Historisches Segeln: Darmstädter hilft in Polynesien – Hochsee-Kanus als Klassenzimmer

Aus Liebe zur Südsee

Die Okeanos-Stiftung wurde von einem Darmstädter Geschäftsmann und Filmemacher gegründet, der eine überraschende Begründung für seine Liebe zur Südsee aufführt. Faszinierende Videos.

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Besinnen auf altes Wissen und Können – initiiert von einem Darmstädter Geschäftsmann © okeanos

Manchmal geht das Leben seltsame Wege. Ein erfolgreicher Manager aus Darmstadt Eberstadt entdeckt vor Jahrzehnten seine ganz offensichtlich tief sitzende Liebe zum Meer. Er investiert in eine Yacht, segelt auf ihr jahrelang über die Ozeane und frönt dabei einer weiteren Leidenschaft: Filmen.

Dieter Paulmann, heute 75, engagierte sich vor allem für den Schutz der Wale und drehte einige bemerkenswerte Streifen über die riesigen Meeressäuger, die Schönheit der See und die Probleme ihrer Fauna.

Der Darmstädter äußerte sogar einmal in einem Interview, er sei sich sicher, dass er bereits als Pottwal im Pazifik gelebt habe. Und bei einer Reinkarnation am liebsten wieder Pottwal sein möchte…

Als er monatelang durch die Südsee reiste, faszinierte ihn weiterhin die jahrtausendealte Kultur der indigenen, polynesischen Völker und die verblüffenden Seereisen, die ihre Vorfahren zur Besiedlung der polynesischen Inselwelt unternommen haben.

Modern, umweltfreundlich, aber alte Ideen

Paulmann wollte es nicht beim Interesse an einer Kultur belassen, deren Wissen und Erfahrungsschätze langsam, aber sicher aus dem kulturellen Gedächtnis der Menschheit verschwanden. Er gründete „Okeanos – Stiftung für das Meer“ um eine Flotte aus Hochsee-Katamaran-Kanus im Stil der alten polynesischen Seefahrer zu bauen. Motto: Moderne, umweltfreundliche Baumaterialien, kein Einsatz fossiler Brennstoffe, Solar-Panels als Energiespender und alles auf Hochseekanus, die exakt den alten Rissen nachempfunden wurden.

Der Darmstädter steckte einen Großteil seines Vermögens in die Stiftung und schon kurz nach ihrer Gründung segelte eine Flotte aus sieben dieser „Vaka Moanas“ als Botschafter einer uralten Kultur und Hoffnungsträger für eine interkulturelle, humane und umweltfreundliche Zukunft. (siehe Video „Blue Canoe“ ).

Diese 20.000 Seemeilen lange Reise mit mehr als einhundert, sich auf den einzelnen Etappenstrecken abwechselnden Seeleuten aus den unterschiedlichsten Regionen der Südsee, war eine Art Initialzündung für weitere spektakuläre „Okeanos“-Aktionen.

So unterstützte die Stiftung fortan ein völlig brach liegendes Transportsystem zwischen einzelnen, weit abgelegenen Südsee-Inseln mit dem Einsatz von umweltfreundlichen… „Vaka Moanas“. Man besann sich auf die Transportfähigkeiten und die sowieso hervorragende Seegängigkeit der Hochsee-Kanus und setzte sie fortan, zum Teil unter Eigenregie, zur Lebensmittelversorgung ein. (siehe Video „Vaka Moto Fiji“).

Ferner unterstützte „Okeanos“ einen mittlerweile weltweit gepriesenen und mehrfach preisgekrönten Dokumentarfilm, den Oscar-Regisseur Louie Psihoyos gemeinsam mit Schauspielern und Aktivisten undercover weltweit drehte. Überall dort, wo auf riesigen Märkten und in dunklen Hinterhöfen geschützte Tierarten als Spezialitäten feilgeboten werden. Wo der Ausverkauf der Natur stattfindet und die Ozeane zu einem Selbstbedienungsmarkt für die Menschheit verkommen. (siehe Trailer „Racing Extinction“)

Heute sind die „Okeano Vakas“ – Katamarane häufig als reisende Klassenzimmer unterwegs. Von Neuseeland bis Hawaii wollen sie hauptsächlich jungen Menschen die Reise-Kultur der indigenen Südsee-Völker näher bringen. (siehe Video „Education“)

„Okeanos ist eine Ansammlung uralter Ideen, Werte und Lösungen mit genialen Ansätzen. Wenn wir die pazifischen Völker und das Wissen ihrer Vorfahren als einen Teil der Lösungen verstehen, wird uns die Zukunft wohlgesonnen sein,“ heißt es sinngemäß auf der Okeanos-Website.

Anstoß von der anderen Seite der Weltkugel

Ein Motto, das die immer weiter anwachsende Okeanos-Community von Insel zu Insel trägt. Mittlerweile ist Okeanos eine der anerkanntesten Hilfsorganisationen im pazifischen Raum und wird vor allem von Südseevölkern heiß geliebt. Das internationale Okeanos-Team besteht mittlerweile aus Seglern, Navigatoren, Wissenschaftlern, Kulturträgern, Spirituellen Beratern, Aktivisten und Künstlern.

Es gibt kaum noch Polynesier, die nicht von den faszinierenden Projekten rund um die „Vaka Moanas“ zumindest gehört haben – die meisten träumen sogar davon, alsbald auf einem dieser Katamarane zu segeln.

Manchmal braucht es eben den Anstoß von einem Menschen, der von weit, weit entfernt auf der anderen Seite der Weltkugel kommt, um ganze Völker für ihr ureigenes Wissen zu sensibilisieren. Umso besser, wenn dieser Mann sich aufgrund seines früheren Lebens als Pottwal schon mal hervorragend in der Südsee auskennt…

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Michael Kunst

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