Gestorben: “Eine der Segelgrößen” – DDR-470er-Weltmeister Falko Bier

"Tanz auf den Wellen"

Es gibt nicht viele deutsche Segel-Weltmeister in olympischen Klassen. Einer von ihnen war Falko Bier. Er ist nun im Alter von 54 Jahren gestorben.

Falko Bier

Falko Bier grüßt aus dem 470er-Trapez

“Er war einer der tollen Weltmeister hier in Rostock”, sagt Martin Kringel. “Man hat damals hochgesehen zu ihm.” Der Mitinhaber der Firma Speedsailing, die im Rostocker Hafen die Volvo 60 Racer betreibt, ist wie seine Kollegen geschockt über den Tod von Falko Bier. Der 470er-Weltmeister von 1987 war in der Szene eine beachtete Segel-Größe.

“Nach einer langen Zeit, die für dich und uns nicht einfach war, hast du beschlossen, diese Welt zu verlassen”, heißt es in der Traueranzeige. “Wir sind unendlich traurig aber dankbar für die Zeit, die wir mit Dir haben durften.”

Bier wurde im Nationalpark auf Rügen nahe Dranske gefunden, wo er aufgewachsen ist. Die Polizei hatte ihn gesucht, nachdem eine Vermisstenanzeige eingegangen war. Der gebürtige Kühlungsborner litt unter einer schweren Krankheit. Er hinterlässt zwei Töchter.

Dominanz der DDR-470er

Den größten Erfolg feierte Falko Bier an der Vorschot von Bernd Höft bei der 470er-Weltmeisterschaft aller olympischen Klassen in Kiel. Er holte den Titel und dokumentierte damit die damalige Dominanz der DDR-470er. Denn auf Rang drei landeten die Team-Kollegen Jürgen Brietzke mit Ekkehard Schulz. Im Jahr zuvor hatten noch die Hunger-Brüder und Hüttermann/Körte Silber und Bronze für die BRD geholt. Kurz vor der Wende zeigte sich der DDR-Segelsport besonders im 470er mehr als auf Augenhöhe.

Bier verkörperte dabei besonders die Entwicklung zu einer immer ausgeprägteren Kraft und Fitness im Segeln. Bis zuletzt verfügte er über den Köper eines Modellathleten. Sein ehemaliger Steuermann Bernd Höft (55) aus Rostock sagt der Ostsee-Zeitung: „In mir herrscht große Trauer. Wir haben zusammen den größten Erfolg unserer Sportlerkarriere gefeiert. Er war eine der Segelgrößen in unserem Land.“

Die ersten Jahre nach der Wende segelte Falko Bier noch 470er. Das Bild oben vor Warnemünde unterschrieb er auf seiner Facebook-Seite: “Bernd und ich bei einem ‘heißen Tanz auf den Wellen’ – das andere 470er-Feld sitzt wegen Sturmwarnung an Land.”

Danach hatte er aber wie so viele DDR-Segler Probleme, sportlich auf der Höhe zu bleiben. In der neuen Struktur war es schwierig, Zugriff auf konkurrenzfähiges Material zu bekommen. Im 470er begann die erfolgreiche Zeit von Hunger/Schmidt mit zwei WM-Titeln. 

Bier war nur noch sporadisch im Wettkampfsport unterwegs, gewann aber an der Vorschot des Berliners Dirk Bogumil im Pirat die Europameisterschaft (2001) und wurde im Flying Dutchman deutscher Meister. Nach seiner klassischen DDR-Sportkarriere mit einer Ausbildung bei der Rostocker Kinder- und Jugendsportschule, arbeitete Bier schließlich als Trainer im Segeln, Yoga und war Personal Coach.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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