Hydroptère: Aus für Vorflieger Thébault – Zerlegung der legendären Speed-Maschine droht

Trauriges Ende

In den USA wird verbreitet, dass der französische Rekord-Brecher “Hydroptère” kurz vor der Abwicklung steht. Unwürdiges Scheitern eines Projektes, das viel für den Segelsport getan hat.

Hydroptère

“Hydroptère” war einmal das schnellste Segelschiff der Welt. © Hydroptère

Im Internet-Forum der US-Segelseite Sailing Anarchy verbreitet ein Nutzer die Nachricht, dass der legendäre Rekordbrecher-Trimaran “Hydroptère” dabei ist, sein Leben auszuhauchen. Er postet Bilder von dem Multihull, wie er an einer Mooring-Tonne wohl in Honolulu vor sich hin gammelt. Auf dem Mast klebt ein Zettel mit der Aufschrift “Abandoned Vessel” – aufgegebenes Schiff.

Müll-Feld lag im Weg

Laut der Aussagen des Hafenmeisters sei das Schiff im Umfeld der Transpac-Regatta Anfang Juli 2015 in der Marina angekommen, ohne einen Platz vorher gebucht zu haben. Tatsächlich hatte Skipper Alain Thébault zu diesem Zeitpunkt versucht den Rekord von Los Angeles nach Hawaii zu brechen, war aber am leichten Wind gescheitert. Außerdem habe er ein großes Müll-Feld umsegeln müssen, schreibt Thébault in einer seiner letzten Nachrichten auf der Hydroptère-Website.

Hydroptère im Stand-by-Modus vor der Golden Gate Bridge © Thomas Lesage

Hydroptère vor der Golden Gate Bridge © Thomas Lesage

35 Knoten Peaks seien zwar erreicht worden, aber nicht über einen Zeitraum, der für den Rekord ausgereicht hätte. Das sei zwar frustrierend, aber die Bestzeit liege allemal in Reichweite. Nach der Rückkehr nach LA wolle man wieder auf ein besseres Wetterfenster warten.

So weit ist es aber nie gekommen. Thébault macht inzwischen mit anderen Aktivitäten auf sich aufmerksam. Das Geld für sein Baby scheint abrupt ausgegangen zu sein.

Crew verschwunden

Der Hafenmeister in Honolulu erzählt, dass er den Tri nur nach dem Versprechen in den Hafen gelassen hätte, demzufolge die Rückreise umgehend erfolgen solle. Aber dann sei die Crew einfach verschwunden. Niemand habe bezahlt und alle Kontaktversuche waren erfolglos.

"Hydroptère DCNS" in stabiler Flug-Lage auf dem großen Foil in Luv. © Christophe Launay, sealaunay.com

“Hydroptère DCNS” in stabiler Flug-Lage auf dem großen Foil in Luv. © Christophe Launay, sealaunay.com

Vor einigen Monaten sei dann der “Abandoned Vessel”-Sticker angebracht worden. Der Tri solle nun ausgekrant und zerlegt werden. Das Gesetz erlaubt es dem Hafenmeister nur, Teile des Schiffes zu verkaufen. Mit den Einnahmen für die Hydraulik und den Mast hofft er, die bisherigen Auslagen ausgleichen zu können. Der Kran solle in den nächsten Tagen seine Arbeit tun.

Der anonyme Forum-Schreiber hat vom Hafenmeister allerdings die Aussage erhalten, dass jemand bei einer Bar-Zahlung von 20.000 Dollar das gesamte Schiff übernehmen könne, wenn es denn sofort den Hafen verlasse.

Schiff verkauft?

Im Verlauf der Forum-Diskussion meldet sich sogar ein Nutzer mit der Aussage, er habe das Schiff nun gekauft. Ob das stimmt, wird allerdings nicht bestätigt. In jedem Fall ist das ein unwürdiges Ende eines Projektes, das seit vielen Jahren eine große Aufmerksamkeit im Segelsport erhält.

Alain Thébault, der Antreiber des Speed-Projektes © Gilles Martin-Raget

Alain Thébault, der Antreiber des Speed-Projektes © Gilles Martin-Raget

Der charismatische Franzose Alain Thébault arbeitet seit mehr als 25 Jahren an dem Traum, Segelschiffe über das Wasser fliegen zu lassen. 2007 brach er den Weltrekord und “Hydroptère” war mit einem 44.81 Knoten-Durchschnitt für 500 Meter das schnellste Gefährt auf dem Wasser unter Segeln. 2009 erreichte der weiter entwickelte Tri auf der Strecke sogar 51.36 Knoten.

Nun schien es an der Zeit, die hohe See zu erobern. Das Tragflächen-System wurde so verbessert, dass auch 3 bis 4 Meter hohe Wellen zu bewältigen waren. Die französische Kriegsschiff-Werft DCNS stieg als Großsponsor ein und Thébault schien ein gemachter Mann, der im Begriff war, die Hochsee-Rekorde purzeln zu lassen.

Sponsor stieg aus

Er ging 2012 mit dem Schiff nach San Francisco, um im Umfeld des America’s Cups für Furore zu sorgen. Aber plötzlich stieg DCNS als Geldgeber aus. Die Grüne sind nicht klar, aber die Auswirkungen für Thébault verheerend. Er fand zwar noch einige kleinere Sponsoren in den USA und pokerte mit dem Hawaii-Rekord. Aber nun ist er offenbar doch gescheitert.

Hydroptère

Hydroptère in San Francisco. © Hydroptère

Es mag daran liegen, dass “Hydroptère” mit seiner ungewöhnlichen V-Flügel-Konstruktion von den angesagten L-Flüglern, die auch beim America’s Cup eingesetzt werden, auf der Technik-Seite überholt wurde. In der boomenden Flügel-Szene konnte sich Thébault jedenfalls nicht das Gewicht erarbeiten, das ihm als Pionier der Szene vielleicht zugestanden hätte.

Das offensichtliche Aus auf diese Weise ist für den legendären Trimaran jedenfalls mehr als unwürdig und sehr traurig.

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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