In Memory: Vor einem Jahr blieb Olympiateilnehmer Trevor Moore auf See – mysteriöser Fall

Spurlos verschwunden

Vermisst, Trevor Moore,

Wäre gerne in Rio dabei gewesen: Trevor Moore, 49er-Segler aus Florida, verschwand spurlos vor einem Jahr © John Moore

Der 49er-Segler war im amerikanischen Nationalkader und segelte während Olympia 2012 vor Weymouth. Eigentlich wollte er in Rio dabei sein, doch dann verschwand er auf mysteriöse Weise.

Klar, dies sind genau die Geschichten, die das Leben schreibt. Dass Menschen in für sie alltäglichen, schon oft gelebten Situationen offensichtlich verunglücken und danach einfach so verschwinden, passiert täglich dutzendfach auf der Welt. Und dennoch sind es gerade diese Fälle, die uns immer wieder berühren und aufschrecken. Was wohl daran liegen mag, dass wir so an unsere eigene Verletzlichkeit erinnert werden. Und dass „Sicherheit“ in unser aller Leben immer ein relativer Begriff bleiben wird…

Trevor Moore galt vor den Olympischen Spielen 2012 in London als einer der talentiertesten jungen Segler der USA. Gemeinsam mit Erik Storck schaffte er es im 49er glatt in den Olympischen Kader; als er bei der Eröffnung der Spiele ins Stadion einmarschierte, foppten ihn einige Kameraden, weil er so ergriffen und emotional berührt war. „Es war das Größte für ihn, dabei sein zu dürfen“, erzählte man später über ihn. Dass er aufgrund einer Schulterverletzung nur auf einem enttäuschenden Rang 15 (von 20) landete, war da mehr Ansporn als Grund zur Trauer.

Vermisst, Trevor Moore,

Segeln war sein “Ding” und alles, was sich auf dem Wasser abspielte, seine Leidenschaft: Trevor Moore (rechts) © US sailing

Es sollte nochmals Olympia sein

Nach London 2012 setzte Trevor Moore alles daran, weiter „im Rennen“ zu bleiben. Er suchte für die Spiele in Rio, wo er es allen nochmals so richtig zeigen wollte, einen neuen Partner und absolvierte Testregatten. Doch irgendwie „funkte“ es bei keinem so richtig. 2014 verkaufte Trevor schließlich seinen 49er – wohl wissend, dass längst ein neuer Lebensabschnitt für ihn begonnen hatte.

Der logischerweise weiterhin auf dem Wasser stattfinden sollte. Wie fast alles, was ihn bisher im Leben begeistert hatte, sollte auch seine Zukunft „nass“ sein. Trevor lebte in Florida und freundete sich immer mehr mit dem Gedanken an, als Segel-Coach junge Menschen zu begleiten. Im März 2015 machte er seiner Freundin Patton stilecht auf seinem Power-Schlauchboot, das er für seine Coach-Aktivitäten gekauft hatte, einen Heiratsantrag. Die beiden zogen in ein Haus direkt am Wasser, beide waren voller Pläne… kurz: ein amerikanischer Traum war drauf und dran, sich zu erfüllen.

“Das war’s – dann war er für immer weg!”

Bis zu diesem 25.Juni 2015. Wie immer stand Trevor früh morgens auf, hatte noch einige Basteleien im Haus zu erledigen. Er frühstückte gemeinsam mit Patton , die kurz darauf mit ihrem Hund das Haus verließ und Trevor wollte später auf sein Motorboot, „einfach mal wieder raus!“ Ob zum Fischen – er liebte es offenbar, Thunfische zu angeln – oder einfach nur ein wenig abhängen, darüber weiß man bis heute nichts.

Vermisst, Trevor Moore,

Moore packte immer mit an © john moore

Tatsache ist, dass man sein Boot Stunden später im Leerlauf tuckernd in der Biscayne Bay vor Naples/Florida fand – ohne Trevor. Auf dem Powerboot waren seine persönlichen Dinge wie Papiere, Kreditkarten, Geld, doch von Trevor Moore keine Spur.

Sofort wurde eine der größten Suchaktionen Floridas gestartet. Die Chance und Hoffnung, das landesbekannte Segelass irgendwo in de Bucht schwimmend wiederzufinden, waren groß. Alle Beteiligten begannen mit reichlich Optimismus: „Ich war mir sicher, das sie noch am gleichen Abend anrufen würden um mir mitzuteilen, dass man Trevor irgendwo lebend gefunden habe,“ erinnert sich Patton heute. Doch der erlösende Anruf sollte ausbleiben.

Hunderte Boote auf der Suche

Drei Tage und Nächte suchten Küstenwache, Lebensrettungsgesellschaften und buchstäblich Hunderte Freiwillige auf ihren Booten nahezu jeden Meter der riesigen Bucht ab. Ohne Erfolg – Trevor blieb spurlos verschwunden. Ein Aufruf der Kollegen von „Sailing Anarchy“ brachte tags darauf nochmals zusätzliche Suchkräfte in die Bucht, teilweise sah es vor den Küstenabschnitten wie bei einer Bootsparade aus. Ortskundige Meeresforscher und einheimische Fischer setzten ihr gesamte Know-how ein, um alle Strömungen und deren mögliche Verläufe zu berücksichtigen; Fotografen ließen ihre Kameradrohnen aufsteigen und Schwimmer trieben stundenlang im Wasser, um ein Abdriften Trevors nachvollziehen zu können.

Doch Trevor Moore blieb unauffindbar. Nach 80 Stunden intensiver Suche beendete die Küstenwache die Suche nach dem Vermissten offiziell. Dutzende Boote mit Freunden, Bekannten und Clubkameraden suchten noch tage- und nächtelang weiter.

Patton gab erst nach sechs Tagen, völlig erschöpft und entkräftet auf.

Geblieben, wo er am liebsten war

Bis heute gibt es von Trevor Moore keine Spur. Sein Verschwinden gibt weiterhin Rätsel auf – Familie und Küstenwache wollen sich jedoch an keinen Spekulationen beteiligen. Der Fall sei offiziell zwar abgeschlossen und als Unfall deklariert, doch viele Menschen wollen sich offenbar nicht damit abfinden, dass man bis heute keine Überreste von Trevor Moore gefunden hat. „Trevor Moore beschäftigt uns weiter,“ heißt es seitens der Küstenwache. Patton jedoch scheint sich mehr und mehr mit ihrem Verlust abzufinden: „Er ist dort geblieben, wo er am liebsten war: Auf dem Wasser“, sagte sie kürzlich lokalen Medien anlässlich des Jahrestages von Trevors Verschwinden. „Ich kann nur hoffen, dass er nicht leiden musste!“

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Michael Kunst

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