Klassiker Porträt: 75 Fuß Holzkatamaran-Oldie „PPalu“ nach Havarie wieder fit

Wiedergeburt nach Untergang

Im Frühjahr schlug der 75 Fuß lange 37 Jahre alte Kat-Klassiker „PPalu“ leck. Aber die 1977 auf einem Karibikstrand gebaute Katamaranketsch mit großer Geschichte segelt wieder.

Yachten haben ihr Eigenleben, das wissen wir alle. Manche behaupten sogar, sie hätten so etwas wie eine „Seele“… aber lassen wir das, vorerst. Der Holzkatamaran „PPalu“ ist jedenfalls eines dieser Schiffe, die mit Charakter und Charisma seit Jahrzehnten ihre menschlichen Mitsegler zum Träumen und Fluchen bringen. Und dabei entwickeln sie durchaus so etwas wie ein Eigenleben.

Sie schwimmt wieder – in voller Schönheit © west

Sie schwimmt wieder – in voller Schönheit © west

Trockendock am Strand

Schon die Entstehung dieses außergewöhnlichen Schiffes sorgte 1977 für Furore. Denn die „PPalu“ wurde seinerzeit nicht – wie für große Katamarane schon damals durchaus üblich – in einer französischen Spezial-Werft an der Atlantikküste gebaut, sondern auf der Karibikinsel Sint Maarten. Und zwar am Strand!

Designer Peter Spronk verpasste dem für damalige Zeiten großen (75 x 28,6 Fuß), aber dennoch ausgesprochen leichten Renner (18 Tonnen Verdrängung)  ein Ketsch-Rigg, von dem man sich vor allem auf langen Schlägen im Passat stabiles und schnelles Segelverhalten versprach. Der Rumpf wurde in Klinkerbauweise aus Epoxy-verleimtem Bootssperrholz gebaut.

Randy war einer von 200 Personen, die 1977 die "PPalu" zum wasser trugen © toursime st. marteen

Randy war einer von 200 Personen, die 1977 die “PPalu” zum wasser trugen © toursime st. marteen

Als die knallrote Yacht 1977 zu Wasser gelassen wurde, packten vor den Hütten der kleinen Werft Landseair 200 Menschen an, um das Boot runter zum Wasser… zu tragen! Auf einen unter ihnen kommen wir später noch zu sprechen.

Bei der ersten “Route du Rhum”

Ein Jahr nach der Wasserung lag der „karibische“ Katamaran stolz im Fischereihafen von St. Malo, um unter dem Namen „Paul Ricard“ mit dem französischen Promi-Skipper Marc Pajot, den Großen der damaligen Szene wie Eric Tabarly oder Alain Colas bei der ersten Ausgabe der Transatlantik-Regatta „Route du Rhum“ die Stirn zu bieten.

Pajot, der später gemeinsam mit Tabarly den ersten Foil-Trimaran gleichen Namens segelte, nahm die heutige „PPalu“ jedoch „zu hart ran“: Die Ketsch verlor ihren Hauptmast und Pajot die Lust am Boot.

Unter dem Namen "Paul Ricard" bei der ersten Route du Rhum 1978 © galabrun

Unter dem Namen “Paul Ricard” bei der ersten Route du Rhum 1978 © galabrun

„PPalu“ begeisterte dennoch weiter. Nicht mehr bei großen Transats, sondern bei kleineren Regatten in der Karabik, vor allem aber als ungemein schneller Cruiser-Racer auf langen Törns im Atlantik und Pazifik.

Die Katamaranketsch schaffte entspannt die für damalige Zeiten enorm hohe Spitzengeschwindigkeit von 28 Knoten. Ein amerikanischer Skipper, der das Schiff in den späten Achtzigern erwarb, schwört, dass er sogar über 30 Knoten schnell mit der „PPalu“ unterwegs gewesen sei. Kurz, dieser formschöne, meist knallrot bemalte Holzkatmaran blieb über Jahrzehnte hinweg ein echter „eyecatcher“: Schnell, rasant und vor allem geräumig zog er die Schönen und Mondänen für Daysailing und lange Törns gleichermaßen an.

Werbeplakat © tourisme st. barth

Werbeplakat © tourisme st. barth

Tauchboot

Irgendwann genügte „PPalu“ dann aber doch nicht mehr den Ansprüchen der Superreichen und die Ketsch wurde über 20 Jahre hinweg als Mutterschiff für Tauchexkusionen in der Karibik genutzt.

Dabei war der 75-Fuß-Katamaran offenbar nicht immer leicht zu handhaben. Tauchlehrer berichteten von „zickigem“ Verhalten des Schiffes beim Anreisen zu den Tauchspots. Nur noch selten wurde die volle Segelfläche genutzt, irgendwann das Rigg gekürzt, schließlich nur noch ein Stützsegel bei Fahrten unter Motor gesetzt. Es ging bergab mit der „PPalu“.

Doch das Schiff stand unter ständiger Beobachtung. Einerseits durch Holzboot-Liebhaber auf der ganzen Welt, aber auch durch karibische Segler, von denen einige eine ganz besondere Zuneigung zu dem Boot entwickelten.

Back to the Roots

Zum Beispiel Randy West, der von Insidern auch gerne der „Commodore der Karibik“ genannt wird. Nicht zuletzt, weil er sich in Multirumpf-Kreisen einen Namen als Skipper und Navigator gemacht hatte.

Randy West hegte seit Jahrzehnten einen Traum: Er wollte diesen „wunderschönen Katamaran“, an dessen Wasserung er als Junghippie am Strand von St. Maarten beteiligt war, irgendwann einmal segeln. Besser noch: Er wollte die „PPalu“ sein eigen nennen.

Randy während der ersten Restaurierung © west

Randy während der ersten Restaurierung © west

Als die Katamaran-Ketsch dann vor vier Jahren zum Verkauf stand, war sie in einem eher suboptimalen Zustand: Der Holzrumpf leckte, viele Stellen waren rott, die Segel hingen jämmerlich am Mast und das Interieur trug die Spuren von Tausenden Tauchern und Schnorchlern, die darauf gefeiert und während der Heimfahrt von See auch gekotzt hatten.

Träumen wird man ja noch dürfen!

West blieb seinem Traum treu. Er gründete das Projekt „PPalu“, restaurierte mit Hilfe von Freunden und seiner Frau das Schiff von Grund auf und brachte es nahezu in seinen Originalzustand zurück. Im Dezember 2013 starteten Joanne und Randy schließlich zur „Reise ihres Lebens“. Sie wollten auf „PPalu“ leben, durch die Karibik tingeln, vielleicht später rüber in die Südsee.

"Ziemlich großes leck!" © west

“Ziemlich großes Leck!” © west

Ein  Traum, der nur drei Monate währte. Im Hafen von St. Martin vor Anker schwojend – Randy West segelte die Heineken Week auf dem Gunboat von Gunboat-Gründer Johnson – löste sich offenbar der Anker der „PPalu“ und das Holzschiff trieb auf einen nahen Felsen.

Ein paar Wellen später lief bereits ein Rumpf voll, das Schiff legte sich bedrohlich auf die Seite.

Ein Schiff, das nicht aufgibt

Doch das Schicksal meinte es nochmals gut mit dem Holzveteranen: Kompetente Helfer retteten in einer Nachtaktion den leck geschlagenen Katamaran vor dem Untergang und zogen es in eine nahe gelegene Werft.

Dort machten sich Joanne und Randy wieder von Neuem ans Werk…

Das Grobe ist getan © west

Das Grobe ist getan © west

Der Film zeigt minutiös die Rettung der „PPalu“ und lässt Randy und Joanne zu Wort kommen. „Es ist, als hätte das Schiff gekämpft!“ sagt Randy West. „Es zeigte uns allen, dass es noch viel, viel mit uns vor hat!“ ergänzt Joanne auf Facebook ergriffen.

Heute segeln die beiden auf der vollständig runderneuerten und vor allem dichten „PPalu“ wieder durch die Karibik. Sie sind sich sicher, dass sie “ihr Katamaran-Klassiker noch richtig weit bringen wird.”

Website

Facebook

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
https://yachtservice-sb.com

2 Kommentare zu „Klassiker Porträt: 75 Fuß Holzkatamaran-Oldie „PPalu“ nach Havarie wieder fit“

  1. avatar dubblebubble sagt:

    Super! Die Story, das Boot, die Schreibe… *seufz* Da fange ich das Träumen an.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

  2. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Anbei ein ausführliches Video der Bergung mit Hintergrundinformationen (englisch):

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *