Hand gegen Koje: Was man über das Mitsegeln wissen sollte

Zehn Gebote

Trampen, Segeln, Bruder Leichtfuß

Hinterm Horizont geht’s weiter: Timo Peters alias Bruder Leichtfuß gibt Tipps für Segeltramper © Peters

Warum der Skipper immer Recht hat, warum die Tramp-Saison so wichtig ist, warum ein guter Koch mitunter bessere Chancen hat als ein guter Segler und warum man Führerscheine getrost zu Hause lassen kann. 10 Regeln von „Bruder Leichtfuß“  (nicht nur) für Segeltramper.

Timo Peters alias „Bruder Leichtfuss“ hat schon reichlich Seemeilen als Tramper gesammelt. Sein letzter Törn führte über den Atlantik und mit ein paar Umwege zum Karneval nach Rio de Janeiro. Einige seiner Reisen sind unter Low-Budget-Seglern mittlerweile Kult.

Für die SR-Leser fasst er die zehn wichtigsten Regeln für einen gelungenen Tramper-Segeltörn zusammen.

Vor drei Jahren habe ich zum ersten Mal einen Fuß auf eine Segelyacht gesetzt. An der portugiesischen Atlantikküste lernte ich einen Skipper kennen, der noch Crew für sein Boot gebrauchen konnte. Schon auf dem Weg mit dem Dinghy zum Ankerplatz wurde mir bewusst, dass ich hier gerade eine neue Leidenschaft entdeckte.

Bruder Leichtfuß, Trampen, Segeln

Daumen in den Wind als Markenzeichen © Peters

Eigentlich war ich damals zu Lande unterwegs, war per Anhalter bis Portugal getrampt und hatte dabei im Zelt geschlafen – ein klassisches Low-Budget-Abenteuer. Jetzt ging die Reise zwar mit einem anderen Verkehrsmittel weiter, ich war aber auch an Bord weiter „der Tramper“.

Ich segelte für einige Wochen mit meinem Skipper erst durch die Straße von Gibraltar, dann durchs Mittelmeer. Als mein Trip zu Ende ging, stand für mich fest, dass dies nicht meine letzte Seereise per Anhalter bleiben sollte.

Im nächsten Sommer segelte ich dann auf verschiedenen Schiffen auf der Ostsee – immer Hand-gegen-Koje. Im letzten Winter machte ich dann meinen Traum wahr und wagte den großen Schlag: Über den Atlantik wollte ich segeln, mit verschiedenen Booten und „per Anhalter“. In Gibraltar ging es los, den Hafen kannte ich ja schon und fand schnell ein Schiff, das mich unter amerikanischer Flagge bis nach Gran Canaria brachte. Dort bestieg ich dann die Yacht, die mich über die Kapverdischen Inseln bis zum Karneval nach Brasilien brachte.

Es ist also noch immer möglich und gar nicht so schwer: das klassische Anheuern, wie es der Volksmund gerne nennt. Einfaches Mitsegeln nach dem Hand-gegen-Koje-Prinzip.

Bruder Leichtfuß, Trampen, Segeln

Per Anhalter über den Atlantik © Peters

Viel Vorbereitung braucht man selbst für eine Transatlantikreise nicht – es hilft aber, einige Dinge zu wissen:

  1. Für Segler eine klare Sache, viele Nicht-Segler scheitern aber schon daran: Man sollte zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, also die Segel-Saisons beachten. Für Deutschland ist das relativ einfach: An der deutschen Nord- und Ostseeküste sind nur im Sommer Segler unterwegs. Will man weitere Strecken zur See zurücklegen, sollte man sich informieren, wann der Segler-Verkehr am größten ist. Buchtipp: Jimmy Cornells Segelrouten der Weltmeere.
  2. In einigen Häfen ist es zur richtigen Jahreszeit möglich, einfach in den Marinas herumzulaufen und Skipper kennen zu lernen, die vielleicht Crew benötigen. Dafür kommen aber nur große Häfen in Frage, die an den geographischen „Bottlenecks“ liegen – an Punkten, an denen überdurchschnittlich viele Schiffe anlegen. Als „gelernter“ Tramper nenne ich sie gerne die „Autobahnkreuze der See“. DER Bottleneck schlechthin in Europa ist Gibraltar, ein anderes gutes Beispiel ist der Panamakanal.
  3. NIE vergessen: Der Skipper ist der Kapitän – und hat damit das Sagen. Auch wenn es Skipper gibt, die vielleicht weniger Segelerfahrung mitbringen und der Mitsegler es eventuell besser weiß: Der Kapitän hat an Bord immer Recht. Man sollte an Bord eines fremden Schiffes nicht zu sehr mit seinen Kenntnissen prahlen! Ich habe schon Kapitäne getroffen, die mir sagten, dass sie sehr erfahrene Segler nicht mitnehmen – aus Angst vor Konflikten an Bord.

    Bruder Leichtfuß, Trampen, Segeln

    Wer ein bisschen Bruzzeln kann, Gewinnt schnell Freunde © peters

  4. Als Mitsegler sollte man Skills und Fähigkeiten außerhalb des Segelns mitbringen. Segeln kann der Skipper nämlich wahrscheinlich schon. Aber vielleicht nicht so gut Kochen oder Putzen? Oder der Kapitän freut sich über jemanden, der seine Reise dokumentiert, per Foto, Video oder auf einem kleinen Blog der Reise? Auf längeren Schlägen freuen sich auch viele Skipper über Mitsegler mit medizinischen Fähigkeiten oder Sprachkenntnissen. Auch gerne genommen sind Musiker zur Unterhaltung, Lehrer für die Kinder und, und und… In jedem Fall hilft es, ein positiver und interessanter Mensch zu sein.
  5. Es gibt unterschiedliche Finanzierungsmodelle für das Mitsegeln:
    Bruder Leichtfuß, Trampen, Segeln

    Trampen muss kein Sprung ins kalte Wasser sein – dank richtiger Vorbereitung © Peters

    Einige Kapitäne nehmen ihre Crew komplett kostenlos mit, andere verlangen Beteiligung an der Bordkasse, wieder andere verlangen zusätzlich noch tägliche oder wöchentliche Pauschalen.Hier ist die Grenze zum Kojencharter fließend. In jedem Fall sollte vor Beginn der Segelreise über solche Dinge gesprochen werden, damit nachher keine Partei “aus allen Wolken fällt”.

  6. Auch, was sich hinter dem Begriff Bordkasse versteckt, sollte man abklären. Sie setzt sich meist aus Proviant, Dieselverbrauch und Hafengebühren zusammen. Es macht aber einen großen Unterschied, ob man vor allem vor Anker liegt und selber kocht, oder ob das Boot täglich Luxusmarinas anläuft und die Crew gemeinsam im 5-Sterne-Restaurant diniert.
  7. Bruder Leichtfuß, Trampen, Segeln

    Postille für Mitsegler: Das Schwarze Brett in der Marina von Las Palmas/Gran Canaria © Peters

    Wie fast überall in heutigen Zeiten gibt es auch Möglichkeiten, online Kapitäne und Boote zu finden. Die bekannteste deutsche Crewbörse ist hand-gegen-koje.de, wo es vor allem an den deutschen Küsten viele Angebote gibt. Aber auch andere Gewässer werden bedient. Weitere Crewbörsen finden sich in den Foren großer Segelmagazine oder auch der großen Ralleys, zum Beispiel im Forum der ARC. Eine Liste an allen Crewbörsen, die mir bekannt sind, habe ich in meinem Blog zusammengestellt.

  8. Eine weitere Möglichkeit, ein passendes Boot zu finden, sind Aushänge an den schwarzen Brettern der Marinas und Segelclubs. Der Inhalt? Ein Foto erhöht auf jeden Fall die Chancen, gesehen zu werden, dazu sollte man genau schreiben, was man sich vorstellt. Nicht fehlen sollte auch ein Überblick über seglerische Vorerfahrungen. Bei der Angabe der gesegelten Seemeilen sollte man aus gleich mehreren Gründen unbedingt bei der Wahrheit bleiben (siehe Punkt 3!).

    Bruder Leichtfuß, Trampen, Segeln

    Man sollte sich VORHER über die Mitsegelbedingungen erkundigen

  9. Ich wurde noch nie nach Segel- oder Führerscheinen gefragt: als ich das erste Mal auf einer Yacht war, hatte ich gar keinen. Mittlerweile habe ich den Sportbootführerschein Binnen und See, was ich in meinen Hafenaushängen erwähnt habe. Ich trage die Scheine auch mit mir herum, wenn ich auf Booten unterwegs bin, ein Muss sind sie jedoch auf keinen Fall.
  10. Bevor der erste Törn stattfindet  ist es obligatorisch, sich einen Eindruck sowohl vom Boot als auch vom Kapitän zu machen. Dazu gehören Sicherheitsmittel an Bord genau so wie Qualifikationen des Skippers. Aber auch praktische Dinge: In welcher Koje schläft man, hat man eine Kabine für sich allein oder wird sie geteilt, wie viele Menschen sind überhaupt an Bord? Persönlich sollte es auf jeden Fall passen; dazu gehören z. B. Fragen zum Essen, Trinken und anderen Genussmitteln: Wird Fleisch gegessen, wie sieht es aus mit Alkohol und Rauchen an Bord und so weiter.

 

Ausführliche Reisebeschreibungen und Fotos zum Träumen im

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3 Kommentare zu „Hand gegen Koje: Was man über das Mitsegeln wissen sollte“

  1. avatar Marina sagt:

    Timo, unbekannterweise muß ich sagen, daß Deine Tipps erstklassik sind! Sehr gut beobachtet und geschrieben!
    Ich wünsche Dir immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel – für alle Deine nächsten Tramp-Reisen! 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

  2. avatar Julia Ruhnau sagt:

    Hallo Timo,

    ich schreibe für die Deutsche Presse Agentur (dpa) einen Bericht über das Hand-gegen-Koje-Segeln und suche jemanden, der schon Erfahrungen damit gemacht hat. Hättest du Lust, mir ein bisschen von deinen Erlebnissen zu erzählen? Das Ganze soll ein Service-Beitrag werden für Leute, die sich überlegen, so was mal zu machen (also so ähnlich wie deine zehn Gebote ;)).

    Liebe Grüße, Julia

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