Kayaksegeln: „Hobie Mirage Adventure“ siegt bei Everglades Challenge

Segeltretpaddelauslegerexpeditionskajak

Die skurillsten Kleinstboote am Start – ein kurzer Spaziergang an der “Waterfront”

Jim Czarnowski, technischer Direktor bei Hobie/Kalifornien, triumphierte beim mittlerweile legendären 300-sm-Rennen durch die Everglades in neuer Rekordzeit.

So bieder betuchte Segler auf ihren Megayachten ja mitunter daher kommen, so durchgeknallt sind ihre Kollegen auf der anderen Seite der Extreme: Je kleiner desto toll, je wilder desto lohnenswert. In Minis nonstop um die Welt, in Mikros über den Atlantik, im Gummikat quer durch Norwegen oder im Strandkat schnell rüber nach Afrika. Um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Allein unter Pythons

Und nun eben: Im Segelkajak mit Tretbootmechanismus (!) durch die Everglades.(Veranstalter: Watertribes). Obwohl, nicht alle, die beim Everglades Challenge im März jeden Jahres teilnehmen, sind in so einem Hightech-Gefährt unterwegs. Der mit Abstand größte Teilnehmeranteil startet auf skurillen Eigenbauten (siehe Vid) oder schlicht normalen Kajaks; die meisten tun sich das Rennen alleine an, gezwungenermaßen, weil sie keinen Platz für Partner haben. Einzige Einschränkung beim Vortrieb: Es darf kein Motor genutzt werden. Ansonsten ist alles erlaubt: Segel, Paddel, Ruder, Tretbootsysteme…

Auf dem Weg zu neuen Märkten © hobie

Acht Tage Zeit haben die Teilnehmer für die ca. 380-sm-Strecke, um von St. Petersburg  rund um die Florida-Halbinsel nach Miami zu gelangen. Dabei wird nur an wenigen Stellen im offenen Seewasser gesegelt. Es geht u.a. auch durch ziemlich diffizile Passagen voller Seegras, lange Strecken führen durch Sümpfe, die diesen Namen durchaus verdient haben, über schmalste Kanäle, die höchstens einen Film Wasser zwischen Boot und Boden bieten. Verschiedene Routen sind möglich – die mit den wenigsten Seemeilen ist dann logischerweise die technisch schwierigste: Der National Park Wilderness Waterway.

Es kommt aufs Boot an. Wie immer!

So gefährlich, wie es sich anhören mag, ist es aber wohl nicht. Jeder Teilnehmer muss zwar ausgerüstet sein wie zu einer Dschungel-Expedition,  man darf aber durchaus GPS etc. nutzen. Die paar Pythons, denen man am Tag begegnet, sehen uns ja nur selten als natürlichen Feind, was übrigens auch für die Alligatoren gilt. Alles sonstige Sumpf-Getier macht ebenfalls meistens einen großen Bogen um die Menschheit, bis auf die Stechmücken.

Entsprechend spannend ist also nicht unbedingt der abenteuerliche Teil der Reise, sondern das Reisegefährt als solches. Von ihm werden echte Extreme verlangt: Schnellster Vortrieb unter Segeln bei gleich guten Fahrteigenschaften unter Paddel und Ruder, hohe Kentersicherheit auch bei starkem Wind, vor allem aber: robuste Bauweise! In vielen Passagen schrammen selbst die Seekajaks stündlich ein Dutzend mal über den Boden.

Hobie, Segelkajak,

Adventure-Island-Hobie © hobie

10 kn-Ritte auf offenem Meer

Für die Hobie-Company dürfte es ein Geschenk (oder die Frucht langer Arbeit) gewesen sein, dass ausgerechnet ihr technischer Direktor Jim Czarnowski (32) auf dem 16“-Ausleger-Kanu „Mirage Adventure Islands“ mit dem neu entwickelten Tretbootpaddelsystem „Mirage Drive“ (hier modifiziert mit MTB-Pedal und -Schuhen) erster seiner Kategorie wurde und eine neue Bestzeit auf der Wildparc-Route aufstellte: 5:09:26 Tage brauchte er für die letztendlich doch 330sm. „Es war ziemlich einsam da draußen, zwei Tage habe ich keinen Menschen gesehen.

Aber ich kam überall gut durch, durch die einklappbaren Ausleger auch auf den bachähnlichen Passagen.“ Am schwierigsten kamen ihm allerdings die Strecken auf dem offenen Meer vor. Bei 30 kn Wind und ein bis zwei Meter hohen Wellen hielt sich das Segelkayak ziemlich tapfer bei über 10 kn Speed! (Vid: Ausfahrt mit der Hobie Mirage Adventure)

Im Aufschwung

Derartige „Expeditions“- und Abenteuer-Events erleben weltweit einen Aufschwung. Hobie gibt an, dass sie die Mirage-Adventure-Island speziell für diesen Abenteuertypus baut und Potential von Zehntausenden käufern sieht.

Von St. Petersburg unten rum auf die andere Seite © google

Vielleicht heißt es ja auch bei uns bald beim Sonntag-Abend-Apero im Segelclub nicht mehr „Jau, der Wochenendtörn war ganz nett!“ sondern „bitte noch einen Doppelten, wir kommen gerade von unserer Expedition zurück!“

Okay, die meisten sind mit echtem Hightech unterwegs, aber es gibt auch Teilnehmer, die schon beim Strandstart ihre Schwierigkeiten haben. Was soll das erst in den Sümpfen werden?

Eventseite Everglades Challenge

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Kayaksegeln: „Hobie Mirage Adventure“ siegt bei Everglades Challenge“

  1. Oh oh oh, meine Ideenmaschine geht schon wieder los. Trotz schlechter Viedeoqualität konnte ich höchstens 4 bis 5 ernstzunehmende Gegner ausmachen. Melde mich da bloß einer für 2014 an… ich lass mir was einfallen, wie wir die Meisterschale nach Hamburg holen:-)

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  2. …”Video”… hab Grippe,sorry:-)

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  3. avatar Eckhard Euen sagt:

    Sehe das ähnlich wie du Andrea. Wobei die mit Tretbootantrieb ja schon den Flautenvorteil haben.
    Ich währe mit 12qm auf ‘nem Faltboot dabei;-) Wenn der Wind da immer so günstig steht wie in manchen anderen Videos aus der Gegend sollte da was zu machen sein. Videomaterial gäbe es auch schon was. Also wer ist der Sponsor?
    Eckhard

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