Kleiner segeln: Extremsegler getroffen – Interview mit 22 Fußer Skipper Kuczynsk

„Du musst an Dich glauben!“

Auf 6,40 m -Serienyacht um die Welt © Szymon Kuczynsk

Auf 6,40 m -Serienyacht um die Welt © Szymon Kuczynsk

Mit einem 6,40 m kurzen Serienschiff in zwei Jahren rundum segeln – Szymon Kuczynsk will zeigen, dass man auch mit kleinem Budget Großes erleben kann. Ein Interview.

„Wir lagen seit einigen Tagen im portugiesische Hafen Leixoes, nahe Porto,“ schrieben uns SR-Leser Volker Mandler und Cornelia Grossmann von seiner Dehler 41 „Hexe“, „und warteten auf günstige Winde um in Richtung Süden zu segeln. Da lief morgens um fünf Uhr unter Segeln ein junger polnischer Segler auf einer Maxus 22 in den Hafen ein.“

Die Deutschen und der Pole kamen bald ins Gespräch und die „Hexer“ staunten nicht schlecht: Szymon Kuczynsk will mit seinem 6,40 Boot um die Welt segeln. Und so andere davon überzeugen, dass man auch mit kleinem Budget sogar mit ein wenig Komfort, sich große seglerische Träume erfüllen kann.

Lieber ohne Motor unterwegs: Szymon Kuczynsk  © Mandler

Lieber ohne Motor unterwegs: Szymon Kuczynsk © Mandler

Volker Mandler interviewte den 33-Jährigen Polen für SR:

Wie kommt man denn auf die Idee, auf so einem kleinen Schiff um die Welt zu segeln?

Szymon: Ich habe vor 22 Jahren auf einem Binnensee bei Grimbergen segeln gelernt und meine Leidenschaft für diesen fantastischen Sport war geweckt. Seitdem hat mich das Segeln nicht mehr losgelassen. Auf die Idee, um die Welt zu segeln, kam ich schon als Kind, da habe ich die Bücher von solchen Segelikonen wie Tabarly, Moitessier und Hiscock gelesen. Nach der Segelschule bin ich dann Regatten gesegelt, überwiegend auf kleinen Segelschiffen, auf der Ostsee.

Okay, einhand um die Welt segeln… das wollen viele. Aber warum quetscht man sich dafür als 1,90-Meter-Mann in so eine Nussschale?

Szymon: Ich segele gerne allein, bin aber kein Einzelgänger (lacht.). Ich will mich viel eher ausprobieren, an meine Grenzen gehen, so wie beim Radfahren, meiner zweiten Leidenschaft, ich habe auch ein Fahrrad dabei, zerlegt in Einzelteilen.

Da mein finanzielles Budget nicht so groß ist, habe ich mich für ein kleines Schiff entschieden. Kleines Schiff – kleine Probleme, wenig Elektrik, überschaubarer Unterhalt, beherrschbare Segelgröße, näher zur Natur und näher zum Wasser.

Du hast jetzt schon über 2000 Seemeilen mit Deiner Maxus 22 zurückgelegt. Bist du zufrieden mit Schiff, Segeleigenschaften, Speedpotenzial und insbesondere dem Seeverhalten?

Kleines Boot für den großen Schlag © Mandler

Kleines Boot für den großen Schlag © Mandler

Szymon: Freunde von mir sind vor ein paar Jahren mit dem gleichen Bootstyp problemlos von Polen nach Island gesegelt, das hat mich schon mal sehr beeindruckt. Auch meine Reise bis hier nach Porto verlief problemlos, das Boot ist solide gebaut, verfügt über einen Ballastanteil von 45 Prozent, ist schnell und leicht zu handhaben, auch wenn es mal heftig weht. Und das hat es in den letzten Tagen in Portugal ja reichlich getan.

Ich habe häufig Tagesetmale von 120 Seemeilen, die Spitze liegt bei 140 gesegelten Seemeilen in 24 Stunden. Ich bin die ganze Strecke bis hierher gesegelt, weil ich bewusst auf einen Motor verzichtet haben. Weiterhin bietet das Schiff eine großen Innenraum und zahlreiche Staumöglichkeiten.

Bleiben wir beim Schiff; Du hast zusammen mit der Northmanwerft, die die Maxus 22 baut, einige Modifikationen an dem Schiff vorgenommen, was sind die wichtigsten?

Szymon:

–      wasserfest verschließbares Niedergangsluk
–      Fluchtluke am Heck, wie bei den Open oder Mini 6.5
–      Cockpit nach hinten geschlossen
–      höherer Ballastanteil im Kiel
–      dickeres Laminat und andere Gelege/ Matten an besonders beanspruchten Rumpfstellen
–      verschiedene Handläufe am Aufbau
–      Wanten und Stage haben einen größeren Durchmesser
–      breitere Salinge
–      ein wegnehmbares Kutterstag für die Sturmfock
–      dritte Reffreihe im Großsegel

Die "Kleinen" laufen immer besser © Szymon Kuczynsk

Die “Kleinen” laufen immer besser © Szymon Kuczynsk

Was waren bisher Deine schönsten Erlebnisse und gab es auch schon heikle Situationen?

Szymon: Ich genieße es wirklich sehr, jeden Tag auf dem Boot zu sein, das allein macht mich schon sehr glücklich. In einer Nacht haben mich Delfine für eine Weile begleitet. Es gab dazu noch Meeresleuchten, die Körper der Delfine waren dadurch hell erleuchtet, einfach unbeschreiblich schön.

Eine etwas unheimliche Situation gab es bei Ushant, plötzlich zog dichter Nebel auf, das Schiff machte zu dem Zeitpunkt sechs Knoten, ich hatte auf dem AIS zahlreiche Schiffe in der Nähe. Aber eben durch das AIS fühlte ich mich dann doch sicher.

Glaubst Du, dass jeder, der den Willen hat (und das nötige Wissen), mit so einem kleinen Schiff um die Welt segeln kann? Oder muss man dafür irgendwie berufen sein?

Szymon: Also ich denke, dass jeder, der an sich glaubt und über ein bisschen Geld verfügt, mit einem seetüchtigen kleinen Schiff große Reisen unternehmen kann. Es muss ja nicht immer um die Welt sein. Wichtig ist auch mal, auf Komfort und Luxus verzichten zu können.

Du hast für die Weltumsegelung ca. 2 Jahre eingeplant, wie sieht Dein Zeitplan und Deine Routenplanung aus?

Geplante Route © Szymon Kuczynsk

Geplante Route © Szymon Kuczynsk

Szymon: Also ich will jetzt so rasch es das Wetter zulässt zu den Kanaren segeln, von da aus im November in die Karibik, dort nicht zu lange bleiben und im Januar 2015 zum Panamakanal aufbrechen, die Galapagosinseln auslassen (weil das Permit mir zu teuer ist), und in 50-60 Tagen zu den Marquesas segeln, dann nach Samoa und anschließend nach Australien.

Fast wie ein Serien-Mini-6.50 – zumindest von der Seite © Szymon Kuczynsk

Fast wie ein Serien-Mini-6.50 – zumindest von der Seite © Mandler

Von dort aus durch die Torresstrait über die Cocos-Island zu den Malediven. Anfang 2016 hoffe ich dann, in Südafrika anzukommen, um von dort eventuell direkt zu den Azoren zu segeln. Vielleicht mache ich auch einen Stopp auf St. Helena oder in Brasilien. Im Herbst 2016 will ich wieder in Polen sein.

 

Rund um die Welt auf einer Maxus 22

Name: Szymon Kuczynsk
Alter: 33 Jahre
Segelt seit 22 Jahren
Boot: Maxus 22
Bootstyp: Slup/ Kielyacht
Bauwerft: Nortman
Geplante Reisedauer gesamt: 2,5 Jahre
Schiffsname: Atlantic Puffin
Website:http://www.zewoceanu.com(mit Übersetzungstool)

 

Volker Mandler und Cornelia Großmann sind mit ihrer „Hexe“ ebenfalls auf großer Fahrt. Sie berichten per Blog nahezu täglich von ihren Erlebnissen.

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3 Kommentare zu „Kleiner segeln: Extremsegler getroffen – Interview mit 22 Fußer Skipper Kuczynsk“

  1. avatar Alex Lang sagt:

    Ich mach mir langsam Sorgen ob ich mit meinem geplanten 30-Fußer noch im Trend liege 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

    • avatar windhund sagt:

      Och, ich glaub das steht ja ganz gut da oben beschrieben: “Szymon: Also ich denke, dass jeder, der an sich glaubt und über ein bisschen Geld verfügt, mit einem seetüchtigen kleinen Schiff große Reisen unternehmen kann.” Und 30 is doch noch ziemlich klein. Um mediale Aufmerksamkeit zu haben, kannst ja vielleicht ne Tour mit der Bente machen, wenn du bis bis dahin Zeit hast und das Schiff realisiert wird und dir kein anderer zuvorkommt 😉

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

      • avatar digger.hamburg sagt:

        Kann Alex sogar auf der hanseboot schon anschieben, das Projekt. Als Selbstbaukit wird Bente dort schon verfügbar sein. 😉 Dann könnte er auch vor mir los.

        Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

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