Segler bezeichnen durfte. Zwar hatte sein Namensvetter und Vorgänger Theodore Roosevelt als Förderer schon zu Zeiten des Deutschen Kaisers ein gewisses Faible für den Segel- und vor allem Regattasport entwickelt, so war es dennoch Franklin, der erstmals in den USA Segeln auch als PR-Instrument betrachtete.

Präsident, Roosevelt, Segeln

Aufrecht sitzend, das Ruder fest in der Hand… © fdr-library

Dauernd auf Törn

Schon als Neunjähriger machte er lange Törns mit seinem Vater auf der 51-Fuß-Familienyacht „Half Moon“. Sie segelten den Hudson hinunter und die Ostküste bis nach Kanada hinauf. Sieben Jahre später stand Franklin bereits vor den Küstenabschnitten Neuenglands als verantwortlicher Skipper der eigenen Slup „New Moon“seinen Mann.

Und als er sich 1932 als Präsidentschaftskandidat einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen wollte, machte er dies auf seiner 37-Fuß-Yacht „Myth II“, indem er mit seinen beiden Söhnen segeln ging.

Bei solchen Ausfahrten waren immer reichlich Fotografen in der Nähe, die mit ihren Bildern die Legende vom „Mann, der allen Stürmen trotzt“ bilden sollten. Wenn Franklin D. Roosevelt damals zu seinen politischen Vorhaben befragt wurde, gab er gerne Segel-Metaphern von sich.  „Politik ist wie Segeln. Wenn Du einen Kurs steuerst und der Wind dreht, solltest du einfach deine Meinung ändern und woanders hinsegeln!“ sagte er einmal frech vor dem US-Kongress. Berühmt wurde sein Satz: “Wenn wir einen Hafen erreichen wollen, müssen wir segeln. Segeln! Und nicht vor Anker liegen. Segeln, und nicht treiben!”

Präsident, Roosevelt, Segeln

Lieblingsbeschäftigung des Präsidenten: irgendwas mit Segeln – am liebsten in Begleitung seiner Söhne © fdr-library

Roosevelt, der als einziger Präsident in der Geschichte der USA länger als zwei Wahlperioden regierte, zog es immer wieder aufs Wasser. „Weil ich von Bord meiner Boote mehr zu sagen habe,“ gestand er einmal Reportern. Und weil er sich dort hervorragend verstecken konnte.

So ließ sich der Demokrat, der bereits seit Jahrzehnten an Polio erkrankt war, vor wichtigen Anlässen grundsätzlich auf seiner oder anderen Yachten fotografieren. Aufrecht sitzend am Ruder, war der Polio-typische Muskelschwund in den Beinen kaum noch erkennbar.

Präsident, Roosevelt, Segeln

Die Präsidenten-Uhr © fdr-library

Auf diese Weise wollte der 32. Präsident der USA seinem Volk körperliche Fitness suggerieren und sich als „Kapitän der Nation“ darstellen. Ein Bild, das die Medien der damaligen Zeit begeistert aufnahmen.

Segeln, immer nur segeln

Roosevelt umgab sich während seiner gesamten Amtsperiode als Demokratischer Präsident der USA mit Schiffsmodellen, maritimen Bildmotiven, Flaggen und ließ sogar spezielle Uhren produzieren, die ihn als Kapitän am Ruder und “Mann der Stunde” darstellten.

Franklin D. Roosevelt segelte sein Leben lang in „jeder freien Minute“, wie er behauptete. Er ging als erster Präsident der USA in die Geschichte ein, der Segeln fest in sein politisches PR-Programm einbezog.

Präsident, Roosevelt, Segeln

© fdr-libray

Als er 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs an einer Hirnblutung starb, wurde ein gewisser John F. Kennedy bereits als Kriegsheld der Marine gefeiert. Er sollte als 35. Präsident der Vereinigten Staaten die seglerische Tradition seines demokratischen Amtsvorgängers Roosevelt in vielen Punkten übernehmen: Aus allen Blickwinkeln fotografierte, inszenierte er Familienausflüge auf den familieneigenen Yachten (seine Frau Jacky: „Wenn ich nur das Boot schon sehe, werde ich seekrank!“), aber auch die Vortäuschung einer gewissen körperlichen Fitness standen auf dem Programm. Immer wenn das Rückenleiden von John F. Kennedy allzu sichtbar wurde, verzog er sich auf seine Yacht. Und wurde rein zufällig beim sportlichen Segeln fotografiert…

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