Kloakensegeln: Leichenteile im Olympischen Regattarevier fotografiert

„Das ist hier normal“

Kloake, Müll, Segelrevier, Rio de Janeiro

Nicht nur tote Fische werden im Olympischen Segelrevier gesichtet © voldema

Brasilianische Medien berichteten gestern von einem weiteren grausigen Fund in der Gunabara Bucht vor Rio: Ein abgetrennter menschlicher Arm trieb in den Abwässern.

Vor zwei Jahren veröffentlichte der australische Segelstar Nathan Outteridge auf seinem Blog ein Foto, auf dem er während erster Trainingsschläge im Olympischen Revier vor Rio de Janeiro mit seinem 49er an einem Hundekadaver vorbei segelte. Der Schnappschuss sorgte damals in der Segelwelt für reichlich Aufregung und eröffnete gewissermaßen die Diskussion um die Wasserqualität in der Guanabara Bucht, wo im August 2016 die Segelelite der Welt um olympische Medaillen kämpfen soll.

Kloake, Müll, Segelrevier, Rio de Janeiro

Outteridge überfährt beinahe einen Hundekadaver © outteridge

Makabrer Fund

In der Zwischenzeit berichteten weltweit die Medien in unzähligen Artikeln über die desaströse Lage in dem „Kloakenrevier“ der vermeintlichen „Traumbucht“ vor Rio. Abwässer der Favelas, die ungeklärt in den Atlantik fließen, treibende Müllhalden vor der Küste, tonnenweise tote Fische und gefährliche Superviren, die in der Brühe nachgewiesen wurden, gelten mittlerweile als „das Schandmal“ dieser Olympischen Spiele.

Trotz mehrfacher Zusagen und Versprechungen sehen sich mit heutigem Stand die brasilianischen Behörden und die Organisatoren der Olympischen Spiele außerstande, die Guanabara-Bucht bis zum Beginn der Segelwettkämpfe zu säubern.

Gestern veröffentlichten brasilianische Medien einen weiteren grausigen Fund: In der Bucht wurde ein abgetrennter menschlicher Arm fotografiert (Achtung: Verstörender Inhalt) und weitere Leichenteile gesichtet.

Rio, Olympiade, Müll, Meeresverschmutzung

Zehntausende Tonnen Müll und Millionen Liter Abwässer werden jeden tag in die Bucht geschwemmt © Secretaria de Estado do Ambiente do Rio

Die sofort eingeschaltete Polizei reagierte jedoch gelassen. Solche Funde seien nicht ungewöhnlich, hieß es. Rio sei eben eine gewalttätige Stadt und die „Entsorgung“ der Opfer geschehe oft über das Meer, wird ein Polizeisprecher auf den Websites mehrerer lokaler Tageszeitungen zitiert.

Und der in Brasilien bekannte Biologe und Umweltschützer Mario Moscatelli, der sich seit über 20 Jahren für eine saubere Guanabara-Bucht einsetzt, bestätigt: „Ich habe hier schon oft ganze Leichen oder Leichenteile treiben sehen, das ist normal.“ Auch Leichname seien eben Abfälle des Molochs Rio de Janeiro.

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Michael Kunst

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4 Kommentare zu „Kloakensegeln: Leichenteile im Olympischen Regattarevier fotografiert“

  1. avatar Theo Scheurmann sagt:

    Es stellt sich nur die Frage ob die Funktionäre des IOCs oder FIFA korrupter sind. Das ganze welche nun wirklich auch dank den Segelreportern nicht neu ist nur noch absolut widerlich.
    Sämtliche Wassersportverbände hätten tatsächlich genug Zeit gehabt Alternativen auszuarbeiten, oder gehören die zur gleichen Gruppe der obengenannten Verbände?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  2. avatar Müller sagt:

    Es liegt allerdings auch in der Eigenverantwortung der Sportler, welchem gesundheitlichen Risiko sie sich aussetzen. Egal, ob Doping oder Dümpeln im Dreck, kein noch so mächtiger Verband könnte seine Schmutzigen Geschäfte durchziehen, wenn nicht auch auf der Seite der Sportler größte Bereitschaft bestehen würde, die Gesundheit massiv aufs Spiel zu setzen.
    Wie sich die Berichte und Erfahrungen aus dieser Kloake anhören, wird sich niemand hinter einem “hatte ja keine Ahnung” und “ich wusste nicht, in was für einer Brühe wir segeln mussten” verstecken können. Das wäre dann einfach: selbst Schuld….

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 3

  3. avatar alikatze sagt:

    Es würde nur “funktionieren”, wenn sich eine große Schaar der qualifizierten Segler gemeinsam entschlösse, den Spielen fern zu bleiben. Ich weiß nicht, ob ich – wenn ich so lange trainiert und die Qualifikation geschafft hätte – ob ich diese ganze Lebenszeit, Arbeit und den olympischen Traum dann “einfach” wegwerfen würde. Ich glaube, diese Entscheidung wird jedem schwer fallen, der die Quälerei bis dahin mal annähernd mitgemacht hat.
    Nach einem Boykott zu rufen ist da viel einfacher. Wenn die Zuschauer weg blieben, täte es den Veranstaltern weh – den korrupten Schergen des IOC aber auch den einfacheren Bürgern vor Ort, die von dem Zirkus und dem Tourismus leben wollten. Es täte auch den Sportlern weh, aber sie wären sich so einer Unterstützung ihres Wegbleibens vielleicht etwas sicherer.
    Tja, wenn…
    Ich habe Olympia immer gerne verfolgt. aber Dank des Versagens unserer Verbände, die Spiele zum Wohle der Sportler zu pflegen, schmeckt das Zuschauen nicht mehr. Ich wünsche wenigstens allen Athleten, dass sie nach Maßen des Sports gesund wieder nach Hause kommen.

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  4. avatar Backe sagt:

    Ein Spiele-Boykott der Segler, wie berechtigt auch immer, oder auch nur ein allzu lauter Protestschrei während der Spiele, hätte eines sofort zur Folge: das Segeln vom IOC sofort als olympische Sportart gestrichen würde.

    Die Angst genau davor erklärt die willfährige Leugnerei und Kleinrednerei der internationalen Segel-Funktionärsriege.
    Denn die Sorge, die eigenen, seit Jahrzehnten gut gefüllten Fleischtöpfe (fernab jeder Kloake, und auch fernab jedweder Sportlichkeit an sich) könnten leer bleiben, ist deutlich größer, als das Verantwortungsbewusstsein den teilweise sehr jungen Sportlern gegenüber, deren Interessen und Wohl man zu vertreten vorgibt.

    Wie Allkatze schreibt: Die Sportler, die unter diesen Umständen versuchen, ihren Traum, einmal im Leben bei olympischen Wettkämpfen dabei gewesen zu sein, zu realisieren, müssen einem leid tun.
    Meine Kinder sollen, wenn ich es verhindern kann, nicht mit von finanzieller Förderung und Vermarktung bestimmten Leistungssportarten in Berührung kommen. Die sollen ihren Sport zum Spaß machen dürfen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

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