Klassiker: Viermastbark„Peking“ wird in Wewelsfleth restauriert – Hamburger Werften zu teuer

Huckepack über den Atlantik

So hart war einst das Leben auf dem Salpeter-Frachter “Peking” – historische Aufnahmen während Fahrt rund Kap Hoorn:

Nach der Überholung in Schleswig-Holstein soll die „Peking“ das Schmuckstück des neuen Hamburger Hafenmuseums werden. Bund stellt 26 Millionen Euro bereit.

Für die Klassiker-Freunde unter den Seglern dürfte das Jahr 2017 ein denkwürdiges werden. Denn   zum ersten Mal seit 1932 wird die Viermastbark „Peking“, einer der bekanntesten Großsegler der Welt, wieder nach Deutschland zurückkehren. 1911 war das Frachtschiff bei der Hamburger Werft Blohm und Voss vom Stapel gelaufen und wurde als einer der berühmten „Flying P.-Liner” der Reederei F. Laeisz für den Transport von Chilesalpeter zwischen Südamerika und Deutschland eingesetzt. 

Doch die erste Station ihrer Heimkehr wird nicht der Heimathafen Hamburg sein. 

115-Meter-Frachtsegler

Unter fünf Werften, die ein Angebot für die millionenschwere, mindestens zwei Jahre andauernde Totalrestaurierung der 115 Meter langen, sehr „heruntergekommenen“ Stahlbark abgegeben haben, bekam schließlich die Schleswig-Holsteinische Peters Werft in Wewelsfleth den Zuschlag. Das Traditionsunternehmen kann auf viel technisches Know-how und reichlich Erfahrung im Umgang mit Großseglern und Megayachten verweisen und sichert nun mit diesem Auftrag die Beschäftigung für 110 Mitarbeiter während der nächsten zwei Jahre. 

Peking, Viermastbark, Restaurierung, Hamburger Museumshafen

Die Peking beim Verholen nach Staten Island. Dort wird sie derzeit abgeriggt und für die Überfahrt vorbereitet © Freunde Peking

„Pekings“ Geburtswerft Blohm & Voss, die das Prestige-Objekt gerne ebenfalls restauriert hätten, lag mit seinem Angebot offenbar deutlich über dem der Wewelsflether. 

Nach ereignisreichen Jahren als Fracht- und Schulschiff und reichsdeutscher Flagge, nach Jahren als Unterkunftsschiff der britischen Marine wurde die „Peking“ 1975 in die USA verkauft. Dort fristete sie in New York – wieder unter ihrem ursprünglichen Namen – ein eher tristes Dasein als eine Art Museumsschiff im South Seaport des Big Apple. 

Seit 41 Jahren lag die „Peking“ somit im New Yorker Museumshafen, immer wieder wollten Hamburger Schiffsliebhaber sie „nach Hause“ holen, doch alle Initiativen scheiterten – bis es der Stiftung „Hamburg Maritim“ im vergangenen Sommer gelang, das historische Schiff offiziell vom New Yorker „South Street Seaport Museum“ zu übernehmen.

Peking, Viermastbark, Restaurierung, Hamburger Museumshafen

Historische Fotografie der Peking © freunde peking

Seit 2012 ist bekannt, dass die New Yorker die mittlerweile völlig marode „Peking“ loswerden wollen. Keine einfache Angelegenheit, da allein für die Instandsetzung zum Transport in einen anderen Hafen der Welt mehrere Millionen Dollar veranschlagt wurden. 

26 Millionen Euro bereitgestellt

2015 beschloss der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die Peking für das (im Bau befindliche) Neue Hamburger Hafenmuseum zurück nach Deutschland zu holen. Der Bundestag stellte für Restaurierung und Transportkosten des Großseglers 26 Millionen Euro bereit. 

Im Herbst letzten Jahres wurde die „Peking“ in eine Werft auf Staten Island vor New York verholt, wo sie seitdem für den Transport über den Großen Teich vorbereitet wird. 

Peking, Viermastbark, Restaurierung, Hamburger Museumshafen

Auf der Combi Dock I soll die Peking huckepack über den Atlantik gebracht werden © combi lift

Diese Transportfahrt wird jedoch nicht wie seinerzeit nach dem Verkauf der „Peking“ von England in die USA mit einem Hochseeschlepper erfolgen, sondern huckepack auf einem modernen Dockschiff der Bremer Reederei Combi Lift. Das Schwergut-Dockschiff “Combi Dock I” ist 170 Meter lang, 25 Meter breit und bringt es auf eine maximale Geschwindigkeit von 16 Knoten. Der Tiefgang beträgt bis zu 6,6 Meter, der Absenktiefgang elf Meter.

Die „Combi Dock I“ ist derzeit auf dem Weg Richtung New York. Vier Tage Verladezeit rechnet man, bis die „Peking“ auf dem Dockschiff thronen wird. Etwa 12 Tage dürfte die Rückreise nach Deutschland dauern. Mit der Ankunft in Deutschen Hoheitsgewässern wird noch im Juli gerechnet. In Brunsbüttel Elbe Port soll die Stahlbark zunächst ausgedockt werden, danach wird sie elbaufwärts durch das Stör-Sperrwerk bis nach Wewelsfleth auf eigenem Kiel geschleppt. 

Website Freunde der Viermastbark Peking

Zwei NDR-Produktionen: Die “Peking” wird reisefertig gemacht.

 

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Michael Kunst

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