Hochsee-Foiler: So sieht die Zukunft aus – Monohull hebt sich aus dem Wasser

Über den Wellen

Effektives Tragflächen-Segeln ist bisher auf leichte Motten oder Multihulls beschränkt. Eine Konstruktion aus Frankreich zeigt, wohin die Entwicklung in Zukunft geht.

Der Plattbug-Mini “Magnum” hat 2011 überlegen die Mini Transat Regatta gewonnen und dominierte die Klasse noch Jahr lang. Nun schreibt er wieder Geschichte, weil er der erste stabile Monohull-Foiler ist.

Seair Mini

Dichte Segel wegen des spitz einfallenden Fahrtwindes und Helm für den Steuermann. © Seair

Der von David Raison konstruierte und gesegelte Prototyp ist von den Foil-Spezialisten der Firma SEAir in Lorient erworben um die neuen Möglichkeiten des Hochsee-Fliegens auszuloten.

Die Konfigruation des Bootes ist entsprechend der aktuell geltenden Regeln der Mini Class nicht erlaubt, und deshalb darf “SEAir” auch nicht an Regatten teilnehmen, schon gar nicht an der diesjährigen Mini Transat. Aber die Ingenieure zeigen mit dem Schiffchen, was auch für einen Monohull möglich ist.

Signal an die IMOCA Klasse

Und damit senden sie auch deutliche Signale an die IMOCA-Klasse, die durch ihr Regelwerk ebenfalls eine effektivere Nutzung der Foiler-Technik behindern. So ist die Zahl ihrer Anhänge auf fünf beschränkt (zwei Ruder, ein Kiel und zwei Schwerter/Foils).

Seair Mini

Ein Schwert vor dem Mast verhindert die seitlich Abdrift. © Seair

Dadurch kommen die komischen abgeknickten Foil-Formen zustande, denn da der extrem nach Luv geneigte Kiel nicht gegen die Abdrift wirken kann, muss die vertikale Fläche des Foils diese Aufgabe übernehmen. Bei einer normalen DSS-Konfiguration kann ein zusätzliches Steckschwert vor dem Mast diese Aufgabe übernehmen.

So stellt sich das Design von SEAir dar. Den nach außen geschwungenen Foils fehlt die von den IMOCA bekannte senkrechte Fläche. Sie können allein für den Vortrieb sorgen und schaffen es offenbar, den gesamten Rumpf aus dem Wasser zu heben, genauso wie es die Quant23 tut.

Quant 23, Foil, European Yacht Award Test

Die Quant 23 bei Flachwasser mit DSS Foil aber ohne Canting Kiel. © quant

Das eigentliche Geheimnis der Flug-Kontrolle steckt aber in den Systemen, die den Anstellwinkel des Foils verändern. Das ist die große Bastelaufgabe für die SEAir Spezialisten. Dafür haben sie die Tragfläche mit acht Sensoren ausgestattet und einem Steuergerät.

Die jüngsten Bilder zeigen die Fortschritte. Und eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Vendée-Globe-Renner oder schnelle Cruiser Racer auf diese Art aus dem Wasser heben.

Seair Mini

SEAir von unten. Doppel T-Foil-Ruder und Rumpf-Durchlässe für Schwert und Foils. © Lunay

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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