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Jessica Watson wird keinen Rekord brechen!

Jessica Watson ist nur noch eine Woche von ihrem Traumziel in Sydney entfernt ©www.jessicawatson.com.au

Die australische Internet-Publikation Sail-World.com hat sich näher mit dem Versuch Jessica Watsons, als jüngste Seglerin nonstop und einhand um die Welt zu segeln, auseinander gesetzt. Das Ergebnis ist eindeutig: Watson wird den Rekord ihres Landsmannes Jesse Martin nicht brechen!

Die Behauptung sorgt in der Offshore-Segelszene für einigen Aufruhr, und Segelreporter.com hat nun nachgeforscht, was an der Behauptung von Sail-World.com dran ist.

Zuerst haben wir beim World Speed Sailing Record Council (WSSRC) achgefragt, wo uns deren Vertreter John Reed noch einmal auf die Regeln eines Rekordversuches aufmerksam gemacht hat. Nun muss man wissen, dass es gar keinen offiziellen Rekord für die jüngste Nonstop-Einhand-Weltumsegelung gibt, wohl aber eine Auszeichnung hierfür. Im Weiteren legt das WSSRC bei Auszeichnungen die gleichen harten Maßstäbe an, wie bei einem offiziellen Rekord.

Die Regel für eine Welturundung lautet in wichtigen Auszügen wie folgt: „…Ein Schiff muss am gleichen Ort ankommen, von dem es gestartet ist, und muss alle Längengrade und den Äquator mindestens einmal überquert haben. Die kürzeste Großkreisstrecke muss mindestens 21600 Seemeilen betragen. Ein Schiff welches von einem Punkt aus um die Welt segelt, von dem aus der Weg kürzer als diese Distanz ist, muss eine Insel oder einen fixen Punkt umsegeln, sodass die Strecke bis zur geforderten Länge ausgeweitet wird….“

Nun ist es so, dass Jessica zwar über den Äquator gesegelt ist, und auch ist sie um Inseln auf der nördlichen Halbkugel gesegelt, aber, wie Sail-World.com bei Watsons PR-Mann Andrew Fraser erfahren hat, ist ihre gesegelte Großkreisstrecke plus ihren Ausflug in die nördliche Hemisphäre mit rund 19600 Seemeilen schlicht weg zu kurz. Denn es zählt eben nicht die gesegelte Strecke, die aufgrund von Wenden und Halsen immer länger ist, als der theoretisch mögliche Weg.

Jesse Martin ist bei seinem – nun sagen wir einfach doch mal Rekord – insgesamt gut 25000 Seemeilen gesegelt, und Jessica Watson wird nach ihrer Ankunft in Sydney in einer Woche, auch über 22000 Seemeilen zusammen geschrubbt haben. Indes ist dies nicht die kürzest mögliche Strecke zwischen ihren Wegpunkten.

Was lernen wir daraus: Wer sich in die Öffentlichkeit begibt unterliegt immer besonderer Beobachtung. Ob das nun mit Genauigkeit oder Neid zu tun hat, sei einmal dahin gestellt. Sail-World.com wird sich mit seinen Äußerungen und Berechnungen auch bestimmt nicht nur Freunde im eigenen Land machen. Indes, es sieht so aus, als bewegte sich die Internetseite auf der korrekten Seite des Spiels.

Wir werden nun einmal abwarten, wie das WSSRC nach der Rückkehr Watsons reagieren wird. Wahrscheinlich bleiben Jesse Martin und seine „Lionheart“ in der Auszeichnungsliste.

Egal wie sich das WSSRC jedoch entscheiden wird, unbestritten bleibt die tolle seemännische Leistung der erst 16 Jahre alten Jessica Watson, die gezeigt hat, was man mit Mut, Disziplin, Ausdauer und Wille erreichen kann.

Mathias Müller

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