Hunde an Bord: Wenn Crewmitglieder mit dem Schwanz wedeln

Hundeleben

Zugegeben: Ich hab’ mich schon oft gefragt, was ihr Menschen eigentlich wirklich von uns wollt. Erst zwingt ihr uns vom tollen Landleben in die asphaltierten Städte, wo euresgleichen sich dann laut und hysterisch über Tretminen in den wenigen, engen Parks beschwert. Wir wissen selbst, wie doof es ist, über den Verdauungsresten anderer auszurutschen… nur: glaubt ihr etwa, wir hätten uns das ausgesucht?

Dann mussten wir euch jahrzehntelang auf stundenlangen Autofahrten irgendwo zwischen Kind und Kegel gepfercht oder in Knastkisten gesperrt „in die Ferien“ begleiten – meistens war das Ziel ja klasse, von wegen Land, Freiheit, stundenlanges Streunen… nur: Warum habt Ihr unsere Spezies nicht gleich dort gelassen?

Und nun geht’s immer öfter hinauf aufs Wasser, weil Herrchen und Frauchen (hey, wir finden diese Bezeichnung auch bescheuert, aber: Wir haben sie nicht erfunden!) unbedingt ihren Drang nach Romantik und Ferne im achso wunderschönen Spiel von Wind und Wellen frönen müssen.

Schwanzwedeln, wenn der Seesack gepackt wird

Ich sag’s gleich vorneweg: Nach anfänglicher Skepsis (so ein Schiff ist ja noch kürzer als der Vorgarten vom Nachbarn!) hab’ ich mich echt dran gewöhnt, freue mich sogar, wenn der Leckerliewerfer wieder den Seesack packt.  Und im Laufe der Jahre hab’ ich mich zu einem echten Spezialisten, zu einer Art „Seehund“ (ha, ha, ha) entwickelt, der – so ganz nebenbei erwähnt – immer öfter um Rat gebeten wird. Aber davon später meer, pardon: mehr!

An Bord sind sie alle gleich: Ganz egal ob kräftig…

An Bord sind sie alle gleich. Dieser Bursche ist kräftig.© privat

Manchmal liest mir mein Bei-Fuss-Rufer aus seinem silbernen Klappkasten (der mit dem Obst drauf) vor; meistens unwichtiges Zeug wie etwa die Problematik von Hundebesitzern, die chartern wollen (was muss er auch aufs Meer, der Bodensee reicht doch!), und dass deutsche Charterfirmen meistens Haustiere auf ihren schnicken Pötten verbieten, während die Franzosen lediglich vorher informiert werden wollen , um dann die doppelte Endreinigungsgebühr zu verlangen. Oder die Holländer: Die bieten mitunter sogar Schiffe an, die ausschließlich für Hundebesitzer gedacht sind oder lächeln nur milde und behaupten (völlig richtig!) ein Hund an Bord mache auch nicht mehr Dreck als ein bierseliger Männertörn.

Doch neulich musste ich richtig interessiert mit dem Schwanz wedeln, als er beim Festmachersherry (ich hab’ ja wieder nur Wasser gekriegt), von den jüngsten Abenteuern amerikanischer und australischer Hunde vorlas, die ganz offensichtlich kein Seemannsgarn sind.  Da war etwa „Tank“ – ein in den USA offenbar typischer Name für einen Zwergspitz! – der auf dem Großen See nahe Chicago vom Schiff rutschte.

Obwohl er eine gelbe Schwimmweste trug, wurde er von seinen Leuten nach einem etwas längeren Q-Manöver nicht mehr wiedergefunden. Was war die Trauer groß! Doch Tank paddelte dank Schwimmweste und niedriger Raubfisch-Gefahr selbst zum Ufer zurück und wurde zwei Tage später von Nachbarn beim Spielen mit Kindern wiedererkannt. Rührend, oder?

… oder eher "spitz", wie Tank, bei dem nomen eben nicht omen ist. © privat

Nomen eben nicht immer Omen. Dieser Spitz heißt "Tank". © privat

Wie Robinson

Besser ist die Geschichte von der ausgesprochen scharfen Mischlingsdame  Sophie Tucker, die vor Australien auf offener See von Bord fiel, ohne dass dies sogleich bemerkt wurde. Auch hier fruchteten Rettungsmanöver und sogar Coast-Guard-Suche nichts, die Kollegin wurde als ertrunken oder von Haien verspeist gemeldet.

Tatsächlich schwamm die aber einfach der Nase nach, gegen den Wind, in Richtung einer kleiner Insel, auf der sie einen Monat lang ein karges Robinson-Dasein fristete, bis sie sich entschloss zur Nachbarinsel zu schwimmen, wo nämlich Wildgänse nisteten. Dort hat sie sich ziemlich daneben benommen und ihren Hunger mit Küken und Keulen gestillt.

Irgendwann wurde sie von Naturschützern entdeckt, eingefangen, aufs Festland gefahren und dank Tätowierung zurück nach Hause gebracht. Ob dies in ihrem Sinne war, wurde leider nicht überliefert.

Oder Julie, eine Boxer-Bullterrier-Hündin, die 6 Jahre lang mit ihren Leuten um die Welt segelte, bei langen Ozeanpassagen vorne auf dem Deck stand und die Delphine schon früher hörte als sie von den Menschen mit dem Fernglas erspäht werden konnten…

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