Hochsee-Foiling: Auf L-Tragflächen um die Welt – “Gitana” hebt sich auch auf hoher See

"Einfach unglaublich"

Das Gitana Team zeigt per Video die ersten stabilen Hochsee-Flüge auf Foils mit dem modifizierten MOD70 Trimaran. 43 Knoten Speed bei 20 Knoten Wind standen auf der Uhr. Die nächste Revolution ist schon im Bau.

Bisher hat es noch niemand geschafft, das Foiling auf hoher See so verlässlich zu machen, dass Langstrecken-Rekorde damit erreichbar sind. Auch die neuen IMOCA 60 sind keine echten Tragflächen-Boote, die sich gänzlich aus dem Wasser heben. Aber eines Tages wird es wohl so weit sein.

Gitana, Foils

Der modifizierte MOD 70 Trimaran “Gitana” auf Foils. © Yvan Zedda / GITANA SA

Das glauben jedenfalls die Tüftler beim Gitana-Team, die schon seit Ende 2013 daran arbeiten, diese Pionierleistung zu erbringen. Dabei gehen sie einen gänzlich anderen Weg als Alain Thébault mit seiner “Hydroptére”, der den mit schrägen Foils ausgerüsteten Tri zu keinen verlässlichen Rekordfahrten auf langer Strecke puschen konnte.

So lassen sich die Franzosen bei Gitana Zeit, ausgiebig alle Möglichkeiten zu erforschen. Ihr MOD70 “Edmont de Rothschild” eignet sich offenbar bestens als Testplattform und ging zum Beispiel 2014 bei der Atlantik-Regatta Route du Rhum mit zwei T-Foils am Ruder an den Start gegen die riesigen Tris der Ultime Klasse. Skipper Sébastien Josse bestätigte den Ingenieuren einen verlässlichen “Turbo-Boost” durch die Veränderung und kam nur zehn Stunden hinter der zweitplazierten “Spindrift” auf Rang drei ins Ziel.

Beständig auf Tragflächen

Im Jahr danach testete er unterschiedlich geformte Haupt-Foils, L an Backbord und C an Steuerbord, um die nächste Phase für 2016 einzuleiten. Mit den aus dem America’s Cup bekannten L-Foils hat das Projekt nun den nächsten Schritt gemacht. “Gitana XV” kann offensichtlich beständig auf seinen Tragflächen segeln.

Dabei ist noch nicht klar, wie die Konfiguration bei Extrembedingungen funktioniert. Aber im Gitana-Team hat niemand Zweifel, dass die Adaption gelingt. Sebastien Josse sagt: “Diese zweite Testphase war mehr als positiv. Die Versuche auf See waren einfach unglaublich. Wir haben mit den neuen Anhängen einen Speed erreicht, den ich nicht erwartet hätte. Aber die Arbeit hört nicht auf. Und wir müssen noch Fortschritte machen bei der Bewältigung von hohem Wellengang.”

33 Meter langer Rekordbrecher

Aber das dürfte einfacher werden, wenn der Maxi-Multihull fertiggestellt ist, dessen Bau 2015 bei Multiplast in Vannes begann. Dieses Schiff soll der ultimative Rekordbrecher des Gitana Teams werden. Es wird das zwölfte von Ariane und Benjamin de Rothschild finanzierte Schiff sein.

“Gitana Maxi” wird 33 Meter lang und 22 Meter breit sein. Es wird mit einem T-Foil Ruder und L-förmigen Schwertern ausgerüstet sein. Der Stapellauf wird aber erst im Sommer 2017 erfolgen. Bis dahin soll der MOD70 weitere intensive Tests durchlaufen.

Nebenbei hat Skipper Sébastien Josse auch noch die Kleinigkeit einer Vendée Globe zu überstehen. Auch da sind die Ingenieuer mit ihrem IMOCA Neubau ganz vorne dabei an der Entwicklungsfront. Der mit Foils ausgerüstete 60 Fußer gehört zu den schnellsten der Flotte.

IMOCA Gitana

Der IMOCA 60 “Gitana” wird in der Welle durch die Tragfläche in Lee angehoben. © Martinez/Gitana

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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