Kiel abgebrochen: Vercharterer der Beneteau “Cheeki Rafiki” schuldig gesprochen

"Aus Kostengründen..."

Douglas Innes, Vercharterer des verunglückten 40 Fußers “Cheeki Rafiki”, wird vom Gericht beschuldigt, die Sicherheit der Yacht nicht gewährleistet zu haben. Vier Menschen sind gestorben.

Cheeki Rafiki

Die kiellose Beneteau First 40.7 ‘Cheeki Rafiki’ © US Coast Guard

Im Mai 2014 hatte die Beneteau First 40.7 ‘Cheeki Rafiki’ 700 Meilen vor Nova Scotia den Kiel verloren. Andrew Bridge (21), James Male (23), Paul Goslin (56) und Steve Warren (52) waren auf dem Weg zurück nach Southampton in England, um das Charterschiff nach der Antigua Sailing Week zurückzubringen.

Bei dem Verfahren wurde festgestellt, dass auf hoher See bei harten Bedingungen unmittelbar vor dem Unglück Probleme mit der Kiel auftraten, und Skipper Andrew Bridge den Vercharterer Innes in England kontaktierte. Während eines Pub-Besuches  soll er beschwichtigend auf den Segler eingewirkt und von einem offiziellen Notruf abgeraten haben.

Aber die Situation verschlimmerte sich, und es trat weiterhin Wasser im Kielbereich ein. Bridge telefonierte erneut mit Innes, der schließlich den Notfall meldete. Dann schrieb er der Crew noch eine Mail, sie solle die Kielbolzen überprüfen.

Die Cheeki-Rafiki und ihre Crew © privat

Kurz danach muss der Kiel abgebrochen und das Schiff durchgekentert sein. Die Crew kam nicht mehr an die im umgedrehten Zustand unzugänglich gestaute Rettungsinsel und konnte sich auch nicht mehr beim Schiff halten. Die Segler sind offenbar abgetrieben. Sie wurden bis heute nicht gefunden. Nach zwei Tagen brach die US Coastguard die Suche ab. Aber nach eine Petition durch die britische Bevölkerung wurde weiter gesucht.

In der Verhandlung konnte sich die Jury nicht auf einen Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung einigen, und es wird eine Nachverhandlung geben. Aber die Jury war von der Schuld des Charter-Chefs in dem Sinne überzeugt, dass er nicht die Sicherheit der Yacht gewährleistet habe.

Beneteau 40.7

Die kiellose Beneteau First 40.7 ‘Cheeki Rafiki’ mit abgerissenem Laminat an backbord © US Coast Guard

Douglas Innes, dem Chef des Charter-Unternehmens Stormforce Coaching wird vorgeworfen, aus Kostengründen auf die notwendigen Sicherheitsuntersuchungen für die Yacht verzichtet zu haben. So soll “Cheeki Rafiki” in drei Jahren drei Grundberührungen erlitten haben, aber nicht entsprechend überprüft worden sein. Dabei dürften die Kielbolzen Schäden erlitten haben. Sie brachen schließlich, und der Kiel ging verloren.

Außerdem sei das Schiff entsprechend dem Code der britischen Maritime and Coastguard Agency (MCA) für den Charterbetrieb nur in Kategorie 2 statt 0 eingeteilt gewesen. Demnach habe das Schiff nur im Abstand von 60 Meilen zu einem sicheren Hafen operieren dürfen. Das Zertifikat dafür sei auch noch kurz vor dem Unglück abgelaufen. Kategorie 0 habe unter anderem einen höheren Sicherheitsstandard erfordert. Unter anderem eine Rettungsinsel, die sich im Notfall automatisch aufbläst. Sie hätte die Segler vermutlich retten können.

 

 

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Carsten Kemmling

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