Klassiker: Geschichte vom Onassis-Kennedy-Dinghy „Scallop“ – jetzt unter dem Hammer

Wie die Kennedys segeln lernten

12-Fuß-Böotchen mit Historie: Die "Scallop" © Howard boats

12-Fuß-Böotchen mit Historie: Die “Scallop” © Howard boats

Auf dem 12-Fuß „Old Beetle Cat“ lernten Caroline und John F. Kennedy Jr. segeln – in Griechenland! Buntes Stück Familien- und Bootshistorie.

Die Geschichte von Booten und Yachten ist, logischerweise, immer eng mit den Schicksalen ihrer Eigner oder Skipper verwoben. Entsprechend spannend wird es, wenn die Mitglieder berühmter Familien auf eben diesen segelnden Untersätzen ihren Spaß hatten. Aus einem simplen, 3,60 Meter kurzen Dinghy wird dann im Laufe der Jahrzehnte mal eben ein Stückchen Kultur.

Richtig entspannt nur beim Segeln… John F. Kennedy © the white house

Richtig entspannt nur beim Segeln… John F. Kennedy © the white house

Die altehrwürdige US-Ostküsten-Familie der Kennedys hat bekanntlich einige begeisterte Segler hervorgebracht. Unvergessen die Bilder des sichtlich entspannten US Präsidenten John F. Kennedy am Ruder seiner 19 –Meter-Ketsch „Manitou“. Überhaupt war der „Popstar“ unter den US-Präsidenten als begeisterter und gar nicht mal so schlechter Segler bekannt, der am liebsten jede freie Minute unter Segeln verbracht hätte. Auch oder gerade mit seiner Familie.

Kennedys lernten auf Jollen segeln!

Wie hoch geschätzt diese seglerische Tradition in der Dynastie war, zeigte Jahre nach John F. Kennedys Ermordung dessen Witwe Jaqueline.

Zwischenzeitlich mit dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis verheiratet, verbrachten sie und ihre beiden Kinder Caroline und John F. Kennedy Junior die Sommer bevorzugt im Mittelmeer.

Die "Scallop" wieder in den Originalfarben © howard boats

Die “Scallop” wieder in den Originalfarben © howard boats

Und irgendwann hieß es: Die Kids sollen endlich segeln lernen! Nun geht die Mär, dass Herr Onassis als damals weltweit gewichtigster Reeder eine kleine Auswahl interessanter Yachten zur Verfügung stellte, damit der Kennedy-Nachwuchs Ruder gehen und stehen lernen sollte.

Doch „Jacky“ entschied eher im Sinne des Kennedy-Clans: „Segeln wird auf Jollen gelernt. Punktum!“

Dafür ließ sie im Winter 1969-70 den „Old Beetle Cat“ Nr. 1426 bei der Concordia-Werft in South Dartmouth, Massachusetts bauen. 12 Fuß kurz, sechs Fuß breit, mit einem 10 Fuß langen Baum, Gaffel-getakelt. Die Kat-Takelung war damals der Inbegriff für solides und gleichzeitig höchst sportliches Segeln.

„Exzessiv“ gesegelt

Das Boot wurde „Scallop“ (Jakobsmuschel) getauft, wie in der Bootsklasse üblich der Name mit großen Bronze-Lettern auf dem Heck verschraubt und stante pede nach Griechenland transportiert. Dort segelten Caroline und John F. junior die Jolle drei Sommer lang, teils exzessiv und „viel zu weit draußen“ wie Jacky in Briefen an Freundinnen schrieb.

In den Siebzigern ließ Jacky das Dinghy wieder zurück an die Ostküste, nach Hyannis Port bringen. Dort verkaufte sie es Jahre später standesgemäß an eine andere „gutsituierte und respektierte“ Ostküstenfamilie.

Nächste Woche soll die „Scallop“ in den USA versteigert werden. Dass sie dafür in den Originalfarben präsentiert werden kann, ist übrigens Caroline Kennedy zu verdanken. An sie wandte sich der heutige Eigner, Besitzer einer kleinen Holzbootwerft, im Jahre 2006 mit der Bitte um „farbliche Aufklärung“, da unter neun Schichten Lack „untypisch bunte“ Farbtöne gefunden worden seien.

Caroline freute sich offenbar sehr darüber, dass „Scallop“ noch segelte. In mehreren Briefen beschrieb sie u.a. ihre Segelerlebnisse mit dem „Old Beetle Cat“ und erinnerte daran, dass die Originalfarben mit Bedacht von ihrer Mutter gewählt wurden: Die „Scallop“ sollte sich farblich nicht von den griechischen Fischerbooten unterscheiden. Stilsicher war „Jacky“ eben schon immer!

Mit Original-Bronze-Lettern © howard boats

Mit Original-Bronze-Lettern © howard boats

 

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