Guiness Buch: 283,5 Meilen auf einem Laser

Unerwarteter Rekord

Eigentlich brach Suhay seinen Laser-Törn im Sommer vorzeitig ab. Doch Nachberechnungen ergaben, dass er den bestehenden Rekord knapp verbesserte.

Kuriose Rekordfahrten unter Segeln gibt es zuhauf – das wissen nicht nur SegelReporter-Leser. Entsprechend vorsichtig sollte man im Umgang mit Rekordmeldungen sein, zumal es mittlerweile eine wachsende Anzahl vermeintlicher „Rekordwächter“ gibt, die Weltrekord-Bestätigungen verteilen wie Flugblätter.

Demnach war auch zunächst Robert Suhays Laser-Törn von Norfolk (USA) bis in die Nähe von Baltimore und zurück durchaus eine Notiz wert, zumal dieser Ausflug, wie ursprünglich geplant, satte 300 Seemeilen lang gewesen wäre. Aber Weltrekord?

Respekt: Über 500 Kilometer auf der Kühlschranktüre

Ein Mann, sein Boot: Robert Suhay auf offener See © suhay

Ein Mann, sein Boot: Robert Suhay auf offener See © suhay

Man muss sich das mal vorstellen: Was flucht unsereins nicht schon rum, wenn die Anfahrt zur Laser-Startlinie bereits eine Stunde dauert, dann noch die lästige Regatta und nach dem fünften Lauf dann wieder eine Stunde zurück zum Steg-Bier!

Aber dieser Amerikaner Robert Suhay, mit 51 Jahren bekanntlich im besten Laser-Alter, segelte seinen Laser mit Standardrigg Hunderte Seemeilen weit. Ohne fremde Hilfe, ohne mal eben schnell die Jacke oder das Käsebrötchen vom Begleitschiff rübergereicht zu bekommen.

Wohl wissend, dass der Laser nicht gerade zu den beliebtesten Wanderjollen zählt, träumte Suhay, Vater von vier Jungen,  schon seit Langem von einem solchen Extrem-Trip auf der schwimmenden „Kühlschranktüre“. Suhay startete in den letzten drei Jahren allein drei Rekordversuche, die er allesamt wegen schlechten Wetters abbrechen musste.

Schlechte Laune bei den Wettergöttern

Auch diesmal bereitete er alles minutiös vor, wartete auf das richtige Wetterfenster wochenlang (wie es sich für Rekordfahrten unter Segeln eben gehört) und startete schließlich frohen Mutes am 29. Juni 2014 in die (noch) stockfinstere Nacht.

Suhay, hier beim Training © suhay

Suhay, hier beim Training © suhay

Der Rekordtörn verlief zunächst prächtig. Mann und Boot hielten bestens durch, wenn auch die Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs war, als sich Robert über 24 h nicht meldete – sein Funkgerät hatte den Geist aufgegeben. Ein Container-Schiff meldete schließlich von See, man habe ein „auffällig kleines Segelboot“ gesichtet, nachdem die Küstenwache einen Suchaufruf gestartet hatte.

Doch dann hatten die Wettergötter einen Schlechte-Laune-Schub und schickten dem Lasersegler eine Schlechtwetterfront. Die Küstenwache sprach ihre Bedenken aus und auch Robert mag nach seinem bisherigen Törn vielleicht etwas müde gewesen sein… jedenfalls brach er seine Rekordfahrt nach etwas über 250 Seemeilen ab und verwies (mal wieder) seinen nächsten Versuch aufs nächste Jahr. Schließlich wollte er Rekorde brechen und endlich die angepeilten 300 Seemeilen knacken.

Doch dann kam Richard Tinnell ins Spiel. Er ist „Senior Product Manager“ bei Magellan GPS und kontrollierte als Branchenspezialist die von Suhay gespeicherten GPS-Daten, komplettierte sie durch „geo-tagged“-Fotografien, die Suhay unterwegs gemacht hatte, rechnete die Distanz fein säuberlich durch und heraus kamen exakte 283,5 Seemeilen (525,05 Kilometer), die Suhay nachweislich auf dem Laser zurückgelegt hatte.

Ein bisschen weiter

Ausrüstung auf dem Vorschiff und in den Auftriebskammern © Suhay

Ausrüstung auf dem Vorschiff und in den Auftriebskammern © Suhay

Der Clou: Der bisherige Weltrekord mit einem Einhand-Dinghy betrug 282,78 Seemeilen (523,7 Kilometer), aufgestellt von der Mexikanerin Tania Elias Calles Wolf, die einen (vom Sicherheitsboot begleiteten) Trip ohne fremde Hilde von Los Cabos in der Baja California nach Bahia de Banderas, Mexiko schaffte.

Gestern verkündete „Guiness World Records“ Suhays Weltrekord für „a man’s longest solo sailing journey in a dinghy“. Der Rekord der Mexikanerin bleibt weiterhin bestehen –  ergänzt um das Wörtchen „female“.

Website seiner ziemlich stolzen Frau

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
https://yachtservice-sb.com

6 Kommentare zu „Guiness Buch: 283,5 Meilen auf einem Laser“

  1. avatar Rheinischer Bohnapfel sagt:

    Endlich!

    Kleiner Schritt, großer Sprung… und so weiter.
    Im Teebeutelweitwurf gabs übrigens vor 4 1/2 Tagen eine neue nationale Jahresbestleistung im Kreis Dithmarschen.

    Wie wär’s denn statt dessen mal mit ein Bißchen Hinterzimmerinformationen vom VOR oder sowas?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 16

    • avatar Rheinischer Bohnapfel sagt:

      Grüße übrigens an den zwanghaften Disliker (schlimme Kindheit gehabt, was?), das “minus 1” hab ich schon erledigt. Nix zu danken.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 13

  2. avatar Kluchschieter sagt:

    Alter Miesepeter…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

    • avatar Rheinischer Bohnapfel sagt:

      O-oh! Zwei-zu-fuffzehn, 2-13 plus null-zu-sieben! Das ist ja mal ‘n Desaster.
      Dann gehör’ ich wohl nicht dazu. Spielt schön weiter, kommt gut von Strande nach Laboe.

      Schon traurig. Der ganze Gastauftritt war die Probe, ob es für deutschsprachige Segelforen doch noch so was wie Hoffnung ohne Halsbart und Birkenstocks gibt. Scheint nichts so. Out.

      Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

  3. avatar markus sagt:

    Die Frage die ich mir stelle:

    300 Seemeilen, sagen wir 6 Knoten. Dann also 50 Stunden. Ohne Pause? Ohne Landberührung?

    Würde mich dann doch interessieren.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

    • avatar Mauersegler sagt:

      …da gibt´s einen aktuellen Laser Masters Segler, der wollte als Jugendlicher mal an Weihnachten von Cuxhaven nach Helgoland und ist dann 3 Tage/ 2 Nächte oder so großflächig in der Deutschen Bucht rumgefahren. Und nicht an irgendeinem Weihnachten, sondern in diesem norddeutschen Katastrophenwinter Ende der 70er mit Eis und Schnee bis zum Abwinken.

      Schade, dass der seinen Törn nicht per GPS dokumentiert hat: gelandet ist er zum guten Schluß nämlich in St. Peter-Ording, vielleicht ist er damit der heimliche Rekordhalter. Definitiv war da aber keine Pause oder Landberührung, von daher kann man die 50h getrost glauben 😉

      Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *